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Ostprignitz-Ruppin Nostalgie statt Ostalgie
Lokales Ostprignitz-Ruppin Nostalgie statt Ostalgie
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17:55 24.09.2014
Quelle: Daniel Bockwoldt
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Herr Krumbiegel, Sie waren 2013 zweimal in Neuruppin, als Solist und mit den Prinzen. Am Freitag singen Sie wieder hier, im Januar geben Sie ein Solokonzert. Haben Sie sich in Neuruppin verliebt?

Sebastian Krumbiegel: Ach, Neuruppin ist eine schöne Stadt. Vor allen Dingen ist die Kulturkirche sehr schön. Ich habe mit der Band dort gespielt und allein, das war immer wunderbar.

Millionär, Küssen verboten, alles nur geklaut - das sind alles Klassiker. Was dürfen die Zuhörer am Freitag erwarten?

Krumbiegel: Genau das. Wir sind stolz darauf, dass wir diese Klassiker haben. Die gehören natürlich in jedes Konzert. Aber wir haben auch neue Songs im Gepäck.

Die letzte Prinzen-CD heißt "Es war nicht alles schlecht". Das bezieht sich ja sicherlich auf die Vorwendezeit in der DDR.

Krumbiegel: Nicht unbedingt. Es bezieht sich eher auf die Vergangenheit. Auf Erinnerungen, an die Jugend, an den ersten Kuss, die erste Liebe. Keine Ostalgie, sondern Nostalgie - da steht ein großes N davor. Das ist ein riesiger Unterschied. Ostalgie ist nicht so unser Ding. Wir trauern der DDR nicht hinterher. Aber jeder erinnert sich gern an seine Jugend, seinen ersten Kuss oder, wie er zum ersten Mal das Meer gesehen hat. Eben die Sachen, über die wir singen. Die sind aber in Ost und West gleich.

Gibt es etwas, das Sie sich zurückwünschen?

Krumbiegel: Klar gibt es immer Sachen, die man sich zurückwünscht. Aber das ist völlig unabhängig von politischen Dingen. Leider ist das ein Problem von uns Ossis. Wann immer wir sagen, wir würden uns etwas zurückwünschen, hören wir den Vorwurf, wir wollen die DDR zurückhaben.

"Es war nicht alles schlecht" kann man ja kaum auf die Prinzen-Songs beziehen. Gibt es Titel, die Sie heute nicht mehr singen würden?

Krumbiegel: Nö, eigentlich nicht. Alles hat seine Zeit und war in dieser gut und richtig. Wir versagen uns da nichts. Wir stehen zu dem, was wir gemacht haben. Kann sein, dass manche Titel besser sind als andere. Aber in jedem steckt Herzblut und wir singen sie alle noch gern.

Das letzte Album erschien 2011. Ist ein neues in Arbeit?

Krumbiegel: Wir sind dran. Anfang 2015 werden wir ein neues Album machen. Der Titel steht noch nicht fest. Wir konzentrieren uns jetzt auf die Tour, dann fangen wir an.

Im Gegensatz zu den eher flapsigen Prinzen-Songs war Ihr Album "Solo am Piano" viel gefühlvoller. Sind Sie insgeheim ein Romantiker?

Krumbiegel: Oh, wir haben alle verschiedene Seiten. Ich bin halt, wie ich bin, völlig egal, ob ich solo oder mit den Prinzen singe. Klar habe ich eine romantische Ader. Und eine flapsige. Die will ich alle ausleben. Ich möchte authentisch sein. Machen, was ich wichtig finde. Da will ich mich nicht verbiegen müssen.

Im Januar gastieren Sie mit Ihrem neuen Solo-Album in Neuruppin. Ist es anders als die Vorgänger?

Krumbiegel: Ja. (lacht) Es sind andere Melodien und andere Texte. Natürlich ist es auch Solo am Piano - aber ich habe manches schon sehr bewusst anders gemacht, zum Beispiel arbeite ich diesmal mit Chören.

Wie kommen Sie zum Lied? Harte Grübelei oder Blumenpflücken am Wegesrand?

Krumbiegel: Ich glaube, man braucht Offenheit. Die Bereitschaft, kreativ zu sein, und die Blumen am Wegesrand aufzuheben. Aber natürlich ist es auch harte Arbeit. Ich versuche regelmäßig, etwas Neues zu machen, an Titeln zu arbeiten. Die schönste Arbeit der Welt!

Im Januar heißt es: "Ein Mann, sein Klavier und ihr". Das klingt nach Interaktion. Was erwarten Sie von Ihrem Publikum?

Krumbiegel: Eigentlich gar nichts. Ich maße mir Erwartungen an das Publikum nicht an. Die Leute erwarten in erster Linie etwas von mir: dafür haben sie ja Eintritt bezahlt, dass der auf der Bühne ihnen sagt, wo's langgeht. Wichtig ist nur, dass ICH weiß, was ich mache. Dass ich die Leute zum Lachen bringe, zum Weinen, vielleicht sogar für Gänsehaut sorge oder auch nachdenklich mache. Das ist ein Wechselspiel, das ich mag. Es soll eine Kommunikation stattfinden.

Mitmachen ist auch Ihre politische Devise. Sie engagieren sich seit vielen Jahren gegen Rassismus, gegen Nazis. Zieht das Kreise?

Krumbiegel: Ich glaube, jedes Engagement zieht Kreise. Jeder, der etwas macht, zieht Leute mit. Man sollte sich natürlich nicht überschätzen. Ich will nicht das große Vorbild sein. Aber ich möchte dabei sein, wenn es mir wichtig ist. Ich begleite im November das Friedensgebet in der Nikolaikirche in Leipzig. Ich war vor 25 Jahren mit dabei, ich will es auch heute sein. Natürlich gefällt es nicht allen, was ich mache. Gerade Nazis finden es scheiße, wenn ich mich gegen sie stelle. Ich find's gut, wenn mich Leute nicht mögen, die ich nicht mag. Man kann nicht allen gefallen. Wie heißt es so schön: Everybody's darling ist everybody's Arschloch. Wenn man sich positioniert, macht man sich eben nicht nur Freunde.

Interview: Regine Buddeke

Soloprogramm: Sebastian Krumbiegel gastiert mit seinem Soloprogramm am 10. Januar in der Neuruppiner Kulturkirche. Tickets und Infos zu "Ein Mann, sein Klavier und ihr!" unter 03391/2687.

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