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Neustadt Kiesgrube Holzhausen soll unter Naturschutz gestellt werden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Kiesgrube Holzhausen soll unter Naturschutz gestellt werden
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15:49 22.08.2019
Gegen die Nutzung der Kiesgrube als Bauschuttdeponie gab es schon mehrfach Proteste. Quelle: Archivfoto Alexander Beckmann
Kyritz/Zernitz

Die Pläne eines Investors, der die Kiesgrube zwischen Holzhausen und Zernitz wieder reaktivieren und teils als Deponie nutzen will, werden demnächst wohl durchkreuzt: Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin soll das Areal zu einem sogenannten „geschützten Landschaftsbestandteil“ erklären.

Der politische Wille dafür ist seitens der Anliegerkommunen offensichtlich vorhanden. In Zernitz-Lohm jedenfalls stimmten die Gemeindevertreter jetzt mehrheitlich dafür. „Das ist die politische Willensbekundung. Der Antrag dazu liegt dem Landkreis ja schon vor“, erklärt die Zernitz-Lohmer Bürgermeisterin Sigrid Schumacher.

Stadt Kyritz gab Schutzwürdigkeitsgutachten in Auftrag

In Kyritz, zu dem Holzhausen gehört, sind die Stadtverordneten als nächstes gefragt. Informiert wurde bereits im Bausauschuss darüber, und ohnehin kommt die Hauptinitiative aus Kyritz. Denn auch die fachliche Begründung liegt vor, nachdem die Stadt ein entsprechendes Gutachten dazu in Auftrag gab.

In diesem nun auch der MAZ vorliegenden Schutzwürdigkeitsgutachten sind bisherige Untersuchen eingeflossen. Biologen besahen sich dazu das Gebiet, hielten alles minutiös fest. Die Ergebnisse unterstreichen das, was bei Protestwanderungen längst kritisiert wurde: Mit dem neuerlichen Betrieb würde ein in den vergangenen Jahren entstandenes, wertvolles Kleinod zerstört werden.

Zuletzt riefen die Fachleute selbst die Polizei, weil mit schwerem Gerät und augenscheinlich mutwillig Reviere streng geschützter Vögel und Reptilien befahren wurde. Der Grubenbetreiber war für die MAZ dazu bisher nicht erreichbar.

Handlungsempfehlung für die Naturschutzbehörde

Das neue Gutachten hat nun zum Ziel, eine fachliche Grundlage zu schaffen, zur „Ausweisung der Kiesgrube als geschütztem Landschaftsbestandteil“. Unter anderem heißt es: „Das vorliegende Schutzwürdigkeitsgutachten fasst die verschiedenen Ergebnisse der Erfassungen zusammen und gibt eine Bewertung und Empfehlung an die zuständige Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin.“

Für die Errichtung einer „Deponie der Deponieklasse I“ – nutzbar „für mäßig belasteten Erdaushub und Bauschutt und vergleichbare mineralische Abfälle“ – am Standort der Kiesgrube ist schließlich nicht von ungefähr ein Planfeststellungsverfahren samt Umweltverträglichkeitsprüfung vorgesehen.

Totalverlust von Arten und Lebensräumen

Das Fazit im Gutachten ist entsprechend klar: „Die Kiesgrube Holzhausen (...) bietet einem sehr selten gewordenem Artenspektrum einen Lebensraum und nimmt somit innerhalb der intensiv genutzten Agrarlandschaft einen herausragenden Stellenwert ein. Verdeutlicht wird dies durch das Auftreten vieler aufgrund ihrer Seltenheit mittlerweile geschützten und teil stark gefährdeten beziehungsweise sogar vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten.“

Die Kiesgrube Holzhausen aus der Vogelperspektive. Quelle: Archivfoto André Reichel

Die Nutzung als Deponiestandort würde die Arten und ihre Lebensräume nicht einfach nur weiter gefährden, sondern zum „Totalverlust“ führen. Die Zauneidechse ist nur ein Beispiel von vielen. Ihr Vorkommen habe dort sogar „hohe und regional betrachtet überdurchschnittliche Populationsstärken erreicht“.

Ein Deponiebetrieb würde dagegen mehrere „Verbotstatbestände“ gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes „in einem nicht zu kompensierenden Umfang“ erfüllen: „Aufgrund dieser außergewöhnlich hohen faunistischen und floristischen Wertigkeit liegt für den Erhalt der Kiesgrube ein herausragendes Interesse der Allgemeinheit vor. Eine Ausweisung als Geschützter Landschaftsbestandteil ist rechtlich möglich und dringend geboten.“

Von Matthias Anke

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