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Ostprignitz-Ruppin Personalsorgen in den freiwilligen Wehren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Personalsorgen in den freiwilligen Wehren
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11:16 09.01.2015
Werbestand der Jugendfeuerwehr auf dem Marktplatz in Wittstock.
Werbestand der Jugendfeuerwehr auf dem Marktplatz in Wittstock. Quelle: Gerd-Peter Diederich
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Wittstock

Die Geburtstagsparty ist vorbei, 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Wittstock ist fast spurlos an den aktiven Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Wittstock im alten Jahr jetzt vorbeigegangen. Ob diese ehrenamtliche Feuerwehr auch noch ein 150-jähriges Bestehen feiern wird, das steht jetzt in den Sternen. "Unser schönstes Geburtstagsgeschenk wären Bereitschaftserklärungen zur aktiven ehrenamtlichen Mitarbeit in der freiwilligen Feuerwehr gewesen. Die hat es im Jubiläumsjahr nur in der Anzahl gegeben, wie gleichzeitig aktive Feuerwehrleute aus der Feuerwehr in Wittstock ausgeschieden waren. Verstärkung haben wir nicht bekommen", sagt Stadtbrandmeister Sven Scheer.

Der absehbare Schrumpfungsprozess in der Freiwilligen Feuerwehr Wittstock in allen Einheiten wird in den nächsten 15 Jahren zu einer rasanten Talfahrt und einem gefährlichen Mitgliederverlust führen. Scheer warnt nachdrücklich davor, diese Entwicklung weiter zu ignorieren. Bisher gibt es keine Lösung, "noch klappt es ja mit den Einsätzen, noch finden sich dafür immer genug Mitglieder ein und bekommen jede Einsatzsituation in den Griff", sagt der Wehrführer in Wittstock.

Kein Nachwuchs im aktiven Dienst

Zwar wird auch hier in der technischen Ausstattung als Stützpunktfeuerwehr aus Landesmitteln weiter modernisiert. "Diese Einsatztechnik braucht versierte Feuerwehrleute, die sie handhaben können. Ohne Mannschaften geht es auch in der Zukunft nicht. Wir brauchen Nachwuchs. Aus der Jugendfeuerwehr ist im vergangenen Jahr niemand als aktives Mitglied zu uns aufgerückt", so Scheer. Aber er wird in diesem Jahr zwei Kameraden aus dem aktiven Dienst in die Alters- und Ehrenabteilung zu verabschieden haben. Und das wird in den nächsten Jahren noch zunehmen. "70 aktive Feuerwehrmitglieder sind jetzt zwischen 51 und 65 Jahre alt, in den nächsten 14 Jahren sind sie alle zu verabschieden. Dann bleibt von unserem derzeitigen Bestand der 260 Feuerwehrkameraden nicht mehr viel übrig, wenn kein Wunder zur Gewinnung von Neumitgliedern passiert", so der Stadtbrandmeister.

Bislang sind alle Rufe ergebnislos verhallt, weder ein vom Bürgermeister der Stadt initiiertes Treffen mit Unternehmern zur Freistellung ihrer Arbeitnehmer für die ehrenamtliche aktive Mitarbeit in der freiwilligen Feuerwehr noch die Feuerwehrappelle in der Öffentlichkeit, Tage der offenen Türen mit Schauvorführungen und Werbekampagnen haben die erhofften Ergebnisse und einen Mitgliederzuwachs gebracht.

Selbst die inzwischen erhöhte Lohnfortzahlung für Beschäftigte in Unternehmen in der Zeit ihrer Feuerwehreinsätze hat sich nicht zur Zugnummer für die Mitgliedergewinnung entwickelt.

Problem besteht landesweit

Diese Dramatik besteht als kreis- und landesweites Strukturproblem bei allen freiwilligen Feuerwehren. Das bestätigt der Stellvertreter des Kreisbrandmeisters, Ralf Leppin, in Kyritz. Wie in Wittstock habe auch der Kreisfeuerwehrverband und jede freiwillige Feuerwehr alle Werbemöglichkeiten für Mitgliedergewinnung versucht und ebenfalls nur dürftige Ergebnisse erreicht. "Das ist auch eine Generationenfrage in der Einstellung, freiwilligen ehrenamtlichen Dienst für das Gemeinwohl und die Gesellschaft ohne Lohn zu leisten", macht Leppin auf ein Problem aufmerksam.

"Heute fragen die meisten vor der Übernahme zusätzlicher Aufgaben im Ehrenamt, was sie dafür bekommen. So funktioniert Feuerwehr nicht. Hier sind von jedem Aktiven, ob Mann oder Frau, 40  Pflichtausbildungsstunden im Jahr, die Teilnahme an Einsätzen, eine Grundqualifizierung und ein Verzicht auf sehr viel Freizeit gefordert", zählt Leppin die Anforderungen auf. Eine Gegenleistung bekommen die Feuerwehrleute nicht. "Wer meint, wir lösen unsere sich zuspitzenden Personalprobleme dafür aus den Jugendfeuerwehren heraus, der ist ebenfalls schief gewickelt", sagt der Vize-Kreisbrandmeister.

Neue Feuerwehrautos, aber keine Besatzung

Im Kreisfeuerwehrverband sei das Problem nicht zu lösen. "Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen für die aktive und ehrenamtliche Feuerwehrarbeit grundlegend zu reformieren. Es ist zwar schön, dass vom Land jetzt jedes Jahr fünf Millionen Euro für die Technikbeschaffung bereitgestellt werden. Aber was nützen schöne Feuerwehrautos, wenn sie bald nicht mehr besetzt werden können?", fragt Leppin. Der Feuerwehrverband habe bereits vor Jahren angeregt, dass die jahrzehntelang treuen, aktiven Feuerwehrkameraden beispielsweise einen Bonus auf die Rentenzahlung angerechnet bekommen. Doch für die Ehrenamtler sei bislang von der Politik nichts Zählbares als Anerkennung auf den Weg gebracht worden, moniert Leppin.

Nun lässt sich dieses Problem nicht länger unter den Tisch kehren, die Alterspyramide bei allen freiwilligen Feuerwehren im Land steht inzwischen Kopf, die meisten Mitglieder werden sich in den nächsten 15 Jahren aus dem aktiven Dienst für die Gesellschaft endgültig verabschieden.

Von Gerd-Peter Diederich

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