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Neustadt Telefonbetrug mit neuer Masche
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15:35 23.05.2019
Klaus Lehwald ist in Neustadt ehrenamtlicher Schiedsmann und schöpfte schnell Verdacht. Quelle: Alexander Beckmann
Neustadt

Ein Wochentag im Mai. Um kurz nach halb zehn klingelt bei Klaus Lehwald in Neustadt das Telefon. Anruferin ist eine Frau Schulze vom Amtsgericht Neuruppin. Dessen Nummer wird auf Lehwalds Telefon auch angezeigt. Er hat sie sowieso im Speicher. Als ehrenamtlicher Schiedsmann hat der 75-Jährige seit vielen Jahren regelmäßig mit dem Gericht zu tun.

Trotzdem wird der Neustädter misstrauisch. „Frau Schulze“ will eine Menge von ihm wissen – angeblich, um ihre Aufzeichnungen zu bestätigen. Klaus Lehwald kommt das verdächtig vor: „Vor Jahren hatten wir schon mal Anrufe wegen angeblicher Gewinnspielteilnahmen.“

Doch er lässt die Anruferin ausreden. „Sie müssen mit mir einen Termin vereinbaren für den Gerichtsvollzieher“, teilt sie mit. Rechnungen seien nicht bezahlt worden. Klaus Lehwald ist sich keiner Schuld bewusst.

Auf Nachfragen folgt der Abbruch

Sowieso kommt ihm die ganze Sache immer merkwürdiger vor: „Das Amtsgericht macht doch sowas nicht telefonisch!“ Der Rentner hakt nun seinerseits nach und will genau wissen, mit wem er es zu tun hat. „Da fing die Frau an rumzueiern. Auf einmal meinte sie: ,Ihr Name ist doch Klaus-Dieter Lehwald?’ Ich heiße aber nur Klaus.“ Nach einigem weiteren Gestammel berief sich die Anruferin auf einen Irrtum und legte auf.

Klaus Lehwald versuchte es sofort mit einem Rückruf. Doch der endete am Besetztzeichen. Erst als er die Rufnummer des Amtsgerichts Ziffer für Ziffer eingab, landete er genau dort. „Eine Frau Schulze gibt’s da gar nicht.“

Enkeltrick mit neuer Legende

Ganz klar: Irgendjemand hat versucht, den Neustädter über den Tisch zu ziehen. Es scheint eine Variante des berüchtigten Enkeltricks zu sein: Die Opfer, meistens ältere Menschen, werden telefonisch dazu überredet, einem Besucher Geld zu geben. Klaus Lehwald betont: „Mir geht’s darum, dass andere Leute gewarnt sind.“

Um solche Warnungen bemüht sich auch die Polizeidirektion Nord in Neuruppin. „Das ist ein facettenreiches Betrugsdelikt“, schätzt Ariane Feierbach von der Pressestelle der Polizeidirektion Nord in Neuruppin ein. Die Variante mit dem Amtsgericht sei ihr noch nicht untergekommen. „Aber die Täter sind einfallsreich. Da kommt immer mal was Neues.“

Grundsätzlich ist die Masche folgende: Ein Anrufer gibt sich als Verwandter, Freund eines Verwandten oder als Vertreter einer Behörde aus und fordert das Opfer auf, jemandem einen größeren Geldbetrag oder Wertgegenstände zu übergeben. Zu Begründung wird wie beim Enkeltrick eine dringende Notlage in der Verwandschaft angeführt, oder es geht auch mal um angebliche polizeiliche Ermittlungen gegen Einbrecherbanden.

Betrüger geben sich auch als Behörde aus

„Es ist schon vorgekommen, dass die Opfer Geld und Wertgegenstände an vermeintliche Polizeibeamte übergeben haben“, berichtet Ariane Feierbach. „Die Täter sind sehr geschickt bei der Kommunikation. Das sind Profis.“

Systematisch versuchen sie, ein geeignetes Opfer zu finden. Gezielt sprechen sie vor allem alte Menschen an in der Hoffnung, dass die sich leichter übertölpeln lassen. „Wenn, dann haben wir in aller Regel immer gleich mehrere solche Fälle in der Region“, berichtet die Polizeibeamtin. „Das sind kriminelle Strukturen, die durchaus über Ländergrenzen hinausreichen.“

Auch das mache es schwierig, die Täter zu ermitteln. Denn natürlich unternehmen die alles, um unerkannt zu bleiben. Längst ist es bei entsprechender krimineller Energie möglich, dem Angerufenen eine beliebige Rufnummer vorzugaukeln. Das bekam ja auch Klaus Lehwald in Neustadt zu spüren.

Wenn es ums Geld geht, misstrauisch bleiben!

Die Polizei setzt vor allem auf Prävention. „Anrufer immer nach dem Namen fragen!“, rät Ariane Feierbach als erstes. Bei Zweifeln an der Identität des Anrufers sollte man konkret nachfragen. Wenn der behauptet, im Auftrag von Verwandten zu handeln, sollte man die kontaktieren. Und für Ariane Feierbach der Grundsatz schlechthin: „Nie Fremden Geld oder Wertsachen übergeben und auch keine persönlichen Angaben wie Bankdaten!“

Nicht nur die potenziellen Opfer, sondern auch Angehörige können dem Nepp vorbeugen. „Man sollte mit seinen älteren Verwandten durchaus mal über so was reden“, rät Ariane Feierbach. Außerdem zahle es sich im Fall der Fälle aus, für die Betroffenen jederzeit schnell und unkompliziert erreichbar zu sein.

Von Alexander Beckmann

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