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Neustadt Setzten Renaturierungsprojekte in der Region zuviel Kohlendioxid frei?
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Setzten Renaturierungsprojekte in der Region zuviel Kohlendioxid frei?
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00:22 03.05.2019
Thorsten Rose ist als Anlieger über die Rückkehr des Teiches am Ostrand von Segeletz überglücklich. Quelle: Matthias Anke
Segeletz

Die weltweite Klimadebatte erreicht den Brandenburger Dorfteich. Manches Wässerchen auf dem Lande aber ist mehr als das. Es handelt sich um eiszeitliche Gebilde, sogenannte Feldsölle, die in den zurückliegenden Jahren vielerorts wiederhergestellt wurden. Doch nun kamen Bedenken auf, zu viel im Boden gebundenes CO2 könnte dabei freigesetzt worden sein.

„Gutachter des Landesumweltamtes haben festgestellt, dass wegen des fast zersetzten Torfs mehr und schneller CO2 freigegeben wird, als wenn man es da drin lassen würde“, sagt Gernot Elftmann, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands Dosse-Jäglitz mit Sitz in Neustadt: „Ich kann das aber absolut nicht nachvollziehen. Bei etlichen Metern Tiefe vielleicht. Doch aber nicht bei der flachen Schicht.“

Für den Bodenverband ist allein die Debatte schon ein Rückschlag

Gut zwei Dutzend Feldsölle wurden über den Verband allein in seinem Gebiet als Fördergeldprojekte hergerichtet. Diese eiszeitlichen Senken, Toteislöcher genannt, wurden von Bewuchs befreit, ausgebaggert. „Teiche mit vielfältiger Vegetation, Kleinode für Amphibien, ein wertvoller Lebensraum“, sagt Elftmann.

Und nun? Alles umsonst gewesen wegen etwas CO2? „Für uns ist allein schon der Gedanke daran ein regelrechter Rückschlag.“

Gespräche liefen bislang nur intern als „Sensibilisierung“

Wie Thomas Frey, Sprecher des Landesamtes für Umwelt (LfU) der MAZ auf Nachfrage bestätigt, gab es im März eine „behördeninterne Abstimmungs- und Informationsveranstaltung“ zu diesem Thema.

Frey: „In dieser Veranstaltung ging es um den nachhaltigen Umgang mit torfhaltigem Boden, wie er bei Baumaßnahmen, Entschlammungen oder auch der Renaturierung von Stillgewässern anfällt. Ziel der Veranstaltung war eine Sensibilisierung für das Thema, da die Verbringung von vererdetem Torf auf angrenzenden Äckern aus Klimaschutzgründen nicht unproblematisch ist.“

Austausch wegen zu vieler unterschiedlicher Ansichten

Gleichwohl sei von vornherein klar gewesen, dass es „abweichende fachliche Einschätzungen bei verschiedenen Behörden und Fördermittelgebern“ gibt. Diese hätten bei „Antragstellern in der Vergangenheit zu Irritationen“ geführt. Jene Irritationen sollten nun ausgeräumt werden.

Frey: „Eine Stichprobe des LfU mit einem Abgleich der brandenburgischen Moorkarte hat ergeben, dass bei maximal 30 Prozent der untersuchten Vorhaben torfhaltiger Bodenaushub entstanden sein könnte. Das heißt im Umkehrschluss, die meisten Feldsölle haben in der Regel geringe oder keine Anteile von organischen Böden.“

Konflikte auf Torfböden zu vermeiden

Wie die MAZ von Experten erfuhr, könne dies nur eine Beschwichtigung sein. Es werde schon immer nur auf mineralischen Böden gearbeitet, heißt es zumindest mit Blick auf die Feldsölle. Auch dort sammele sich zwar organisches Material. Doch viel zu oft seien diese Stellen wieder durchgetrocknet.

Warum also, um „Konflikte auf Torfböden“ zu vermeiden, laut Umweltamt „künftig Renaturierungsmaßnahmen oder Neuanlagen von Kleingewässern schwerpunktmäßig auf mineralischen Böden realisiert werden“ sollen, sei eine seltsame Formulierung. Diese Böden seien ja bereits der Schwerpunkt.

Das Feldsoll östlich von Segeletz vor seiner Wiederherstellung. Quelle: Google Maps
Das Feldsoll östlich von Segeletz ist nach seiner Rekonstruktion im vergangenen Sommer aktuell wieder voller Wasser. Quelle: Matthias Anke

Was dennoch die „Kleingewässer auf Moorböden“ direkt betrifft, so heißt es seitens des Umweltamtes: „Der zu entnehmende Torf soll in diesen Fällen vorrangig weitgehend klimaneutral eingesetzt werden. Anstelle des Ausbringens auf landwirtschaftlichen Ackerflächen könnte er beispielsweise zum Verschluss von Gräben bei Wiedervernässungsprojekten eingesetzt werden. Unter Wasser und damit unter Sauerstoffabschluss würde die Torfzehrung und damit die Freisetzung von CO2 gestoppt werden.“

Es sei deshalb „nicht zu erwarten, dass in den kommenden Jahren weniger Kleingewässer saniert oder neu angelegt werden“.

Freude in Segeletz

Wie das Ergebnis eines solchen Projektes aussehen kann, zeigt jenes am östlichen Dorfrand von Segeletz. Wo voriges Jahr um diese Zeit keine Pfütze mehr zu sehen war, glitzert heute wieder ein richtiger Teich.

„Dass ich das noch mal erlebe! Früher hatten wir hier als Kinder immer Eishockey gespielt“, erinnert sich Thorsten Rose. Heute hat der im Dorf aufgewachsene Mann von der örtlichen Gärtnerei eine Weihnachtsbaumplantage auf dem Grundstück neben dem Teich zu wachsen.

„Ich bin überglücklich“, sagt der 53-Jährige mit Blick auf das Wasser: „Jetzt gibt es sogar eine kleine Insel. Die ersten Schwäne waren schon da.“

Für ähnliche Freuden sollte in diesem Jahr an noch mindestens vier weiteren Stellen gesorgt werden, wie Gernot Elftmann sagt. Ob und wann es dazu noch kommt, wisse er aufgrund der „ärgerlichen Diskussion“ allerdings nicht.

Von Matthias Anke

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