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Neustadt Ein Buch wie ein Naturwunder
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Ein Buch wie ein Naturwunder
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00:23 24.03.2019
Detail einer der mannigfaltigen Illustrationen von Jesko Donst im Buch „Kleine Vogel-Wunderkammer“.
Detail einer der mannigfaltigen Illustrationen von Jesko Donst im Buch „Kleine Vogel-Wunderkammer“. Quelle: Eichhörnchenverlag
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Neuroddahn/Leipzig

Ein Zaunkönig müsste man sein. Oder ein wohlriechendes Veilchen. Ein traumhaftes Leben im Wald bei Roddahn führen, bis ein Maler des Weges kommt und einen in Pose bringt. Nicht irgendeiner. Ein Profi. Für ein Bild wie ein Foto. Und dann kommt man ganz groß raus bei einem Auftritt wie auf der internationalen Buchmesse in Leipzig zum Beispiel.

Die läuft seit diesen Donnerstag und noch bis zum Sonntag. Und neben den Zaunkönigen und wohlreichenden Veilchen aus dem Wald bei Roddahn sind dort auch Schleiereulen und Bänderschnecken dabei, Eichhörnchen, Eichelhäher und Pfifferlinge und vieles mehr.

Der Maler Jesko Donst lebte kurzzeitig in Ostprignitz-Ruppin

„Der Maler hatte damals sehr viel im Roddahner und Neuroddahner Wald gefunden und auch bei der Auswahl seiner Motive für das Buch genau diese Flora und Fauna im Sinn gehabt“, erklärt Nina Schuchardt. Die junge Verlegerin vom Eichhörnchenverlag aus Neuroddahn ganz im Südwesten des Landkreises Ostprignitz-Ruppin ist mit ihrem neuesten Werk nach Leipzig gefahren.

Es heißt „Kleine Vogel-Wunderkammer“. Darin findet sich auf jedem der Bilder ein Sammelsurium von Tieren und Pflanzen ähnlich den mit allerhand Kunst, Naturalien und mancherlei Kuriosität vollgestopften Wunderkammern, wie sie aus der Kunstgeschichte bekannt sind.

Ausschnitt aus „Kleine Vogel-Wunderkammer“. Quelle: Eichhörnchen-Verlag

Genau genommen aber sind es zwei Bücher. Das eine kommt ohne Worte aus, besteht nur aus den Bildern vom früheren Porzellanmaler Jesko Donst. Sie sind in der Reihenfolge an die Jahreszeiten gelehnt.

Ausgebildet in Berlin und Meißen und heute in einem Dorf in Mecklenburg zuhause, lebte Donst einst für einige Jahre in Neuroddahn. Er verlor nie den Kontakt dorthin. Vor zwei Jahren stellte er einige Werke dann auch in der Roddahner Kirche aus.

Die neuen Bilder wurden extra für das Buch gemalt

Mancher Betrachter fragte sich dabei: Hat da einer Federn wie in einem Herbarium aufgeklebt und einfach nur hinter Glas gepackt? Und sitzt da hinten etwa ein Schwarm Vögel an der Wand? Ein Lüftchen schien zu genügen, um die Federn zum Wegfliegen zu bringen oder die Äste unter den Vögeln schwingen zu lassen. So echt wirkte alles, wenngleich es nicht vollkommen fotorealistisch gearbeitet war, sondern üppig in den Farben und im Licht.

Eigens für das Buch entstanden jetzt neue Bilder in Acryl auf Holz. Sie entsprechen mit ihrer Größe von 24 mal 45 Zentimetern exakt dem aufgeklappten Buch.

Begleitband mit erklärenden Grafiken

Das zweite Werk ist ein Begleitband von der Grafikerin Antje Rother. Alle Tiere und Pflanzen aus den Bildern finden sich darin als maßstabsgetreue Umrisse wieder. Sie sind mit dem deutschen wie auch lateinischem Fachbegriff betitelt.

Maßstabsgetreu werden in einem Begleitbuch sämtliche Tiere und Pflanzen erklärt. Es ist ein Werk der Grafikerin und Layouterin Antje Rothern Quelle: Eichhörnchenverlag

Es ist quasi eine analoge zweite Ebene zur der vom ersten Buch, die in einer virtuellen Welt angeklickt werden könnte.

Was damit unterm Strich wirkt wie ein Buch für Kunstliebhaber oder Freunde von Naturführern ist aber ein Kinderbuch. Ein Kinderpappebilderbuch, wie es das Thema von Nina Schuchardt schon immer ist.

Am Anfang standen 2017 die „Landtiere“ mit Zeichnungen und Collagen der Berliner Künstlerin Susanne Haun. Schon da entstammten alle gezeigten Lebewesen der Realität, etwa der im Biohof Roddahn, auf privaten Höfen und im Tierpark Kunsterspring. Es folgten die von Niki Amann gezeichneten „Monsterkinder“ für die Kleinsten unter uns.

Nina Schuchardt (r.) vom Eichhörnchenverlag einst mit ihrem von Niki Amann (l.) illustrierten Buch „Monsterkinder“. Quelle: Matthias Anke

Nicht weniger Kunst im Buch bietet die „Die Geschichte von Tui-Tiu“ von 2018. Dafür konnte Nina Schuchardt Gerda Kazakou aus Athen gewinnen.

Mit all diesen Publikationen wagt der noch kleine Eichhörnchenverlag aus dem noch kleineren Neuroddahn nun den Sprung auf die große internationale Bühne. „Halle 2, Stand G 109“, sagt Nina Schuchardt, ist ihr Platz.

Eine Signierstunde gehört dazu. Susanne Haun will dafür am Sonntag nach Leipzig kommen. Ihre Landtiere aus Ostprignitz-Ruppin sind ja schon da. Und der Roddahner Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) samt der wohlriechenden Veilchen (Viola odorata) natürlich auch.

Von Matthias Anke

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