Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Pankow spielt „Aufruhr in den Augen“ reloaded
Lokales Ostprignitz-Ruppin Pankow spielt „Aufruhr in den Augen“ reloaded
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:33 22.01.2017
Jede Note ein Genuss: André Herzberg und seine Jungs von Pankow spielten ein wunderbares Konzert.
Jede Note ein Genuss: André Herzberg und seine Jungs von Pankow spielten ein wunderbares Konzert. Quelle: Regine Buddeke
Anzeige
Neuruppin

„Habt ihr es wiedererkannt?“, fragt Frontmann André Herzberg nach dem ersten Song die 120 Fans, die am Sonnabend zum Konzert der Ostrock-Legende „Pankow“ in Neuruppins Kulturkirche gekommen sind. Ja, das Publikum hat. Obschon das komplette Album neu aufgelegt, arrangiert und aufgenommen wurde. „Wir wollten uns das Album in Gänze vornehmen“, plaudert Herzberg, der von Anfang an bei Pankow dabei war – ebenso wie der Mann an seiner Seite, Gitarrist Jürgen Ehle. Es geht um „Aufruhr in den Augen“, das die Band 1987 als letztes Album zu DDR-Zeiten aufgenommen hatte. Und in dem es sich die Jungs genau wie bei den Vorgänger-Scheiben – wie etwa der Rockoper „Paule Panke“ – nicht nehmen ließen, subversive und provokante Töne zwischen den Zeilen zu verpacken. „Dasselbe Land zu lange gesehn’. Dieselbe Sprache zu lange gehört. Zu lange gewartet, zu lange gehofft. Zu lange die alten Männer verehrt“, heißt es etwa.

Und man erinnere sich an den Eklat 1983 beim Festival „Rock für den Frieden“, bei dem Herzberg dank eines kritischen Spontan-Auftritts dafür sorgte, dass die Liveübertragung gestoppt wurde.

Gute Musik von der ersten bis zur letzten Note. Quelle: Regine Buddeke

Er ist trotzdem in der DDR geblieben. Und hat stattdessen mit Jürgen Ehle Lieder geschrieben über die Freunde, die das Land verließen. Auch dieser Song findet sich auf der „Aufruhr“-Scheibe. Es sind ganz andere Töne, die am Sonnabend auf der Bühne zu hören sind. Die Zeiten haben sich geändert, der Kontext ist heute ein völlig anderer. Die Musiker sind älter geworden und schauen gereift, mit einem Stück weit Distanz und einer guten Prise Nostalgie auf ihre wilde Jugend, die sie damals in allen Facetten besangen. „Manche Titel werdet ihr kaum wiedererkennen“, verspricht Herzberg, der neben Ehle den Engerling-Blueser Bodi Bodag an seiner Seite hat, dazu Drummer Stefan Dohanetz sowie Gitarrist André Drechsler.

Alle fünf liefern einen wunderbaren Sound – auch für die, welche die ursprünglichen Songs gar nicht kennen. Oder für Zuhörer, die in der Ostrock-Szene nicht zu Hause sind. Das ist satter, süffiger Bluesrock, das sind beseelte Balladen – Musik,in der man sich wohlfühlt. Schon weil Herzbergs Stimme, auch wenn er dann und wann auch Ehle oder Bodag zu „Wort“ kommen lässt, alles einlullt, was zwei Ohren hat. Mal rau, mal schmeichelzart singt sich der Frontmann mit dem schwarzen Hut durch die Titel, ohne Pause.

Fliegende Hände: ein Markenzeichen Herzbergs. Quelle: Regine Buddeke

Immer wieder lässt er seine Hände fliegen – ein bisschen wirkt er wie ein Magier, ein Guru. „Wir wollten das machen, wollten sehen, was die alten Lieder uns noch bedeuten. Und was sie euch bedeuten“, sagt er und lässt Erinnerungen an damals aufblitzen. Man war auf einem Bauernhof gewesen – als Rückzug, um Ruhe zum Songschreiben zu haben. Man habe die Zeit damals als die der Agonie bezeichnet. „Aber nicht für uns – wir waren voller Energie“, sagt er.

Sänger und Gitarrist Jürgen Ehle hat Pankow damals mitbegründet. Quelle: Regine Buddeke

Das hat sich bis heute nicht geändert – trotz der Jahre, die ins Land gestrichen sind. So erleben „Aufruhr in den Augen“, „Einsam“ und „Langeweile“ ihr gereiftes, gut ausgefeiltes Comeback. „Straßenlärm“, singt das textsichere Publikum mit und tanzt am Ende selbstvergessen neben den Stühlen, als Pankow mit „Inge Pawelczyk“ den Rausschmeißer liefert.

Weitere Konzerttermine und Bandinfos >

Von Regine Buddeke