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Neustadt Frühlingsgefühle aus der Maske
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00:22 08.02.2019
Einige der Schützlinge von Stutenmeister Ronny Voigt im Neustädter Gestüt nehmen an einem wissenschaftlichen Versuch teil. Quelle: Alexander Beckmann
Neustadt

Die trächtigen Stuten auf dem Hof des Neustädter Hauptgestüts genießen dieser Tage jeden wärmenden Sonnenstrahl. Was dabei auffällt, sind die Masken, die einige tragen. Ein bisschen ungewöhnlich wirken die Hauben, die die Partie rund um die Augen bedecken, schon.

Ein Forschungsprojekt sei das, verrät Stutenmeister Ronny Voigt. Mit einer kleinen Leuchte bringe die Maske bläuliches Licht ins Auge des Pferdes.

Beim Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften, einer vom Neustädter Haupt- und Landgestüt und der Veterinärmedizinischen Universität Wien gemeinsam betriebenen Forschungseinrichtung weiß man mehr. Die Professorin der Tiermedizin Christina Nagel und die Doktorin der Pferdewissenschaften Manuela Wulf zeichnen für den Versuch mit den Neustädter Stuten verantwortlich.

Entscheidender Faktor für den Fruchtbarkeitszyklus

„Wir wollen den Pferden sozusagen vorgaukeln, dass schon Sommer ist“, erklärt die Leiterin der Neustädter Arbeitsgruppe Christina Nagel. Licht sei ein entscheidender Faktor für den jahreszeitlichen Fruchtbarkeitszyklus der Tiere, die ihren Nachwuchs unter natürlichen Bedingungen erst im Laufes des Frühjahrs auf die Welt bringen würden.

Manuela Wulf (l.) und Christina Nagel vom Graf-Lehndorff-Institut untersuchen im Neustädter Haupt- und Landgestüt unter anderem die Auswirkung von Licht auf Stuten und Fohlen. Quelle: Alexander Beckmann

Bei der Vollblutzucht beispielsweise in Großbritannien setzt man künstliches Licht seit vielen Jahren dazu ein, die Fruchtbarkeit der Stuten und damit auch die Geburt der Fohlen möglichst früh ins Jahr zu verlegen. Das hat mit den Regularien im Galopprennsport zu tun.

In der dunklen Jahreszeit auf der Weide

„Mit den Masken können die Stuten in der dunklen Jahreszeit auf der Weide bleiben und kommen auch ohne spezielle Beleuchtung in Gebäuden in die Rosse“, sagt Christina Nagel. „Rosse“ ist die Empfängnisbereitschaft bei Pferden.

In Neustadt forscht man nun weiter. „Es gibt schon seit längerem Hinweise darauf, dass sich das Licht auch auf das ungeborene Fohlen auswirkt“, erklärt die Wissenschaftlerin. Das Forschungsprojekt solle nun klären, ob die Simulation längerer Tage für eine bessere Entwicklung der Föten sorgen kann.

Seit Mitte Dezember läuft das Experiment

„Die Hälfte unserer tragenden Stuten hat so eine Maske bekommen“, beschreibt Manuela Wulf den Ablauf. Die andere Hälfte diene als Kontrollgruppe, um Unterschiede ermitteln zu können. Seit Mitte Dezember laufe das Experiment. Bis 20 Tage nach dem Abfohlen werden die Stuten täglich mehrere Stunden „belichtet“. Denn auch nach der Geburt ist hormonell noch eine Menge los. Die nächste „Rosse“ steht an.

Die Wissenschaftlerinnen untersuchen dazu Fellproben der Tiere, Blut, Milch, nehmen Herzfrequenzmessungen vor und beobachten die Entwicklung der Fohlen noch mehrere Jahre nach der Geburt.

Zusammenarbeit mit dem Institut seit vielen Jahren

„Wir machen das so langfristig, weil man ja immer mehr zu dem Schluss kommt, dass die Entwicklung des Fötus im Mutterleib Auswirkungen auf das ganze spätere Leben hat“, sagt Christina Nagel.

Ohne die enge Zusammenarbeit des 2007 gegründeten Instituts mit dem Gestüt wäre so etwas kaum machbar, betont Manuela Wulf. „Das ist ja einmalig, dass man so eine homogene Gruppe von Tieren unter so konstanten Bedingungen zur Verfügung hat – und so hochwertige.“ Auch das Gestüt profitiert: durch die intensive tiermedizinische Betreuung und nicht zuletzt durch die Forschungsarbeit an sich. „Mit jedem Forschungsbericht tragen wir auch das Gestüt Neustadt in die Welt“, sagt Manuela Wulf.

Das Veterinäramt des Landkreises ist darüber informiert

Bei all dem gehe es immer um möglichst optimale Bedingungen für die Pferde, stellt Christina Nagel klar. „Das Tierwohl steht vor dem Projekt.“ Auch der aktuelle Versuch mit den Lichtmasken werde vom Veterinäramt des Landkreises und von Landesbehörden begleitet. „Die kommen durchaus hier vorbei und gucken, was wir machen.“ Das Graf-Lehndorff-Institut widmet sich vorrangig den Bereichen Zucht und Reproduktion, Haltung, Training, Tierschutz und Gesundheit bei Pferden. Grundsätzlich gelte: „Wir unternehmen keine invasiven Versuche an Tieren.“

Von Alexander Beckmann

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