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Ostprignitz-Ruppin Notfälle auf Rekordniveau
Lokales Ostprignitz-Ruppin Notfälle auf Rekordniveau
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00:50 15.04.2018
Nach 26 Jahren als Chef der Einheit in Bechlin geht Bernd Scheffke (l.) in den Ruhestand. Zum Nachfolger hat Reinhardt Jachnick am Sonnabend Stephan Engel (M.) berufen.
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Neuruppin

Es war ein Rekordjahr für die Neuruppiner Feuerwehr. Zu so vielen Einsätze wie 2017 mussten die Retter seit 15 Jahren nicht mehr ausrücken. Bis Samstagmorgen waren es 525 – 2016 hatte die Neuruppiner Freiwilligenwehr noch 365 Einsätze gezählt. Zuletzt hatten die Retter 2002 mit 519 Einsätzen ähnliche Zahlen erreicht, erinnerte sich Stadtbrandmeister Reinhard Jachnick, als er bei der jährlichen Auszeichnungsveranstaltung der Wehr am Sonnabend Bilanz zog.

Vor allem die Unwettereinätze haben in diesem Jahr dramatisch zugenommen. Allein nach den Stürmen im Oktober gingen mehr als 186 Notrufe für die Feuerwehren in Neuruppin und den Ortsteilen ein. Hinzu kamen andere kräftezehrende Einsätze: Der Salpetersäure-Unfall auf der Autobahn bei Walsleben etwa, der von allen Feuerwehrleuten das Äußerste forderte.

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Alle Feuerwehrleute sind Freiwillige

Was oft vergessen wird: Die Neuruppiner Feuerwehr ist eine freiwillige Wehr. Alle 234 aktiven Frauen und Männer tun ihren Dienst ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Zwar hat die Stadt Neuruppin einige freiwillige Feuerwehrleute für die Wartung der Fahrzeuge und Geräte angestellt – bei einem Alarm rücken aber auch sie als freiwillige Feuerwehrleute aus. Berufsfeuerwehren gibt es im Land Brandenburg bisher nur in den kreisfreien Städten und in Eberswalde.

Seit Jahren kämpfen Feuerwehren im ganzen Land mit Mitgliederschwund. Der Neuruppiner Wehr ist im vergangenen Jahr immerhin ein kurzzeitiger Stopp gelungen, sagt Jachnick. Gegenüber 2016 hat die Wehr sogar sieben aktive Mitglieder dazugewinnen können.

Auf Dauer wird die Stadt aber wohl nicht umhin kommen, noch mehr Leute fest anzustellen. Der große Vorteil: Auch wenn es keine echten Berufsfeuerwehrleute sind, sind die Freiwilligen so immerhin rund um die Uhr in der Nähe und müssen nicht erst von irgendeinem weit entfernten Arbeitsplatz anrücken. Jedes Jahr will Neuruppin künftig zwei weitere Männer anstellen. Bürgermeister Jens-Peter Golde geht davon aus, dass es bis 2021 immerhin 24 sind – genug, um sicherstellen zu können, dass rund um die Uhr stets zwei Löschzüge bei einem Notfall ausrücken können.

Wehrführung macht weiter – unter Bedingungen

Rund eine Million Euro hat Neuruppin zuletzt in die Feuerwehr investiert. Nach und nach werden alle Retter mit neuer Einsatzkleidung ausgerüstet samt neuer Helme und Atemschutztechnik. Allein das kostet mehrere Hunderttausend Euro. Dazu kommen die Fahrzeuge: Mindestens vier neue erwartet die Wehr bis 2019. Darunter eine Drehleiter als Ersatz für den bisherige Hubretter, der nach rund 20 Jahren immer teurer repariert werden muss.

„Die Sicherheit der Bevölkerung ist mir wichtig“, sagte Golde den Feuerwehrleuten: „Aber an erster Stelle steht mir die Sicherheit der Kameraden.“ Der Rathauschef verschwieg nicht, dass die Feuerwehrführung Druck gemacht hat, damit die Stadt mehr für die Wehr tut. Im Oktober hatte Golde Jachnick dessen seine fünf Stellvertreter für weitere sechs Jahr als Führung der Neuruppiner Wehr bestellt. Die sechs waren dazu nur bereit, nachdem der Bürgermeister weitere Investitionen zugesagt hatte.

Von Reyk Grunow