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Ostprignitz-Ruppin „Problemfamilie“ aus Tschetschenien
Lokales Ostprignitz-Ruppin „Problemfamilie“ aus Tschetschenien
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14:25 14.03.2018
In Kyritz funktioniert die Integration von Flüchtlingen bislang recht gut. Auch das „Begegnungscafé der Kulturen“ hat seinen Anteil daran.
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Kyritz

Dass Brandenburger Landkreise die Aufnahme weiterer Flüchtline aus Tschetschenien verweigern, weil sie angeblich für zu viele Auseinandersetzungen in Unterkünften sorgen und ohnehin in der Regel keine Bleibeperspektive haben, führte erst vor wenigen Tagen zu Schlagzeilen. Und jetzt kam das Thema auch im Kyritzer Sozialausschuss zur Sprache. Der Ausschussvorsitzende Peter Bittermann (SPD) wollte von Gästen wissen, wie sie diese Bevölkerungsgruppe wahrnehmen. Eingeladen waren schließlich zwei Frauen, die es wissen müssen: Kornelia Diekers-Conraths kam, um als Integrationsbeauftragte der Stadt zu berichten, und Elke Krüger sollte über die aktuelle Flüchtlingssituation in ihrer Funktion als Sozialarbeiterin in einem Wohnverbund sprechen.

„Es lässt sich nicht generell sagen, dass Tschetschenen die am schwierigsten zu integrierenden Familien sind“, sagte Elke Krüger. Sie berichtete dabei von aktuell sieben Menschen tschetschenischer Herkunft in Kyritz. Zudem seinen gerade auch welche nach Neustadt gekommen. Zugleich aber räumte sie ein: „Es gab eine Problemfamilie in Wusterhausen. Die hatte hier einen schlechten Ruf.“ Diese Leute aber seien längst an einen entfernten Ort gebracht worden.

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Was sie nicht sagte: Aus eben jener Familie stammten mutmaßlich die Schläger, die im Dezember zwei 13 und 14 Jahre alte Jungen beim Spielen auf dem Wusterhausener Sportplatz angegriffen, geschlagen und getreten hatten und einen dabei so schwer, dass er für längere Zeit im Krankenhaus blieb. Einen Tag zuvor gab es am Neustädter Bahnhof einen ähnlichen Vorfall. Erst wurde dort ein 15-Jähriger und dann sein zur Hilfe eilender 20-jähriger Bruder verprügelt.

Laut Elke Krüger leben derzeit 30 Asylbewerber in Kyritz, die mehrheitlich aber eben nicht aus Tschetschenien, sondern Afghanistan, Iran und Pakistan kommen. Hinzu kommen etwa 70 anerkannte Flüchtlinge, mit denen sie noch Kontakt habe, die aber nicht mehr in einem Wohnverbund leben. Und sie sprach von einer unbestimmten Anzahl solcher anerkannten Flüchtlinge aus dem Wohnverbund in Lögow bei Wusterhausen, aus Neustadt oder auch aus der bereits wieder geschlossenen Unterkunft in Karnzow, die nun in Kyritz eine Wohnung gefunden haben.

Flüchtlinge fühlen sich wohl und werden über Praktika integriert

„Für mich ist Kyritz zur zweiten Heimat geworden.“ Das habe Elke Krüger von einigen schon oft gehört, und dies zeige, wie wohl sich viele fühlen. „Sie sagen, es ist eben ruhig, und es gebe keine direkte Ausländerfeindlichkeit.“ Gemeint ist, dass Flüchtlingen zumindest auf der Straße keine größere Ablehnung entgegengebracht wird, was andernorts bekanntlich ganz anders aussieht.

Auch Praktikumsplätze konnten einigen vermittelt werden. Als Orte nannte Elke Krüger etwa das Hotelrestaurant Waldschlösschen, das Landhotel Heine, den Schönermarker Eselhof Mantik, die Personennahverkehrsgesellschaft und das Autohaus Rauhöft.

Als Ansprechpartnerin für die Praktika fungiert die städtische Integrationsbeauftragte Kornelia Diekers-Conraths. Sie verwies auch auf den Erfolg des Begegnungscafés und berichtete von einer Fahrt mit Flüchtlingen zum Bundestag. „Für eine erfolgreiche Integration gehört für mich die politische Bildung dazu“, sagte sie. Zugleich warnte sie vor „Falschmeldungen“, die in der Bevölkerung kursieren würden, wonach es Flüchtlingen besser gehe als Sozialhilfeempfängern. Zu diesem Thema sei derzeit eine Ausstellung in Arbeit, die aufklären soll.

Von Matthias Anke