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Neustadt Die unbekannte Bibliothek der Gestüte
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10:44 29.08.2019
Die Rentnerin Ulrike Lutz verwaltet den Bestand in der speziellen Bibliothek im Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt. Quelle: Anja Reinbothe
Neustadt

Gut, so geheim sind diese Räume im Landstallmeisterhaus des Hauptgestüts Neustadt nicht, jedenfalls nicht was den Zugang betrifft. Der Besucher muss keinen Code eingeben, um in die Bibliothek eingelassen zu werden und es öffnet sich auch keine gewaltige Metalltür, die in unterirdische Gänge führt.

Vielmehr genügt ein Anruf in der Verwaltung des Brandenburgischen Haupt- und Landgestüts. Und schon kann jeder mit gutem Grund Zutritt zur Bibliothek im Obergeschoss bekommen. Dennoch ist deren Existenz nicht vielen bekannt, gesteht Ulrike Lutz.

Bibliothekarin aus Leidenschaft zum Pferd

Die heute 74-Jährige hat die Bibliothek mit aufgebaut. Alles aus der Welt der Pferde und der Chronik der Neustädter Gestüte steht hier vereint in zwei Räumen. „Seit 2008 gibt es die Bibliothek“, sagt die rüstige Rentnerin, die flink wie ein Wiesel herumhuscht, Literatur hier rausholt, dort zuordnet und einsortiert.

Begonnen die Fachliteratur aufzubauen hatte die studierte Werkstofftechnikerin, die schon immer begeisterte Reiterin war, allerdings schon Anfang der 1980 Jahre. „Ich habe den Pferdevirus in mir. Mein Mann war Gestütsarzt hier. Zusammen kamen wir 1971 aus Chemnitz nach Neustadt. 1988 stand dann die 200-Jahr-Feier der Gestüte an und wir haben überlegt, das wir mal alles aufarbeiten müssen. Also haben wir angefangen, Lektüre zu sammeln.“

Mit der Magazin-Sammlung „Pferd und Sport“ von Wolfgang Kresse fing in den 1980er Jahren alles an. Der Hallenser schenkte seine gesamten Ausgaben den Neustädter Gestüten und legte damit den Grundstein für die Bibliothek. Quelle: Anja Reinbothe

Den Grundstein gelegt habe ein Sammler aus Halle, der noch zu Ost-Zeiten mit Ausreiseantrag in den Westen übersiedelte. „Wolfgang Kresse hieß er“, so Lutz und zeigt ein gerahmtes Bild, das ihm zu Ehren an der Wand hängt.

Ein Sammler aus Halle legte den Grundstein

„Kurz vor der Wende hatte er dem damaligen stellvertretenden Direktor im VE Hengstdepot, Günter Zahn, seine Sammlung an „Pferd und Sport“ angeboten.“ Eine Pferdefachzeitschrift, die es von 1952 bis 1989 in der DDR gab. Aus dieser entstand später das regionale Fachmagazin „Reiten und Zucht in Berlin und Brandenburg-Anhalt“, das bis heute existiert.

Dieser Ex-Hallenser Kresse hatte also gewollt, dass seine durchgängige Sammlung wieder in den Osten kommt, so Lutz: „Manche Magazine hat er gebunden in Büchern hergebracht, manche lose.“ Diese hatte die Pferdeliebhaberin dann zusammengeführt.

Antiquarische Schätze

Geordnet nach Jahreszahlen stehen sie nun seit 2008 blau gebunden neben sämtliche Ausgaben von „St. Georg“ und anderen Reitsport-Fachmagazinen aus den vergangenen Jahrzehnten in einem etwa Acht-Quadratmeter-Raum.

Wahre Schätze verbergen sich in der Gestütsbibliothek wie diese antiquarischen „Allgemeinen Gestütsbücher“ oder ein Veterinärbuch von 1787. Quelle: Anja Reinbothe

Sie blättert darin und selbst als Pferdelaie möchte man sich am liebsten auf der Sitzbank niederlassen und in den alten Magazinen stöbern. Erst recht, als die Hobby-Bibliothekarin einen Büroschrank aufschließt und kleine Schätze ans Tageslicht kommen.

Reihen voller antiquarischer Bücher verbergen sich darin mit verschnörkeltem Muster. Ulrike Lutz greift eines heraus. Ein Veterinärbuch aus dem Jahr 1787. Darüber stehen zig alte „Allgemeine Gestütsbüchern“, die über Vollblüter Auskunft geben und Abstammungstafeln zeigen.

Ein Stutbuch von 1852

Auch ein englisches Stutbuch von 1852 befindet sich darunter. „Ab 1815 gab es in Neustadt englische Vollblüter“, erklärt Jörg Menge. Der Pressesprecher der Gestüte kam kurz zum Gespräch dazu und geht mit rüber in den größeren Raum, in dem wie in einer Bibliothek üblich Regalreihen stehen.

Lutz holt ein Stutbuch, das auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat, hervor. Alle Fohlen von 1895 bis 1929 sind darin erfasst, die auf dem Friedrich Wilhelm-Gestüt, wie das Hauptgestüt vormals hieß, benannt nach seinem Erbauer, gezüchtet wurden. „Auch der Neuanfang der Stutenzucht nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1945 bis 2001, befindet sich hier aufgezeichnet“, sagt Menge. Seitdem würde vieles nicht mehr händisch erfasst, sondern digitalisiert.

Ulrike Lutz im großen Bibliotheksraum, wo Pferde-Fachliteratur, Chroniken und Bildbände zum Gestüt, Diplomarbeiten oder Fotoalben stehen. Quelle: Anja Reinbothe

Jede Literatur steht in dem großen Bibliothekarsraum geordnet nach Genre: hippologische Fachliteratur, Bildbände zu den Neustädter Gestüten, die Chronik zur 200-Jahr-Feier, handgeklebte Fotoalben, Brigadebücher mit Aufzeichnungen gemeinsamer Erlebnisse mit den Kollegen, aber auch Diplomarbeiten und Abschlussarbeiten von Auszubildenden und Schülern über das Gestüt. Immerhin gibt es bundesweit nur in Neustadt das Gesamtschulkonzept „Reiten in der Schule“.

Die Besucher der Bibliothek

Gerade der lernende Nachwuchs gehört mit zu den Besuchern der Gestütsbibliothek. „Auch Fachpersonal kommt her“, erklärt Ulrike Lutz. „Sowie Leute, die über Pferdezucht forschen oder wissen wollen, wer welche Erfolge hat im Reiten oder Autoren, die über Gestüte schreiben wollen.“ – „Kommen darf jeder, einfach bei uns anrufen und Termin vereinbaren“, ergänzt Pressesprecher Jörg Menge.

Am liebsten ist es Ulrike Lutz, die Besucher stöbern vor Ort in der Lektüre. „Sie können aber auch ausleihen.“ Der Bestand sei katalogisiert. Die gebürtige Chemnitzerin zeigt auf ihren Laptop. Zusammen mit einer Kollegin hatte sie sich vor Jahren die Arbeit gemacht und den Bestand aufgenommen.

Regelmäßig kommt neue Literatur, die natürlich erfasst wird. „Das kann man jedoch nur als Rentnerin machen, da es zeitintensiv ist“, gesteht Lutz. Die Bibliothek ist jedoch ihre Leidenschaft. Das sieht man ihr an. Sie kennt jedes Buch, jedes Magazin. Sie ist selbst ein wandelndes Gestütslexikon und weiht gerne in die Geheimnisse der Neustädter Pferdewelt ein.

Von Anja Reinbothe

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