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Neuruppin Zwischen Hochschule, Verschuldung und Windkraft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Zwischen Hochschule, Verschuldung und Windkraft
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18:14 22.05.2019
Landrat Ralf Reinhardt und Bürgermeister Jens-Peter Golde bei Protesten der Medizinischen Hochschule in Neuruppin. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Den Landkreis gerettet, die Flüchtlingskrise gemeistert und mit Hilfe der Ämter, Städte und Gemeinden die Millionenschulden abgebaut und den Haushalt von Ostprignitz-Ruppin wieder auf sichere Füße gestellt – die 46 Kreistagsabgeordneten haben bewegte fünf Jahre hinter sich.

Neben dem Abwehren der vom Land geplanten Kreisgebietsreform, die eine Fusion mit der Prignitz vorsah, ist der größte Erfolg sicher die Gründung der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) „Theodor Fontane“ in Neuruppin und in der Stadt Brandenburg. Schließlich soll mit der MHB dem Ärztemangel auf dem flachen Land in Brandenburg begegnet werden.

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin umfasst eine Fläche von 2509 km² und befindet sich im Nordwesten des Bundeslandes Brandenburg.

Er wurde 1993 aus den ehemaligen Landkreisen Kyritz, Neuruppin und Wittstock gebildet.

Im Landkreis lebten Ende Dezember 2017 genau 99 368 Einwohner.

Sebastian Steineke, Chef der CDU-Fraktion im Kreistag, spricht von „einem wichtigen Standortfaktor für unsere Region“. Denn die Hochschule, in der inzwischen mehr als 400 Studenten Medizin und Psychologie lernen, sei nahezu gegen den Willen der Landesregierung auf den Weg gebracht worden. Es sei „nicht alltäglich“, was der Landkreis, die zwei Städte und die kommunalen Unternehmen mit der MHB auf die Beine gestellt haben, sagt auch Manfred Richter. Der Rheinsberger SPD-Abgeordnete ist Vorsitzender des Kreistages. „Lehre und Ausbildung bekommen wir allein hin, aber für die Forschung brauchen wir Hilfe vom Land“, so Richter.

Das sehen auch die anderen Fraktionen so. Freke Over (Linke) hätte sich aber gewünscht, dass die Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft NWG mit der Gründung der MHB gleich die alte Panzerkaserne in Angriff genommen hätte, um auf dem Areal Wohnungen für Studenten zu errichten. „Wir sehen ja jetzt, dass Wohnungen gebraucht werden.“

Die Kliniken schreiben rote Zahlen

Over ist unzufrieden mit dem, was der Landkreis in den vergangenen fünf Jahren erreicht hat. Der Busverkehr habe sich nicht verbessert, die Ruppiner Kliniken schreiben rote Zahlen und in vielen Orten in der Region gebe es immer noch keinen vernünftigen Handy-Empfang. Zwar sei positiv, dass im Landkreis keine Flüchtlinge in Turnhallen oder Zelten aufgenommen werden mussten, doch bei der Integration der Menschen in den Arbeitsmarkt gebe es ebenso Nachholebedarf wie bei der Sprachausbildung sowie dem Halten der Flüchtlinge in der Region. „Dabei brauchen wir in vielen Bereichen dringend Arbeitskräfte“, so Over. Er wünscht sich deshalb Aktionen vom Kreis, damit die Menschen nicht in anderen Regionen ihr Glück versuchen.

Ralph Borrmann, Chef der bunten Fraktion aus Bauern, freien Wählern und FDP, hadert indes mit einem ganz anderen Thema. „Wir sollten die Probleme der Bürger im Auge haben und sie auch lösen“, sagt der Neuruppiner. Das sei beispielsweise beim Thema Windkraft immer noch nicht gelungen.

„Wer zur Wahl gegangen ist, fühlt sich veralbert“

Im Landkreis kämpfen gleich mehrere Bürgerinitiativen dagegen, dass noch weitere Windräder aufgestellt werden – während die meisten Landbesitzer froh darüber sind, wenn sie durch das Verpachten von Flächen für neue Energieriesen neue und auf Jahre sichere Einnahmen erzielen können.

Absolut nichts hält Borrmann von dem sogenannten Quorum. Diese Regelung des Landes hatte dafür gesorgt, dass der Landrat im vergangenen Jahr nicht von den Bürgern gewählt wurde, sondern die Abgeordneten des Kreistages gefragt waren – und es Anfang September gar zu einem Losentscheid gekommen war, bei dem der bisherige Amtsinhaber Ralf Reinhardt (SPD) das Glück auf seiner Seite hatte.

„Jeder, der zur Wahl gegangen ist, hat sich veralbert gefühlt.“ Für Borrmann gehört das Quorum deshalb abgeschafft. „Wer nicht zur Wahl geht, hat mit dem zu leben, der gewählt wird.“

Das trifft ebenfalls für die Wahlen am Sonntag zu. Das Interesse an den Kreistagswahlen scheint dabei etwas höher zu sein als vor fünf Jahren. Damals bewarben sich 233 Frauen und Männer, diesmal sind es sogar 254. Ob sich die höhere Zahl an Bewerbern aber auch bei der Wahlbeteiligung widerspiegeln wird, das bleibt abzuwarten. 2014 lag die Wahlbeteiligung in Ostprignitz-Ruppin bei knapp 42 Prozent. Das heißt, das nicht mal jeder zweite Wahlberechtigte seine Stimme abgab.

Wer regiert seit 2014?

Landrat: Ralf Reinhardt (SPD)

Vorsitzender des Kreistages: Manfred Richter (SPD)

SPD: elf Sitze; CDU: zehn Sitze; bunte Fraktion aus Bauern, freien Wählern und FDP: zehn Sitze; Linke: sieben Sitze; Bündnisgrüne: vier Sitze; BVV-Freie Wähler: drei Sitze; Fraktionslos: ein Sitz.

Wahlsieger war damals mit 24,5 Prozent die SPD, die CDU kam auf 22,4 Prozent, die Linke auf19,9 Prozent, während der Kreisbauernverband 9,8 Prozent erzielte und die Bündnisgrünen 7,3 Prozent.

Wer tritt im Wahlkreis 1 an?

SPD: Robert Liefke, Christiane Doll, Michael Bülow, Claudia Röttger, Peter Loske, Nico Ruhle, Wolfgang Ludwig, Vincent Dallman, Paul Schulz, Nico Sarink, Ingo Wichmann CDU: Sebastian Steineke, Sven Deter, Cornelie Schlegel, Walter Tolsdorf, Heinz Stawitzki, Christine Gayck, Michael Peter, Annette Thiebach, André Wiesner, Andreas Gutteck, Karsten Valentin, Thomas Bruns, Max Krane Die Linke: Ronny Kretschmer, Cornelia Böhme, Jenny Salzwedel, Paul Schmudlach, Andrea Behnke, David Hölker, Ilona Reinhardt, Rudolf Brendler, Carina Weichert, Joachim Behringer, Marion Wenzel, Thomas Herlitz, Nicole Thornow

Kreisbauernverband: Harald Krumhoff, Ronny Merkert, Helmut Kolar, Christoph Ziems, Guido Leinitz, Tim Deter, Eckhard Leinitz, Axel Noelte, Nik Deter

Bündnisgrüne: Wolfgang Freese, Kay Noeske-Heisinger, Martin Nachtigall, Maximilian Kowol FDP: Bert Groche, Friedrich Krüger, Anna Kristandt, Annemarie Frank BVB-Freie Wähler: Siegfried Wittkopf, Hartmut Pieper, Nic Teichert, Kirsten Bellin, Marc Herzog

Pro Ruppin: Ralph Bormann, Rosswieta Funk, Markus Fetter, André Ballast, Andreas Dziamski, Thomas Schulz, Günter Päts

AfD: Georg Kamrath, Gabriele Köhler, Eddy Lange

Wer tritt im Wahlkreis 2 an?

SPD: Wiebke Papenbrock, Axel Gutschmidt, Karsten Mohnke, Rainer Hollin, Reik Palmowske, Stephan Greiner-Petter, Manfred Richter, Stephan Scheidacker, Nico Alisch, Sven Alisch

CDU: Erich Kuhne, Ingo Lamprecht, Dieter Eipel, Ute Boehm, Ulrich Jaap, Lysann Gutenmorgen, Thomas Vargas von Rentzell, Thomas Sagner, Hansjörg Schubach, Saskia Boehm, Walter Luy, Silke Peitsch, Michael Laudahn

Die Linke: Ines Nowack, Christian Scherkenbach, Paul Kurzke, Bernd Edelberg, Egbert Nowack, Marcus Kaiser

Kreisbauernverband: Loris Radke, Michaela Wolff, Thomas Voigt, Hartmut Hofmeister, Heiko Hübner, Olaf Müller, Nico Kühl, Hannes Dietrich, Henning Christ, Jörg Wäbersky, Enno Rosenthal

Bündnisgrüne: Anja Wolff, Jens Schröder, Jens Leppin

FDP: Gabriele Schare-Ruf, Udo Rönnefahrt, Leander Porsch, Tom Schultze, Tom-Morten Theiß

BVB-Freie Wähler: Hans-Georg Rieger, Christian Monté, Charis Riemer, Mathias Scholz, Dirk Harder, Chistian Plähn, Sabine Seeger, Klaus Bruhn, Hans-Jürgen Keitel, Petra Pape, Mathias Kehrberg

AfD: Wolf Hempel, Kai Wiegand, Daniel Pommerenke

Wer tritt im Wahlkreis 3 an?

SPD: Thomas Settgast, Sabine Ehrlich, Peter Bittermann, Christel Redepenning, Roman Blank, Ute König, Andreas Heine, Constance Müller, Klaus Lehwald, Gabriele Schuster, Norbert Großmann, Karin Kloke, Ernst-Günter Oschmann, Elise Ehrlich, Sabine Großmann

CDU: Sigrid Nau, Hartmut Thies, Ingolf Berber, Christian Tatje, Katrin Covic, Karl Tedsen, Bernd Jünemann, Nico Müller, Thomas Müller, André Ragohs

Die Linke: Kirsten Tackmann, Justin König, Rita Büchner, Marko Redel, Anette Bock, Hartmut Buschke, Gritta-Marina Herzberg, Raffael Eichmann, Marita Köhn, Maren-Sigrid Schulz

Kreisbauernverband: Gernot Elftmann, Thomas Schwabe, Kay Schmidt, Detlef Peter, Meinhard Schwabe, Bernd-Michael Altenstein, Gerhard Ball, Frank Waldburger, Volkmar Linke

Bündnisgrüne: Sigrid Schumacher, Immanuel Zirkler, Sabine Weidner, Dietmar Miehlke, Christiane Brandenburg, Jörg Kannenberg, Johanna Wischner, Semjon Wolf

FDP: Jens Engelhardt, Joachim Pein, Sven Hansen, Arno Ladewig, Klaus Ribbe, Axel Herrmann

BVB-Freie Wähler: Falko Marhold, Silke Gnutzmann, Edgar Meyer

Freie Wählergemeinschaft Prignitz-Ruppin: Peter Gorisch

AfD: Manfred Mießner, Roy-Helge Dech

 

Wer tritt im Wahlkreis 4 an?

SPD: Ina Muhß, Ralf-Thomas Schulz, Jutta Schade, Gottfried Gilde, Evelin Krafack, Christian Michalski, Hartmut Wagner, Helmut Urack

CDU: Philipp Wacker, Peter-Michael Kipcke, Uta Köhn, Stefan Schütte, Nicole Dase, Karl Gärtner, Friedhelm Schwartz, Remo Streichert, Günter Redmann, Nando Strüfing, Björn Plazikowski

Die Linke: Dieter Groß, Angelika Noack, Sylvia Zienecke, Enrico Remter, Kerstin Zillmann, Benjamin Kremp, Andreas Bergmann, Christian Niemann, Jürgen Kontak, Christian Richter, Hagen Hoffmann, Guido Heller, Fabian Kremp

Kreisbauernverband: Hans-Heinrich Grünhagen, Bettina Teiche, Burkhard Schultz, Ralf Zauft, Marian Parchen, Norbert Anton, Armin Stutz, Brita Kollhof, Steffen Gröger, Katja Liebenthal, Horst Hildebrandt, Mark von Lewinski

FDP: Lutz Scheidemann, Marian Schulz

BVB-Freie Wähler: Axel Fischer, Niels Detloff, Karla Buwert, Dirk-Stefan Pape, Thomas Tittel

Freie Wählergemeinschaft Prignitz-Ruppin: Werner Piest, Eckhard Leest, Ilona Gottschalk, Günter Lutz, Annette Stark

AfD: Frank Damköhler, Jürgen Scheigert, Torsten Arndt

Von Andreas Vogel

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