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Neustadt Ein Schuhkarton, der Freude schenkt
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20:43 28.10.2019
Pakete über Pakete: Luisa König (r.) mit zwei Helferinnen in Kyritz. Dort sammelt die katholische Kirche auch für die Aktion. Quelle: Anja Reinbothe
Neustadt

Kuscheltier, Zahnpasta, Stifte, Anspitzer, Schokolade, Aufkleber, Playmobil-Figur, Haarspangen, Schirmmütze in Lila und Pink – der bunte Weihnachtskarton auf dem Wohnzimmertisch bei Luisa König ist prall gefüllt. Und eindeutig für ein kleines Mädchen. „Stimmt“, bestätigt die Neustädterin. Seit vielen Jahren unterstützt sie „Weihnachten im Schuhkarton“, die weltweit größte Geschenkaktion, organisiert von der christlichen Hilfsorganisation „Samaritan’s Purse“.

So wie viele andere Menschen auch packt Luisa König regelmäßig weit vor dem Fest mit ihrem Nachwuchs für ein bedürftiges Kind in der Ferne allerlei hübsche Überraschungen in eine Box. Am 1. Oktober startet die Aktion regelmäßig und läuft bis Mitte November.

Weihnachten im Schuhkarton: Luisa König aus Neustadt unterstützt die weltweite Hilfsaktion. Quelle: Anja Reinbothe

Bis vor zwei Jahren gab König ihren bunten Schuhkarton im Neuruppiner Hospiz „Wegwarte“ ab. „Dort sammelt Andreas Leddin für Wittstock und Neuruppin“, erzählt die 30-Jährige. Irgendwann hätte sie sich gefragt, warum sie von Neustadt extra in die Fontane-Stadt müsste? „Mach es doch selbst, schlug mir Andreas vor.“ Das tat die zweifache Mutter.

Seit letztem Jahr können Bewohner aus Neustadt, Kyritz und der Umgebung ihre Weihnachtspäckchen nun bei Luisa König zuhause abgeben. Bisher ist ihre Sammelstelle noch weniger bekannt, meint sie, hofft aber, dass sich dies künftig ändert.

„Wichtig ist, dass die Geschenke im Karton alle neu sind“, sagt sie. Weshalb das wichtig sei? „Aufgrund strenger Einfuhr- und Zollbestimmungen. In einigen Ländern dürfen nur neue Waren und Süßigkeiten in die Päckchen rein“, erklärt die Ehrenamtlerin und gibt ein paar weitere Präsenttipps: „Baugeschenke wie Lego oder Playmobil können rein, Cremes, Lollies, Bonbons, Handschuhe, Malstifte und -bücher, Knete, selbst gestrickte Sachen, Überraschungseier, Schokolade.“ Süßigkeiten müssen mindestens bis März des darauffolgenden Jahres haltbar sein und ohne Nüsse oder andere pflanzliche Füllungen.

Gutes tun: eine gepackte Weihnachtsbox für ein Kind in einem anderen Land. Quelle: Anja Reinbothe

„Ansonsten sind Lebensmittel tabu“, sagt König. „Wasserpistolen auch. Angstauslösende Spielzeuge holen wir wieder raus. Genauso wie Glücksspiele.“ In muslimischen Religionen seien diese verboten.

Prall gefüllt müsse der Karton nicht sein, aber wenigstens halb voll. „Ich packe immer im entsprechenden Alter meiner Kinder. Diese sind jetzt zwei und acht Jahre, ein Mädchen und ein Junge.“ Grundsätzlich wird in Geschlechter unterschieden und drei Altersgruppen: zwei bis vier Jahre, fünf bis neun Jahre und zehn bis 14 Jahre.

Das ist die Geschenkbox, die man für die Spendenaktion nutzen kann. Quelle: Anja Reinbothe

Wen die Spender beschenken wollen, vermerken sie auf einem Etikett am Schuhkarton. „Deckel und Unterteil bekleben sie mit Geschenkpapier. Dann reicht aber ein Gummiband drumherum. Denn wir öffnen das Päckchen noch mal und prüfen.“ Wer keinen Schuhkarton zur Hand hat, kann bei den Samaritern im Internet eine praktische bedruckte Weihnachtsbox bestellen. Hierauf wird dann angekreuzt, für welches Kind welchen Alters das Geschenk ist.

Seit 1996 gibt es „Weihnachten im Schuhkarton“ in Deutschland. Ganz kritikfrei wäre die Spendenaktion der Samariter nicht, meint Luisa König: „Manche sagen, es sei eine Zwangsmissionierung, da die Kinder ein kleines Heft mit Bibelauszügen bekommen – nicht jedoch in muslimischen Gebieten.“

Der 30-Jährigen geht es um die gute Sache und Aussagen mancher Menschen ärgern sie deshalb: „Für deutsche Kinder würde ich ein Paket packen, gerade vor Weihnachten. Sowas habe ich schon zu hören bekommen.“ Darüber kann die gebürtige Neustädterin nur den Kopf schütteln.

Jeder kleine Beitrag hilft

„Es ist wichtig, dass man sich engagiert. Auch wenn es nur ein kleiner Beitrag ist“, findet König. „Schon in Bremen, wo ich zuvor mit meiner Familie gewohnt habe, habe ich Päckchen gepackt und abgegeben. Als ich noch keine Kinder hatte, habe ich auch bei der Bremer und zuvor bei der Berliner Tafel mitgearbeitet. Durch die Kinder habe ich jetzt nicht mehr soviel Zeit.“ Dennoch wolle man, gerade wenn man selber Nachwuchs habe, auch etwas für andere tun.

Weihnachten im Schuhkarton: Plakat mit einem Sammelaufruf an der Kita Spiegelberg in Neustadt. Quelle: Anja Reinbothe

So wie viele andere Spender auch legt die junge Mutter stets einen persönlichen Gruß in den Schuhkarton. Einer hatte sie letztes Jahr besonders gerührt. „Hallo, ich bin Oma Erna und bin über 90 Jahre, hatte die Absenderin geschrieben“, erzählt Luisa König. „Sie hatte ganz viele Stricksachen reingelegt. Alles selbst gestrickt für ein kleines Mädchen.“

Zusammen mit dem gefüllten Schuhkarton spende jeder, der mitmacht, zehn Euro, erklärt die Ehrenamtlerin: „Sie können bar übergeben oder überwiesen werden. Mit der Geldspende werden Transport, Mitarbeiter und das Marketing für die Aktion gezahlt.“ 75 Prozent der Transportkosten müssen über Spenden finanziert werden.

„Bis zum 14. November können die Päckchen bei mir abgegeben werden. Die meisten kommen kurz vor Schluss. So war die Erfahrung im letzten Jahr. Rund 50 Stück waren es.“ Auch über Sachspenden wie Zahnpastatuben, Schulhefte, Stifte oder Haarspangen in großen Mengen freut sie sich. „Damit füllen wir nicht vollständig oder mit verbotenen Dingen gepackte Kartons auf.“

Die Weihnachtsüberraschungen fährt die Neustädterin am 14. November zu Andreas Leddin nach Wittstock, der alles Weitere koordiniert. Insgesamt wären im vergangenen Jahr 475 Schuhkartons aus der Region auf die Reise gegangen, erzählte der Wittstocker kürzlich der MAZ: „Die Aktion ist stabil und liegt im Durchschnitt bei 400 Stück.“ Der Ehrenamtler bringt die Päckchen am Ende ins zentrale Sammellager nach Berlin, wo sie weiterverteilt werden. Auch Luisa König hat in der „Weihnachtswerkstatt“ schon mitgeholfen und alles versandfertig gemacht.

Schenken mit Herz: ein gepackter Karton mit einem persönlichen gemalten Gruß. Quelle: Anja Reinbothe

„Die Päckchen von dort gehen nach Osteuropa“, weiß sie. „Wegen der geografischen Lage.“ Kinder in Moldawien, Weißrussland, Bulgarien, Rumänien, Polen oder der Ukraine können sich darüber freuen. Und ganz sicher werden die Geschenke wieder für Leuchten in ihren Augen sorgen und für viele unvergessliche Glücksmomente – egal ob es wegen Kuscheltieren, Stiften, Schokolade, Aufklebern, Playmobil-Figuren oder Haarspangen ist.

Die Kartons können bei Luisa König im Gartenweg 2 in Neustadt abgegeben werden, montags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr.

Weitere Infos zur Aktion, Geschenkideen, Bestellmöglichkeit für die Box-to-Go und Fotos von der Übergabe an die Kinder gibt es im Internet bei „Samaritan’s Purse“.

Wer lieber packen lassen möchte: Unter www.online-packen.de kann man dies in Auftrag geben.

Von Anja Reinbothe

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