Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neustadt Wo immer mehr Kinder mal so richtig durchdrehen dürfen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Wo immer mehr Kinder mal so richtig durchdrehen dürfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 11.05.2019
Ein Erlebnistag beim MC Dreetz: Jetzt sollen auch schon Kita-Kinder und Grundschüler zum Motocross motiviert werden. Quelle: Matthias Anke
Dreetz

Henri biegt sein Handgelenk nach unten. Ein irrer Durft von frisch verbranntem Benzin entfaltet sich. Die Antriebskette lässt das Hinterrad rotieren. Immer schneller. Märkischer Sand wirbelt auf. Alles dröhnt wie eine Tüte wild gewordener Mücken. Henri, ein sechsjähriger Dreikäsehoch, der erst noch in die Schule kommt, braust davon.

Bei Arne, Karli, Philipp, aber auch Emma und weiteren Mädels aus Henris Kita-Gruppe klappen die Kinnladen runter. „Boah!“ „Fetzt ja richtig!“ „Das ist ja so krass.“ „Darf ich auch mal?“

Aber gerne, wird sich Henris Vater Marcus Ladewig in dem Moment denken. Doch jetzt noch nicht. Nicht an diesem Tag, der einer der ersten Erlebnistage für Kindergartenkinder auf dieser Anlage des Vereins MC Dreetz ist.

Beim MC Dreetz werden zur Nachwuchsgewinnung fortan Schnuppertage auch für Gruppen aus Kindergärten und Grundschulen angeboten.

„Wir werden auch noch die Grundschulen kontaktieren“, erklärt Ladewig, der zum Vereinsvorstand gehört. Die ersten waren jetzt Kinder der Kyritzer Kita „Hundert Sterne“, die an diesem Schnuppertag alles rund ums Thema Motocross erfuhren.

Fahrer für die bundesweite Spitze als Ziel

Der MC Dreetz geht damit neue Wege, um Nachwuchs zu finden. Ziel ist es laut dem 41-Jährigen, so früh wie möglich erste Grundlagen zu schaffen. So sollen später Fahrer daraus rekrutiert werden, die bundesweit an der Spitze mitfahren.

Im ganzen Land ist der MC Dreetz mit seinen Leuten zwar schon erfolgreich dabei. „Doch erst mit 16 oder 17 als Quereinsteiger zu kommen, ist eben bei manchem schon viel zu spät“, erklärt Norman Stieger, 30 Jahre alt, und einer der Trainer in Dreetz. Die meisten Profis seien schließlich alle schon von Kindesbeinen an dabei.

Wer den Lenker halten kann, ist reif für die Strecke

Nachdem der Club vor einigen Jahren schon die „Moto-Kids“ als Nachwuchsabteilung ins Leben rief, wird sich nun also noch eine Altersstufe nach unten gewagt. Ein Mindestalter gebe es keines. Marcus Ladewig: „Wer in der Lage ist, den Lenker festzuhalten, könnte eigentlich schon loslegen.“

Die Kinderstrecke wurde eigens für die „Moto-Kids“ angelegt. Quelle: Matthias Anke

Von den aktuell 134 Mitgliedern des MC Dreetz zählen etwa ein Dutzend Kinder zu den Moto-Kids. In der Regel ist das oft der Nachwuchs von Eltern, die selber Motocrosser sind. Dafür begeistern sollen sich aber eben noch ganz andere. Und wenn diese Kinder von den Erlebnistagen kommend ihre Eltern überzeugen, sich mal gemeinsam ein Rennen anzuschauen, sei der erste Schritt schon geschafft.

Knackpunkt ist die Ausrüstung

Zusätzlich kommen zu den Trainingszeiten regelmäßig Gäste nach Dreetz und nutzen die Strecke. Mitglieder aber nutzen diese kostenlos, wie Ladewig erklärt. Kinder zahlen sogar nur einen Euro Monatsbeitrag.

Knackpunkt aber ist die Ausrüstung. Doch ein Einsteigermodell für Kinder, eine „PW 50“, steht im Verein für Probefahrten jederzeit zur Verfügung.

Eine Maschine eine Klasse höher, etwa eine 50er KTM, schlägt mit einem vierstelligen Neupreis zu Buche. Und gute 500 Euro koste Pi mal Daumen zwar auch noch die komplette dazugehörige Ausrüstung. Aber da seien laut Ladewig andere Hobbys wie Reiten beispielsweise manchmal weitaus teurer.

Neu ist die Moto-Kids-Akademie

Wer alles hat, für den gibt es neuerdings Trainingslager. Diese „Moto-Kids-Akademie“ existiert seit diesem Jahr. Allen Kindern im Alter bis zu 16 Jahren steht neben Norman Stieger dabei auch der 19-jährige Philip Landsmann als Trainer an der Seite. Hinzu kommen sogenannte A-Trainer.

In Dreetz als ADAC-Stützpunkt, wo seit einer Weile schon die ADAC-MX-Serie als höchste Renngruppe gefahren wird, sehen sich dann auch Leute wie der mehrfache Deutsche Meister Christian Brockel den Nachwuchs an.

Motocross von A bis Z

Henri ist dort nun einer der jüngsten, die auch für diese monatlichen Lehrgänge infrage kommen. Was alles zu seiner Ausrüstung gehört, zeigte er den Kindern seiner Gruppe ebenfalls. Sie lernten also tatsächlich alles kennen, angefangen schon bei der Frage „Wisst ihr, was Motocross überhaupt ist?“ und einem schicken Video dazu.

Dann ging es raus zur Strecke mit der Startanlage bis hin zu dem Mann namens „Zielabwinker“, der per Funk mit der Zeitnahme verbunden ist.

Das Gefühl auf dem Siegertreppchen

Neben den verschiedenen Maschinengrößen staunten die Kinder auch über den BMX-Fahrradparcours. Hier durfte jeder ein paar Runden drehen.

Ein Erlebnistag beim MC Dreetz: So steht es sich auf dem Siegertreppchen. Quelle: Matthias Anke

Manchen Pokal aus dem Clubraum hievten die Kinder in die Luft. Und natürlich probierten sie alle am Ende auch schon mal aus, wie es sich denn so auf dem Siegertreppchen anfühlt.

Am Wochenende zum ADAC-Frühjahrsrennen

Wie das alles im echten Wettkampf aussieht, können sie sich am jetzt bevorstehenden Wochenende, 11. und 12. Mai, mit ihren Eltern in Dreetz angucken. Dann erfolgt dort das diesjährige ADAC-Frühjahrsrennen.

„Am Sonnabend geht die Clubsportklasse zusammen mit den Senioren Ü35 und den MX2 Piloten an den Start. Der Sonntag steht dann im Zeichen der Quad-Piloten, den Youngsters, Senioren Ü45 und der MX1 Klasse“, informiert Marcus Ladewig. Benzingeruch, Sandspritzer und Motorendröhnen inklusive.

Von Matthias Anke

Finanzminister Christian Görke und Bildungsministerin Britta Ernst brachten einen Förderbescheid über 4,5 Millionen Euro nach Neustadt für den Umbau und die Sanierung der Schule. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2020 beginnen.

07.05.2019

Der 12. Fohlenfrühling lockte am Sonnabend zahlreiche Besucher nach Neustadt. Neben den kleinen Pferden warteten in den Gestüten ein Kunsthandwerkermarkt, ein buntes Rahmenprogramm, Kremserfahrten und Führungen auf alle Gäste

08.05.2019

In Kampehl bei Neustadt (Dosse) ist die Mumie des Ritters von Kahlbutz eine Touristenattaktion. Ob Fontane die legendäre Leiche auf seinen Wanderungen je gesehen hat, ist jedoch fraglich.

05.05.2019