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Rheinsberg Als die Angst die Seiten wechselte
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18:28 15.11.2019
Siegbert Schefke am Mittwochabend bei seinem Vortrag in Rheinsberg. Quelle: Andreas Vogel
Rheinsberg

Es war von Vorteil, dass Siegbert Schefke keine Höhenangst hat. Dann hätte der Diplom-Bauingenieur, der seit 1991 als Journalist für das MDR-Fernsehen arbeitet, im Herbst 1989 nicht der Überwachung durch die Aufpasser des DDR-Geheimdienstes, der Stasi, entweichen können. Und er hätte mit seinem Freund Aram Radomski nicht die geheimen Aufnahmen von der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig drehen können, als wohl 70.000 Menschen auf der Straße waren und Veränderungen in der siechenden DDR forderten.

Mit Zeitschaltuhren die Stasi ausgetrickst

Doch Schefke hat keine Höhenangst – und zudem eine Idee, wie er seine Bewacher austricksen könnte, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten, seitdem klar war, dass er zu den Mitbegründern der Umweltbibliothek in der Berliner Zionskirche gehörte.

Ging er zum Bäcker, hatte er einen Begleiter; ging er zu einer Freundin, wurde er bis zu deren Haustür verfolgt. Um dennoch unerkannt und mit der 7000 Westmark teuren Videokamera, die er über verdeckte Kontakte von Roland Jahn, seit 2011 Bundesbeauftragter für Unterlagen der Staatssicherheit, bekommen hatte, nach Leipzig zu fahren, hatte er zum einen Zeitschaltuhren an der Tischlampe im Wohn- und im Schlafzimmer installiert. Zum anderen wusste Schefke, dass er über eine Dachluke und dann über die Dächer bis zur Schönhauser Allee gelangen konnte. Dort wartete sein Freund Aram Radamski. Gemeinsam fuhren sie mit dem Trabant nach Leipzig.

Das Hochhaus am Bahnhof

Vor einer Woche, am 2. Oktober, waren sie schon einmal dort und hatten sich in die unzähligen Demonstranten auf dem Innenstadtring eingereiht, die friedlich demonstrierten. Doch als Siegbert Schefke vorsichtig aus einer Einkaufstüte die teure Videokamera auspackte, gab es viele scheele Blicke. Ist der etwa von der Stasi, schienen diese zu fragen. Also steckte er sie wieder vorsichtig ein.

Damit ihm das eine Woche später nicht wieder passiert, hatte er sich diesmal das gut 100 Meter hohe Hochhaus in der Nähe des Leipziger Hauptbahnhofes ausgesucht, um von dort aus, den Demonstrationszug zu filmen. Aber auch das gelang nicht. Ein Hausmeister warnte ihn, dass in wenigen Minuten Mitarbeiter der Stasi prüfen werden, ob sich hier jemand unberechtigterweise aufhält.

Niemand wusste, wie viele demonstrieren

Schefke und Radomski machten sich schnell aus dem Staub – und suchten nach einer neuen Möglichkeit, erste Aufnahmen von einer Leipziger Montagsdemonstration zu machen. Dabei half ihnen der Pfarrer der Reformierten Kirche in Leipzig. Das Gotteshaus steht in der Nähe des Innenstadtrings. Sie stiegen auf die oberste Plattform des Kirchturms, legten sich in den Taubendreck und warteten auf die Demonstranten.

„Niemand wusste, wie viele es diesmal sein würden“, sagt Schefke bei seinem Vortrag in Rheinsberg. Klar war nur, dass es diesmal wohl so viele wie noch nie sein würden, da das Friedensgebet nicht allein in der Nikolaikirche, sondern zeitgleich in vier anderen Kirchen stattfinden sollte. Schefke hatte deshalb mit Leipziger Freunden gerätselt, wie viele wohl diesmal auf die Straße gehen. 100.00? „Das war mir zu viel“, sagt Schefke. 50.000 aber zu wenig. Also einigte man sich auf 70.000 Menschen.

Nach der Montagsdemo kehren Schefke und Radomski mit dem Trabi zurück nach Berlin, übergaben dort die Videokassette. Schefke stieg über das Dach wieder unbemerkt in seine Wohnung ein. Dann begann das Warten. Sind die Aufnahmen trotz der Dunkelheit gelungen? Wann berichtet das ARD-Fernsehen? Es dauerte bis zu den Tagesthemen am 10. Oktober. Dann leitete Moderator Hanns Joachim Friedrichs den Beitrag mit den Worten ein. „Sie werden gleich unglaubliche Bilder aus Leipzig zu sehen bekommen.“ Die Aufnahmen hätte ein italienisches Kamerateam gedreht – eine Lüge, um die wahren Videoreporter zu schützen.

Das Buch von Siegbert Schefke „Als die Angst die Seiten wechselte“ ist im Transit-Verlag erschienen und kostet 16 Euro.

Rheinsberg, Vorstellung des Buches "Als die Angst die Seite wechselte", Die Macht der verbotenen Bilder, von Siegbert Schefke Quelle: Andreas Vogel

Von Andreas Vogel

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