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Neuruppin NWG will mehr eigene Handwerker
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin NWG will mehr eigene Handwerker
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18:33 07.01.2019
Vor allem im Bereich Sanitär, Heizung und Elektro seien Handwerker oft schwer zu finden, bestätigt die Rewoge aus Rheinsberg. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Das steigende Alter ihrer Mieter und der Fachkräftemangel bei Handwerksfirmen zwingt die Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG) zum Handeln. Sie will mehr Personal einstellen, um die Aufgaben künftig weiter bewältigen zu können. NWG-Chef Robert Liefke schließt nicht aus, eine eigene Tochterfirma zu gründen, die Instandhaltungsarbeiten und Reparaturen in den Wohnungen und Gebäuden übernehmen kann, auch kurzfristig.

Es werde schwerer, Handwerker zu finden, die schnell reagieren können, sagt der NWG-Chef. Immer öfter komme es vor, dass Firmen bei Anfragen absagen. Entweder, weil sie mehr als genug zu tun haben. Oder, weil ihnen selbst die Mitarbeiter fehlen. „Es wird für uns schon schwierig, Bereitschaftsdienste zu organisieren“, sagt Liefke. In den vergangenen Wochen habe sich das wieder gezeigt.

Feuerwehr muss immer öfter Türen öffnen

Bisher hatte die NWG zu Feiertagen und an Wochenenden auf den Einsatz von fremden Firmen gesetzt, falls einmal Nothilfe nötig sein sollte. Doch das klappt oft nicht mehr. Selbst schnell einen Schlüsseldienst zu bekommen, sei inzwischen ein Problem.

Das bekommt auch die Neuruppiner Feuerwehr zu spüren. Sie wird inzwischen deutlich häufiger alarmiert, wenn ein Schloss klemmt. Neuruppins Stadtbrandmeister Reinhard Jachnick hat sich erst vor wenigen Tagen über die wachsende Zahl der Türnotöffnungen beklagt, zu denen die Retter gerufen werden. Rund 70 waren es 2018.

Für NWG-Chef Robert Liefke bleibt eigentlich nur eine Konsequenz, um künftig noch alle Arbeiten erledigen zu können: „Wenn es ein Dritter nicht mehr macht, dann muss ich’s selbst machen.“ Notfalls mit eigenen Haushandwerkern.

Mehr Hauswarte für die Altstadt-Häuser

Hinzu kommt, dass den älter werdenden Mietern manches schwer fällt, das sie früher noch selbst erledigt haben. Viele schaffen es kaum noch, die schweren Mülltonnen vom Hof ihres Hauses an die Straße zu bringen oder das Fahrrad oder den Rollator in den ersten Stock oder den Keller zu hieven.

Ab 1. April will die NWG deshalb in der Neuruppiner Altstadt wieder Hauswarte anstellen, um Mieter zu entlasten und für Ordnung auf den Grundstücken zu sorgen. „Wenn wir künftig mehr Ältere und Alleinstehende heben, wird es nicht weniger Arbeit geben“, sagt der NWG-Chef: „Wir müssen auch darüber diskutieren, eine Tochterfirma zu gründen, um Dienstleistungen und Instandsetzungen weiter erledigen zu können.“

Ähnliche Probleme in Rheinsberg

Die NWG ist damit nicht allein. „Wir haben das gleiche Problem“, bestätigt, Stephan Greiner-Petter, der Chef der Rheinsberger Wohnungsbaugesellschaft (Rewoge). Greiner-Petters sieht mehrere Gründe für die Schwierigkeiten. „Bei vielen Handwerksfirmen sind die Auftragsbücher voll“, sagt er. Manche Firmen schlügen aber Anfragen aus der Region auch aus, weil sie auf deutlich größere und lukrativere Aufträge in Berlin oder einer anderen Großstadt hoffen.

Ihre Aufträge schreibt die Rewoge öffentlich aus und nutzt dazu die elektronische Vergabeplattform des Landes Brandenburg im Internet; manche Firmen haben Probleme mit den modernen Medien. „Ich habe sogar zwei Firmen, denen schicke ich die Unterlagen noch per Fax zu“, sagt Greiner-Petter.

„Gute Handwerker sind rar und werden in Zukunft noch rarer werden“, bestätigt Frank Borchert. Er ist Vorstand der Wohnungsbaugenossenchaft Karl Friedrich Schinkel (WBG), der zweiten großen Gesellschaft in Neuruppin. „Auch wir haben Probleme, Handwerker zu finden“, sagt ihr Chef. Aber eine eigene Firma gründen? „Der Leidensdruck ist hoch“, sagt Borchert: „Aber noch nicht so hoch.“

Handwerkskammer ist skeptisch

Die Handwerkskammer Potsdam hält von eigenen Handwerkerbrigaden in den Wohnungsunternehmen wenig. „Zahlreiche Handwerksbetriebe arbeiten Vor-Ort seit Jahren sehr gut mit kommunalen Wohnungsbaugesellschaften zusammen“, sagt Kammer-Sprecherin Ines Weitermann: „Bei Notfällen oder Havarien werden regelmäßig zeitnahe Einsätze realisiert.“

Fachkräfte zu finden dürfte auch für die Wohnungsunternehmen schwer sein, so Ines Weitermann. Außerdem zweifelt die Handwerkskammer, ob es für Haushandwerker überhaupt genügend Aufträge gibt. Die Kosten trügen letztlich die Mieter.

Probleme selbst in Berlin

Trotzdem denkt auch die Rewoge über eine eigene Instandhaltungsfirma nach. Andere Firmen seien sogar schon weiter, sagt ihr Chef. Greiner-Petter ist Mitglied im Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU). Dort sind Wohnungsfirmen, Verwaltungen und Genossenschaften organisiert, die rund die Hälfte aller Mietwohnungen in Brandenburg und Berlin vertreten. Mehrere Firmen im Verband haben schon eigene Tochterfirmen gegründet, sagt Strephan Greiner-Petter, selbst in Berlin.

Von Reyk Grunow

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