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Neustadt Den Geheimnissen der Brandenburger Pferdezucht auf der Spur
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01:16 29.04.2019
Beim Besuch im Pferdestall vom Hauptgestüt in Neustadt Quelle: Peter Geisler
Neustadt

Glücksfee! Wenn das mal kein schöner Name ist. Pferd müsste man sein. Dann ist das möglich. Ein Pferd wie „Glücksfee“ eben mit einem Stall in Neustadt am besten, wo sich das Brandenburger Haupt- und Landgestüt befindet und die 15 Teilnehmer des jüngsten Betriebsausfluges von MAZ und Regionalentwicklung Nordwestbrandenburg (REG) über noch so viel mehr staunen konnten als über die teilweise sehr üppigen – und sehr bedeutungsvollen – Namen. Abstammung ist alles, wie sie lernten.

Dass sie überhaupt dabei sein durften bei diesem exklusiven Rundgang mit seinen zahlreichen Blicken hinter die Kulissen dieses Betriebes hatte ebenso irgendwie mit einer Glücksfee zu tun. Schließlich war dieser Ausflug sehr begehrt.

Die Gestüte in Neustadt blicken auf eine 230-jährige Geschichte zurück. 1788 wurden sie von König Friedrich Wilhelm II. gegründet. Seit 2001 gibt es die Stiftung Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse. Die Gäste vom MAZ-Betriebsausflug erhielten Einblick in die Arbeit der Gestüte.

Nur das Los konnte am Ende über die Teilnehmer entscheiden, wie Andrea Schneider von der Regionalentwicklungsgesellschaft (REG) Nordwestbrandenburg zur Begrüßung verriet: „Sie alle hier sind also die Auserwählten.“ Und für die gaben sich die Akteure vom Gestüt redlich Mühe.

Gestütsleitung führte MAZ-Leser persönlich

Hatten MAZ und REG wieder zusammen dazu eingeladen, standen den interessierten Besuchern diesmal nun Regine Ebert, Uwe Müller und Sieglinde Wendel als Gastgeber Rede und Antwort: die Geschäftsführerin der Gestüte, der Landstallmeister und die Marketingchefin also.

Regine Ebert gab einen kurzen Abriss der nunmehr 230-jährigen Geschichte dieses „Sanssoucis der Pferde“ mit Blick auf die entsprechenden und zuletzt auch sanierten historischen Bauten. Und sie ging auf die Spezialitäten dieser Landeseinrichtung ein, die einst als ein Haupt- und ein Landgestüt gut eineinhalb Kilometer voneinander entfernt entstanden – aus seinerzeit hygienischen Gründen.

Von der Zucht bis zum Tourismus

Heute trennen die Anlagen Hengste und Stuten voneinander. Doch natürlich werden sie regelmäßig zusammengebracht: „Die traditionelle Pferdehaltung und -zucht ist unsere Stiftungsaufgabe“, erklärte Regine Ebert.

Als Stiftung agieren die Gestüte seit 2001, wobei zuletzt die Bereiche Tourismus und Veranstaltungen ein großes Gewicht erhielten. Fördergelder zum Erhalt der Anlage gab und gibt es schließlich, wenn sie auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Wenn das Phantompferd beschnuppert und beknabbert wird

Zur Zucht: Das Sperma der Hengste aus Neustadt trifft nicht nur auf die örtlichen Stuten. Von der EU-Besamungsstation aus wird es tiefgekühlt in alle Welt geflogen.

Der Trick bei der Sache ist, dass den Hengsten ein Phantompferd zur Verfügung steht. „Täglich“, wie Regine Ebert den erstaunten Gästen verriet. „Wer darin noch nicht ganz so geübt ist, der schnuppert und knabbert daran erstmal ein Weilchen.“

Geschäftsführerin Regine Ebert erklärt die Arbeit in der Besamungsstation vom Gestüt Neustadt. Quelle: Peter Geisler

Eine Portion kann 150 oder auch 1500 Euro kosten

Die Mindestanforderungen an die Qualität dieses lebensspendenden Saftes aus Neustadt konnten aufmerksame Augen diversen Aushängen entnehmen: 40 Milliliter, 70 Prozent morphologisch intakte Spermien und der PH-Wert 6,8 bis 7,2 gehören beispielsweise dazu.

Eine Portion von einem Quaterback oder Askari kostet 1500 Euro, wie die Geschäftsführerin verriet. „Es geht aber auch schon los bei 150 Euro für einen Kaltblüter.“

Die besten jungen Hengste aus dem Stall

Dieses Erbgut ist eine der Haupteinnahmequellen der Stiftung ebenso wie der Verkauf ganzer und obendrauf bestens ausgebildeter Pferde, wie sie anschließend bei einer Vorführung gezeigt wurden – moderiert vom Landstallmeister.

Reitvorführung der Dressurreiter Quelle: Peter Geisler

Es waren die besten der jungen Hengste der Rasse Deutsches Sportpferd aus dem Neustädter Stall, „gezüchtet nach Dressurlinien und Springabstammungen“, sagte Müller: „Applaudieren sie ruhig so laut sie können. An diese Atmosphäre müssen sich die Pferde ja gewöhnen.“

Auch der Landrat und selbst Neustädter „von nebenan“ begeistert

Doch der Landstallmeister ließ sich mit Verwies auf „das Betriebsgeheimnis“, wie er sagte, keine genauen Preise entlocken. Selbst nicht von Landrat Ralf Reinhardt. Auch er hatte sich als Gast und Mitglied der REG diese einmalige Führung nicht entgehen lassen wollen. Müller blieb also pauschal bei „sechsstelligen Summen“ , die heutzutage für Spitzenpferde ausgegeben werden.

„Ich bin zwar oft hier, aber so lernt man das ja doch nicht alle Tage kennen“, erklärte Ralf Reinhardt. Der Landkreis gehört per se schließlich zu den Kuratoren, den Förderern der Stiftung.

Eine Kutschfahrt führte vom Haupt- zum Landgestüt und zurück. Quelle: Peter Geisler

In diesem Sinne gab es selbst noch zu begeisternde Neustädter. Sie durften sich dann wie alle anderen Teilnehmer auf eine Kremserfahrt über das Stiftungsgelände begeben.

Die Gestüte als Landwirtschaftsbetrieb

Unterwegs hingen sie Sieglinde Wendel bei ihren Ausführungen regelrecht an den Lippen. Keine Frage: Die Frau hat ihren Job als Marketingexpertin fürs Gestüt nicht ohne Grund.

Anhand des weitläufigen Areals machte sie klar: Die Gestüte sind auch ein Landwirtschaftsbetrieb. Rund 400 Hektar müssen bewirtschaftet werden.

30 Fohlen schon geboren, acht werden noch erwartet

Angekommen an den Stutenställen, ließ sich der jüngste Nachwuchs bestaunen. Rund 30 Fohlen kamen in diesem Jahr schon zur Welt. Acht werden noch erwartet.

Es geht also immer weiter in Neustadt. Und der nächste Termin für einen weiteren Besuch – diesmal aber natürlich für die gesamte Öffentlichkeit – ist schon am nächsten Sonnabend, 4. Mai. Wie Sieglinde Wendel informierte, beginnt dann um 13 Uhr der traditionelle Fohlenfrühling an der Dosse als „das Hoffest für die ganze Familie“. Viel Streicheln inklusive. Womöglich auch bei Glücksfee.

Haupt- und Landgestüt Neustadt

Branche: Pferdezucht, Pensionspferde, Leistungsprüfungen, Besamungen, Tourismus und Veranstaltungen

Produkte: Reproduktion, Aufzucht und Verkauf von Pferde sowie touristische Angebote

Mitarbeiter: 85, davon 19 Azubis

Ausbildungsberufe: Pferdewirt Zucht und Klassische Reitausbildung, Reiten in der Schule

Gesucht: Pferdewirte, Bereiter

Kontakt: www.neustaedter-gestuete.de

Von Matthias Anke

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