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Neustadt Wie endgültig eine Bahnstrecke verschwinden kann
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Wie endgültig eine Bahnstrecke verschwinden kann
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16:10 18.07.2019
Um diese Reste des alten Bahnübergangs zwischen Neustadt und Dreetz ging es. Sie sind jetzt verschwunden. Quelle: Alexander Beckmann
Neustadt

Es gibt Bahnstrecken, die waren totgesagt, und doch ließen sie sich irgendwann wieder reaktivieren. Oder es lässt sich zumindest darüber sprechen. Bei der einstigen Verbindung zwischen Neustadt und Rathenow aber lohnt nicht mal mehr das. Eine Reaktivierung ist ausgeschlossen. Denn nicht nur die Gleise sind komplett zurückgebaut. Auch das Gleisbett ist in der Landschaft stellenweise nicht mehr zu erahnen. Es gibt nichts mehr, was sich da wiederbeleben ließe.

Bewusst wird das jetzt einmal mehr am früheren Straßenübergang zwischen Neustadt und Dreetz, wo es Kraftfahrer stets deutlich schüttelte. Auch dort entfernten Arbeiter in den zurückliegenden Tagen nun die letzten Gleisreste.

Die Baufahrzeuge rücken wieder ab. Die Schienen in der Fahrbahn sind verschwunden. Für diesen Donnerstag sind Markierungsarbeiten und für den Freitag die Straßenfreigabe vorgesehen.. Quelle: Alexander Beckmann

Die Baufahrzeuge sind bereits abgerückt. Für diesen Donnerstag sind laut dem Landesbetrieb Straßenwesen die Markierungsarbeiten vorgesehen. Die Bauabnahme und Freigabe der Straße war nach der kaum vierwöchigen Bauzeit für Freitag geplant.

Bundesweit geht es um Wiederbelebung statt Rückbau

Dass der Strecke selbst eine „eventuelle Zukunft“ genommen wurde, ärgert viele. Heimatforscher Bodo Knaak etwa. Er war zuletzt jahrelang Gemeindevertreter in Sieversdorf-Hohenofen. In beiden Dörfern hielt einst der Zug.

„Die Diskussion zur Wiederbelegung von Eisenbahnstrecken kommt zunehmend in Gang. Insbesondere Bahnverbände fordern eine Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken. So ist beispielsweise das Interesse in der Prignitz groß, hier wird eine Chance für den Tourismus gesehen“, erklärt Bodo Knaak: „Das Land Brandenburg plant gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg das ,Schienennetz von morgen’ mit dem Namen ,i2030’. Laut einer Vorschlagsliste des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen sollen 186 Strecken mit insgesamt 3072 Kilometern reaktiviert werden. Davon in Brandenburg Strecken mit mehr als 250 Kilometern.“

Die Strecke überstand den Dornröschenschlaf nicht

Knaak erinnert, wie dem „eine enorme Schrumpfung des Eisenbahnnetzes seit 1994 um 3600 Kilometer“ vorausging, davon 90 Prozent in den ostdeutschen Bundesländern. „Bei der zunehmenden Bedeutung des ÖPNV und des Güterverkehrs wird der schienengebundene Verkehrsträger immer mehr an Bedeutung gewinnen müssen. Gut, wenn dann wieder längst stillgelegte Eisenbahntrassen reaktiviert werden können, wenn sie bis dahin ihren Dornröschenschlaf überlebt haben.“

Doch die Strecke Neustadt – Rathenow schaffte das nicht. Dabei hätte in diesem Jahr ihr 115-jähriges Bestehen gefeiert werden können. 1904 war sie in Betrieb genommen worden. Der letzte Zug auf der Strecke fuhr vor mehr als 15 Jahren. Ab 2010 wurden fast auf dem gesamten Streckenverlauf die Schienen und Schwellen demontiert und abtransportiert.

Das letzte Schienenstück in Sieversdorf kurz vor der Aufnahme am 13. April 2011. Quelle: Bodo Knaak

Mehr noch: Die Strecke wurde größtenteils schon bewusst rekultiviert, teils auch von der Landwirtschaft wieder übernommen und zudem abschnittsweise mit 10 000 Kiefern und 20 000 Laubbäumen bepflanzt. Diese Angaben machte kürzlich das Rhinower Unter­nehmen Badke Baustoffe gegenüber der MAZ. Die Firma erwarb 2013 fast die ganze Strecke. Die Gleise waren schon entfernt.

Grund für den Kauf: Es sollte „Unfug“ wie Reit-, Kutsch- und Radwege oder Kabeltrassen verhindert werden. Dann wurden Schotter und Schwellen entnommen.

Blick von Sieversdorf nach Hohenofen. Die Trasse verlief unmittelbar vor der Baumreihe, die sich durch das Bild zieht. Quelle: Bodo Knaak

Bodo Knaak: „Wir sind dabei, den Schienenverkehr wieder neu zu erfinden, und eine vorhandene Trasse ist heute allemal besser zu reaktivieren, als eine Strecke neu zu planen und zu bauen.“ Für die Linie Neustadt – Rathenow aber ist nun alles zu spät. „Jede Chance ist wohl für immer vertan“, sagt Chronist Knaak: „Schade.“

Von Matthias Anke

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