Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Wo Zeit (k)eine Rolle spielt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Wo Zeit (k)eine Rolle spielt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:57 15.02.2013
WITTSTOCK

. Dort verbringen 22 Senioren ihren Lebensabend. „Die Bewohner zu begrüßen, ist das Erste was ich auf meinem täglichen Rundgang mache“, sagt die Chefin des Hauses. Heute musste sie das Ritual verschieben. Sie hat mich, die Frau von der MAZ, seit gut zwei Stunden im Schlepptau.

Der lichtdurchflutete Speise- und Aufenthaltsraum besitzt sogar eine Verglasung zum Flur. Da entgeht niemandem was. So haben die Senioren mich, die Fremde, längst erspäht. Die Scheiben sind nämlich so groß wie ein paar aneinander gereihte Schaufenster. Wirklich toll, wie ich finde. Neugierig schweift mein Blick durch die Fenster ins Innere dieses Raumes. Und viele ebenfalls neugierige Blicke wandern von dort wieder heraus. Auf die nächst folgenden Stunden bin ich sehr gespannt. Im Dienstzimmer trifft die Altenpflegerin Marion Schönfeld ihre Vorbereitungen. Sie ist auch Praxisanleiterin für Auszubildende. Aber viel besser ist: Sie wird mir gleich beistehen, wenn ich versuche, quasi „ein Bein in die Tür“ zu kriegen. „Die Bewohner denken jetzt bestimmt, dass es eine neue Ärztin gibt“, will Marion Schönfeld die „armen“ Senioren noch eine Weile auf die Folter spannen. Schließlich lösen wir das Rätsel auf. Ich stelle mich vor und bekomme ein freundliches Lächeln von allen geschenkt. Nun ist endlich klar, dass niemand vor mir Angst haben muss, und es doch keine neue Ärztin gibt.

Am liebsten würde ich mich zu den Senioren dazugesellen. Aber ist die Zeit knapp. Ich möchte nämlich dem Pflegeteam zur Seite stehen: Pardon, wohl eher im Wege stehen. Es ist Mittag. „Möchten Sie Frikassee oder Matjes, was Deftiges oder was Leichtes?“, fragen die beiden Pflegekräfte Kordula Bohnsack und Tobias Baich jeden einzeln, während sie liebevoll ihre Hand auf die Schultern der Bewohner legen. Die Speisen werden in der hauseigenen Küche im Erdgeschoss frisch zubereitet. Wer möchte, kann sein Mahl auch im großen Speisesaal einnehmen. Für die anderen fährt der Servicewagen in die Wohnbereiche. „Was kann ich jetzt tun?“, frage ich. Denn die Gelegenheit ist günstig mich nützlich zu machen. „Den Geschirrspüler ausräumen“, entgegnet mir promt die Praxisanleiterin Marion Schönfeld. An den Kunststoffbechern hängen noch Wassertropfen. In mir bricht der Putzfimmel aus. Ganz nach Hausfrauenart schweift mein suchender Blick etappenweise durch die Küche. „Wo sind die Trockentücher?“ „Zum Nachtrocknen haben wir einfach keine Zeit. Die Becher werden ohnehin gleich wieder ausgeteilt. Sortieren Sie die in den oberen Schrank links ein“, sagt Tobias Baich, während er die Teller auffüllt. Aha, dann schüttele ich die Becher aus dem Handgelenk trocken. In den Schränken erkenne ich ein Ordnungssystem, wonach Geschirr, Tassen und Gläser der Größe nach ihren festen Platz haben. Wahrscheinlich werden die Becher auch nach Farben sortiert... „Sie brauchen die Becher nur übereinander zu stellen“, so Tobias Baichs Hinweis aus dem Hintergrund. Der Alterpflegehelfer ist einer der wenigen Männer, die in dem Seniorenzentrum angestellt sind. Das fällt auf. „Wie sind Sie hierher gekommen, ist es Ihr Traumberuf?“ frage ich ihn neugierig. „Für mich ist es der Traumberuf. Ich wollte schon nach der Schule in der Altenpflege arbeiten, hatte allerdings Bäcker gelernt“, berichtet Tobias Baich. Ins Seniorenzentrum sei er eher zufällig gekommen. „Und jetzt arbeite ich schon seit fast sechs Jahren hier. Mir gefällt der Umgang mit den Menschen. Gemeinsam mit dem Team setzen wir alles daran, den Bewohnern das Zuhause zu ersetzen. Sie sollen sich hier schließlich wohl fühlen. Es ist kein Tag wie der andere. Nichts ist eintönig“, so der junge Mann.

Wie ich erfahre, ist Marion Schönfeld auch nicht immer Altenpflegerin gewesen. „Ich habe Sekretärin im OTB in Wittstock gelernt und dort gearbeitet“, sagt sie. Was mit diesem Betrieb, in dem viele hundert Menschen beschäftigt waren, geschah, ist hinreichend bekannt. „Ich musste mich umorientieren und entschied, Altenpflegerin zu werden, nachdem ich meine Mutter lange Zeit gepflegt hatte. Das war sozusagen das Schlüsselerlebnis für mich.“ Marion Schönfeld ist mit Leib und Seele dabei. Und zwar so sehr, dass sie ihr Wissen und Können dem Nachwuchs vermittelt. Seit 2005 ist sie im Seniorenzentrum die Praxisanleiterin für die Azubis.

Der Wunsch mit Menschen zu arbeiten, scheint jedem in dem Haus ein Bedürfnis zu sein. Der Ergotherapeut Christian Pistol hatte in seinem ersten Beruf, Gas- und Wasserinstallateur, den Kontakt zu den Menschen vermisst. Als er sich vor Jahren die Hand gebrochen hatte, bekam er die wohltuenden Anwendungen einer Ergotherapie zu spüren. Just sah er ein neues Ziel vor Augen. Er wechselte den Beruf. Jetzt genießt er die Arbeit. Er ist Betreuer der Kreativgruppe. „Auf den ersten Blick scheint es so, als würden wir uns mit Basteln und Kuchenbacken beschäftigen. Darin steckt aber ein ergotherapeutisches Konzept, das echt Spaß macht. Die Bewohner bewahren ihre Fingerfertigkeiten, wenn sie Obst und Gemüse schneiden oder den Kuchenteig rühren. Maschinen gibt es nicht. Alles wird von Hand erledigt. Manch einer hat sogar seine einst eingeschränkte Beweglichkeit fast vollständig wieder erlangt.“ Christian Pistol „spricht“ mit Händen und Füßen, als wir uns unterhalten. Die Freude, die er dabei über seinen Beruf ausstrahlt, schwappt glattweg zu mir über. Gern wäre ich noch eine Weile bei der Kreativgruppe, aber heute wird nur beratschlagt, womit sie die anderen Bewohner in den nächsten Wochen hin und wieder kulinarisch verwöhnen wollen. „Der ’Apfelkuchen nach Großmutters Art’ ist hier der absolute Hit“, verrät Christian Pistol. (Rezept: siehe Info-Kasten).

Im gesamten Haus ist es ruhiger geworden; Zeit für das Pflegepersonal, sich den Dokumentationen zu widmen. Neben den handschriftlich notierten Getränkemengen und ähnlichem werden die Dokumentationen über jeden Bewohner in einem Computerprogramm fortgeschrieben. Nahezu überpingelig ist jedes noch so winzige Detail vermerkt. Das dient dem Nachweis bei Qualitätsprüfungen. Seit vorigem Jahr trägt das Seniorenzentrum „An der Dosse“ das Zertifikat für das Managementsystem nach DIN EN ISO 9001/ Awo Tandem. Den Awo-Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, ist offensichtlich mit einem erheblichen Bürokram verbunden. Er habe seinen Sinn. Wie die Betriebleiterin Rena Lemke meint: „Die Arbeit läuft besser, ist eingehender und gut strukturiert. Das hilft uns allen, auch um sich in der Öffentlichkeit einheitlich darzustellen. Es ist ein Aushängeschild, das uns stolz macht. Und wir haben ein wunderbares Kontrollsystem im Haus.“ Das kann Marion Schönfeld nur bestätigen: „Wenn mal was ist, kann man zu jeder Zeit auf alles Relevante lückenlos zurückgreifen.“ Ich kann auf Anhieb die Vorzüge eines solchen Systems erkennen. Trotzdem ist es verflixt zeitraubend.

Ich will mich irgendwo nützlich machen und treffe eine Etage tiefer auf Runa Koch. Sie ist eine von vier Betreuungsassistenten. Der Wert der Arbeit dieser zusätzlich Beschäftigten wird von jedem im Haus sehr geschätzt. Zumal sie erheblich zum Wohl der Bewohner beitragen. „Wir sind alle ein Team mit demselben Ziel“, habe ich noch Christian Pistols Worte im Ohr. Was sich dahinter verbirgt, will ich im Aufenthaltsraum herausfinden. Runa Koch tischt der Bewohnerin Gerda Steinkopf einen Farbtopf nach dem anderen auf. „Wir bereiten die Frühlingskollektion vor“, witzelt die gelernte Modedesignerin. Mit dem Pinsel tupft die Seniorin Punkt für Punkt auf einen bunten Karton. Es fällt ihr schwer, den Pinsel gekonnt aufzusetzen. „Wenn ich erst mal dabei bin, klappt das ganz gut“, sagt Gerda Steinkopf. Wenn es ihr zu viel wird, legt sie den Pinsel einfach beiseite. Runa Koch hat ein feines Gespür für die ihr anvertrauten Menschen. „Kommen Sie, wir malen gemeinsam. Ich nehme auch den Pinsel“, sagt Runa Koch dann aufmunternd. Mir kribbelt’s in den Fingern. Nicht weil mir das alles zu lange dauert. Zeit spielt hier keine Rolle. Die Frühlingsdeko wird ganz bestimmt fertig. Aber meine selbst erwählte Dienstzeit endet hier. (Von Madlen Wirtz)

Neuruppin Wettbewerb „Blühende Fassade“ wird modernisiert - Neue Impulse gesetzt

Die Farben der Stadt Wittstock – rot, blau und weiß – sollen das Thema des diesjährigen Wettbewerbs „Blühende Fassade“ sein. Kürzlich kamen die Jurymitglieder zusammen und diskutierten über Neuerungen beim Wettbewerb.

15.02.2013
Neuruppin Baumgutachter in Wittstock unterwegs / Fällung ab Ende Februar - Roter Punkt als Todesurteil

Mehrere stämmige gut aussehende Bäume in Wittstock müssen Ende Februar / Anfang März gefällt werden. Das hat die jüngste Baumschau ergeben.Rote Punkte bedeuten das Todesurteil an zwei etwa 40 Jahre alten Ahornbäumen und einer mindestens 30 Jahre alten Linde am Wittstocker Kirchplatz.

15.02.2013

Der Rheinsberger Bürgermeister Jan-Pieter Rau hat das provisorische Dach über der Feuertreppe der Kita Märchenland verteidigt. Hätte man eine feste Überdachung bauen wollen, würde man noch immer auf die Umsetzung warten, sagte er in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend.

15.02.2013