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Ostprignitz-Ruppin Im Vollrausch Polizisten beleidigt und attackiert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Im Vollrausch Polizisten beleidigt und attackiert
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14:18 16.01.2020
Vor dem Neuruppiner Amtsgericht wurde ein 34-jähriger Neuruppiner am Donnerstag wegen Vollrauschs in zwei Fällen verurteilt. Quelle: dpa
Neuruppin

Im Juli 2017 gaben sich die Polizisten bei einem 34-jährigen Neuruppiner bald die Klinke in die Hand. Innerhalb von drei Tagen wurden sie mehrfach wegen ruhestörenden Lärms gerufen.

Der Mann widersetzte sich den Anordnungen der Beamten, beleidigte sie und ließ sich nur unter Protest abführen. Anschließende Alkoholproben ergaben jeweils Werte von weit über drei Promille. „Wir waren damals fast jede Nacht dort. Die Adresse war uns wohl bekannt“, sagt ein Polizist. Dass der 34-Jährige sie beschimpfte, war ebenfalls nichts Ungewöhnliches.

Zu viele Promille trübten Gedächtnis

Nun musste er sich vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten. Angeklagt war er wegen Vollrauschs in zwei Fällen. In diesem Zustand hat er unter anderem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet.

Dafür konnte er aber nicht bestraft werden, weil er zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Die Richter verurteilten den Mann am Donnerstag zu einer Gesamtgeldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 10 Euro.

Er selbst konnte sich an nichts mehr erinnern. „Zu viele Umdrehungen“, sagte er. Ein junger Polizist dagegen hatte einen Vorfall noch gut im Gedächtnis. „Es war einprägsam“, sagte der 32-Jährige, der damals als Praktikant den Einsatz begleitete.

Aus der Wohnung des Angeklagten war lautes Poltern gemeldet worden. Dort angekommen, trafen die Beamten drei Personen an, darunter den Angeklagten, der eine Platzwunde am Kopf hatte. Woher er die hatte, dazu wollte keiner etwas sagen, erinnerte sich der Beamte. Augenscheinlich war der Angeklagte stark alkoholisiert.

Im Vollrausch aggressiv gegenüber Polizisten

„Er war nicht mehr Herr seiner Sinne, bekam aber mit, was wir von ihm wollten“, war der Eindruck des Beamten. Sie wollten ihn in Gewahrsam nehmen, was ihm aber nicht passte. „Er widersetzte sich. Ich habe ihn aus seinem Sessel gehoben. Er wehrte sich, wenn auch alkoholbedingt ungeschickt“, so der Beamte.

Sie hätten ihn dann zu Boden gebracht, mit Handfesseln fixiert und zur Wache gebracht. Dort wurde er auf seine Gewahrsamstauglichkeit überprüft. Die war nicht gegeben, sodass er in die Ruppiner Kliniken überstellt wurde.

Drei Tage später kam es erneut zu einem Polizeieinsatz. Eine Anwohnerin hatte gemeldet, dass der 34-Jährige betrunken auf der Straße herumlaufe und schreie.

Die Beamten fanden ihn auf der Treppe vor seiner Wohnung sitzend. „Er wirkte geistig nicht anwesend“, sagte ein Polizist. Er hatte schon häufiger mit dem Angeklagten zu tun und ihn immer alkoholisiert erlebt. Typisch sei für ihn gewesen, dass er teilnahmslos war, einen leeren Blick hatte und gelegentlich knurrte, so der Beamte.

Nach dem Beamten getreten

Der Angeklagte weigerte sich, in seine Wohnung zu gehen. Sie wollten ihn dann mitnehmen zur Wache, mussten ihn aber die Treppe runtertragen, wobei er versuchte, einen Beamten zu treten. „Für mich war das ein Tritt in meine Richtung“, sagte der Beamte. Als Ausfallschritt bezeichnete es der Angeklagte.

Für all das kann der vielfach vorbestrafte Mann nicht bestraft werden. Die Taten beging er im Zustand eines alkoholbedingten Vollrausches, so die psychiatrische Sachverständige. Sie bescheinigte ihm eine schwere Alkohol- sowie eine weitere Abhängigkeit unter anderem von Cannabis und Nikotin.

Abstinent werden ist sein fernes Ziel

„Ich will ordentlich und selbstständig werden“, sagte er auf die Frage des Gerichts nach seiner Zukunft. Sein Ziel sei, irgendwann einmal abstinent zu werden. Daran arbeite er derzeit – auf eigene Faust. Er trinke weniger und nehme auch weniger Drogen. Und er baue „weniger Scheiße“.„Da sollten Sie unbedingt weitermachen. Sehen Sie, dass Sie daran arbeiten“, sagte ihm die Vorsitzende Richterin.

Im Alter von 13 Jahren hatte er mit Alkohol und Drogen begonnen. Mehrere Lehren brach er ab. Immer wieder stand er wegen Ladendiebstählen vor Gericht. Hilfsangebote der Kliniken, in denen er seit 2007 mehrfach zur Krisenintervention eingeliefert wurde, hat er bisher immer abgelehnt. Nun will er es allein versuchen.

Von Dagmar Simons

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