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Neuruppin Wulkow – ersatzlos gestrichen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Wulkow – ersatzlos gestrichen
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12:07 09.04.2019
Wulkower Erinnerungshain: Fontane-Kunstfigur und Fontanes Wulkow-Text neben dem Gedenkstein für das ehemalige Gutshaus. Quelle: Robert Rauh
Wulkow

Wulkow gehört – was Fontane angeht – zu den vergessenen Orten. Wer das Dorf in den heutigen Ausgaben der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ sucht, wird es nicht finden. Obwohl es Theodor Fontane beschrieben hat. Wulkows Schicksal teilen auch andere Orte im Ruppiner Land. Sie sind Fontanes vergessene Orte.

Nur einmal schaffte es Wulkow, das neun Kilometer östlich von Neuruppin liegt, in den ersten „Wanderungen“-Band. Für die Überarbeitung der „Grafschaft Ruppin“ wollte Fontane in einem neuen „Generalkapitel“ eine Reihe „Ruppiner Dörfer“ unterbringen, schrieb er im August 1864 an seine Freundin Mathilde von Rohr.

Das ehemalige Feuerwehrhaus sollte Heim für das Dorfmuseum werden. Quelle: Robert Rauh

„Und zwar alphabetisch. Also: Barsikow, Bechlin, Binenwalde, Buskow, Campehl etc.“ In diesem Generalkapitel, das Fontane „Dörfer und Flecken im Lande Ruppin“ überschrieb, ist Wulkow zwischen Wildberg und Wuthenow platziert.

Das Kapitel übers Ruppiner Land war ein „bloßer Versuch“

Als der überarbeitete Band 1865 vorlag, verwies der Wanderer in einer Fußnote auf den temporären Charakter des neuen Kapitels. Es sei ein „bloßer Versuch“ und je nachdem, wie die Leser reagieren, werde er das Kapitel später erneuern und erweitern – „oder nicht“.

Fontane entschied sich für Letzteres. Als zehn Jahre später die dritte Auflage der „Grafschaft Ruppin“ veröffentlicht wurde, hatte er das Kapitel „Dörfer und Flecken im Lande Ruppin“ ersatzlos gestrichen. Somit war Wulkows Gastauftritt in den „Wanderungen“ beendet.

Eingang zum ehemaligen Feuerwehrhaus. Quelle: Robert Rauh

Er war auch in anderer Hinsicht kurz: Fontane widmete dem Ort lediglich 23 Zeilen. Auf Wulkows Dorfanger kann man den kleinen, im Lexikonstil verfassten Abschnitt auf einer Tafel nachlesen.

Der Autor führt drei Adlige auf, die das Gut Wulkow besaßen, sowie das Kindermissionsfest, das alljährlich mit der Schuljugend aus den umliegenden Dörfern „unter einer prächtigen Kirchhofslinde“ gefeiert werde. Erwähnt wird zudem ein Duell, das in der Wulkower Heide stattfand.

Kein Wort über die Kirche

Kein Wort dagegen über die Kirche, geschweige über das repräsentative Gutshaus. Dass eine Beschreibung der Sehenswürdigkeiten fehlt, hat einen Grund: Fontane war gar nicht in Wulkow.

Zwar existieren im Notizbuch über seine Ruppin-Reise 1861 auch einige Angaben über Wulkow, aber es handelt sich um Arbeits- und keine Reisenotizen, die unterwegs entstanden sind. Ein weiteres Indiz für diese Annahme ist das Fehlen von Skizzen, die der Wanderer andernorts in seinen Notizbüchern während der Ausflüge anfertigte.

Wulkow, in Fontanes Handschrift geschrieben. Quelle: Digitale Fontane-Notizbuchedition

Nach über 150 Jahren ist Fontane nun doch noch nach Wulkow gekommen. Als der Künstler Ottmar Hörl seine vor der Kulturkirche Neuruppin aufgestellten 400 Fontane-Skulpturen zum Verkauf anbot, ergriff der Wulkower Ortschronist die Chance, erwarb auf eigene Kosten eine der Figuren und ließ sie 2016 auf einem Granitsockel neben dem Schild mit Fontanes Wulkow-Abschnitt aufstellen.

Wulkow hat einen Erinnerungshain für Fontane

Das sorgte für Unmut. Zum einen lag keine Genehmigung vor, zum anderen hatte sich zuvor der Heimatverein Wulkow mehrheitlich gegen die Aufstellung ausgesprochen.

Denn Fontane steht neben dem Gedenkstein, der mit einer Chronik und einem Foto an das 2009 abgerissene Gutshaus erinnert. Der neue Wulkower Erinnerungshain hat auch einen Vorteil: Fontane erhält die Chance nachzuholen, was er vor 150 Jahren versäumt hat.

Lesen Sie dazu auch aus unserer Reihe „Fontanes vergessene Orte“: Wildberg – das Dorf mit dem höchsten Kirchenturm.

Die Autoren: Gabriele Radecke & Robert Rauh

Gabriele Radecke, geboren 1967, studierte Germanistik, Politik- und Rechtswissenschaft und promovierte zu Fontane. Seit 2010 leitet sie die von ihr gegründete Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen. Seit 2010 ist sie Mitherausgeberin der „Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe“ und hat gerade sämtliche Notizbücher Fontanes digital editiert.

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und ist Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2017 veröffentlichte er sein Buch „Fontanes fünf Schlösser“, 2018 „Fontanes Frauen“, in denen er die Werke Fontanes unter die heutige Lupe nimmt. „Fontanes Ruppiner Land“ erscheint im April.

Von Gabriele Radecke und Robert Rauh

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