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Ostprignitz-Ruppin Peer Steinbrück besucht Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Peer Steinbrück besucht Neuruppin
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07:39 20.09.2013
Daumen hoch statt ausgestreckter Stinkefinger. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Der Stinkefinger musste kommen. Wo immer Peer Steinbrück (SPD) in diesen Tagen auftritt, hängt ihm die Pose an. Auch bei einem Kurz-vor-der-Wahl-Bad in der Menge gestern auf dem Neuruppiner Schulplatz bleibt dem Kanzlerkandidaten eine Erklärung nicht erspart.Der Montessori-Schüler Victor Röstel will unbedingt aus erster Hand erfahren, was dieser Mittelfinger denn nun sollte. Steinbrück stutzt. "Willst du eine ernsthafte Erklärung?" "Ja!"
Der Mann, der übermorgen Kanzler werden will, erzählt dem Jungen seelenruhig vom Interview, in dem er ohne Worte antworten sollte allein mit Mimik und Gestik. Als Reaktion auf die Erfinder all seiner Spitznamen sei ihm spontan der Stinkefinger eingefallen. Steinbrück lächelt. "Den langweiligen Wahlkampf können gern die anderen machen", sagt er. Für Victor hat er einen Tipp: "Dir rate ich vorsichtshalber, das zu Hause nicht zu machen." Die Menge lacht.

Endspurt in Neuruppin: Wenige Tage vor der Bundestagswahl ging SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in der Fontanestadt auf Stimmenfang. Er spazierte über den Wochenmarkt, hielt eine kurze Rede und veranstaltete zusammen mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Ziegler ein Frühstück für Neuruppiner Bürger. Und natürlich wurde Steinbrück auch auf seine berühmteste Geste der vergangenen Wochen angesprochen: den Stinkefinger.

Steinbrück wird warm. Vom Wahlstand der Parteibasis stürmt er in einem eng gezogenen Ring aus Leibwächtern, Fernsehteams und Fotografen los in Richtung Wochenmarkt. Weit kommt er nicht mit seinem Tross. Autogrammwünsche, Fragen, spontaner Zuspruch der Kanzlerkandidat nimmt sich Zeit, schreibt seinen Namen auf hingehaltene Buchdeckel und Zettel, spricht einen Mann an, der im Rollstuhl mitten in der Menge steht, und fragt ihn, wie's sich damit denn so fährt in Neuruppin. Drei Tage vor der Wahl geht es um gute Bilder.
Das weiß auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler. Sie tritt am Sonntag erneut zur Wahl an und hat Steinbrück nach Neuruppin geholt. Auf Stimmenfang lotst sie ihn nun zu Kerstins Imbiss. Die Kameraleute folgen wie ein großer Schatten, alles hält die Luft an. Isst der Spitzenkandidat, den Stefan Raab zum "King of Kotelett" kürte, am Ende lieber Kerstins Bratkartoffeln? Imbissfrau Kerstin Giese guckt halb erschrocken, halb fragend aus ihrem Wagen. Doch Steinbrück winkt ab. Essen wolle er gar nichts, dazu habe er wirklich viel zu gut gefrühstückt, sagt er.
Das ist zu diesem Zeitpunkt allerdings lange her. Steinbrück hat sich bereits am frühen Morgen gestärkt und das war auch gut so. Beim "Bürgerfrühstück" in der Seewirtschaft des Fontane-Hotels kommt er nämlich nicht zum Essen, sondern nur zu einem Glas Tee. 100 geladene Gäste warten mit Spannung auf Steinbrück, der sich im Hotel ausgeschlafen hat. Steinbrück weicht keiner Frage aus. "Warum wollen Sie mit 66 Jahren noch Kanzler werden?", will Anne Lüdemann wissen. "Dann kann ich den Laden zusammenhalten", so Steinbrück. "Haben Sie einen Organspendeausweis?" Steinbrück zückt seine Geldbörse und zeigt den Ausweis. Krankenschwester Romy Andrieof ist zufrieden - Landrat Ralf Reinhardt weniger.
Reinhardt plädiert für die Einführung einer Pkw-Maut. Einen Teil dieser Einnahmen sollten die Kreise und Städte bekommen, um damit ihre Straßen besser in Schuss halten zu können. Doch Peer Steinbrück lehnt ab. "Wir können die Autofahrer nicht noch zusätzlich mit einer Pkw-Maut belasten." Dies wäre vor allem den Pendlern nicht zuzumuten. Reinhardt lässt nicht locker. Er verweist auf die vielen Laster, die durch die Straßen der Region rollen, um die Maut zu umfahren. "An die Lkw-Maut können wir ran", sagt Steinbrück und wechselt zum nächsten Tisch. Er hat nur eine Stunde Zeit. Da bleiben für jedes Gespräch nur ein paar Minuten.
Knifflig wird es für Steinbrück immer, wenn er nach möglichen Koalitionen gefragt wird. "Sie haben zu viel Absagen gemacht. Da ist kein Wechsel der Regierungskoalition möglich", sagt der Kreistagsabgeordnete Gerd Klier (Linke). Steinbrück bleibt hart. Mit den Linken in Ostdeutschland sei eine Regierung vielleicht denkbar. "Die sind regierungsfähig." Nicht aber die Linken im Westen. "Da haben wir es vielfach mit Kryptokommunisten und alten DKP-Leuten zu tun."
Bei so schweren Themen ist Steinbrück über jede Ablenkung froh. Hier ein Foto mit Schauspielerin Astrid Leberti, da eines mit einem Vater von sechs Kindern. "Wenn Sie einen Familienminister suchen. Ich stehe bereit", sagt Andreas von Metasch und lacht. Steinbrück auch.
Ivo Haase ist zufrieden. Der Chef der Neuruppiner SPD hat die 100 Gäste nicht nach Parteibuch eingeladen. "Es ging um einen Querschnitt aus der Bevölkerung", sagt Haase. Wirtschaftsunternehmer, Künstler, Ehrenamtler und Politiker lassen sich das Frühstück gemeinsam schmecken.
Nur Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde fehlt. Er hat wegen seiner vermeintlichen Nähe zur CDU keine Einladung in die Seewirtschaft erhalten. Auf diese Weise zeigt ihm die Neuruppiner SPD den Stinkefinger.
Von Juliane Becker und Andreas Vogel

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