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Rheinsberg Auf Amors Spur durchs Schloss Rheinsberg ist eine Zeitreise: verblüffend-charmant-pikant
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14:35 09.02.2020
Das Deckengemälde von Pesne im Spiegelsaal ist beeindruckend und Start der Reise auf Amors Spur. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Es geht um Beziehungen und Freundschaften, um Liebschaften und Liebhabereien – so stellt es der Schlossführer vorneweg und beginnt die Tour „Auf Amors Spuren durchs Schloss“ im Spiegelsaal, einem Schmuckstück von Schloss Rheinsberg, inspiriert vom französischen Rokoko. Über den Köpfen der zwei Dutzend Besucher spannt sich das Deckengemälde des Hofmalers Antoine Pesne, auf dem sich Aurora, die Göttin der Morgenröte räkelt, umgeben von Nymphen oder Nereiden, die den Morgentau ausgießen.

Daneben die Mondgöttin Luna, weiter die Liebesgöttin Venus, erkennbar am Morgenstern über dem Kopf und natürlich Amor, der Namensgeber der Tour, zumeist als nackt-draller Bengel dargestellt, der mit der Unschuld des Kindes seine Zauberpfeile verschießt: die goldenen, die Liebesfreud und Begehren wecken und die stumpfen bleiernen, die Leid und Hass erzeugen.

Der Muschelsaal zeigt die Vorliebe des Adels für Exotisches aus Übersee. Quelle: Regine Buddeke

Es geht also um Liebe: Das Schloss, so ist zu hören, war ein Hochzeitsgeschenk des Soldatenkönigs an seinen Ältesten, Kronprinz Friedrich. Streng genommen eine Bestechung, dass dieser überhaupt in die Ehe einwilligt. Für Friedrich waren die vier Rheinsberger Jahre indes seine glücklichsten, konnte er hier doch all das tun, was der strenge Vater stets verbot: Flöte spielen, französische und lateinische Bücher lesen, mit Philosophen und Dichtern debattieren.

Friedrich schenkte das Schloss seinem Bruder Heinrich – weniger aus Liebe, eher aus dem Zwang heraus, von Rheinsberg aus nicht regieren zu können. Auch Heinrich, ein kunstvernarrter Schöngeist, schuf sich in mehr als 50 Jahren im Schloss Rheinsberg seinen Musentempel. Und liebte in diesem nicht nur Theater und Musik sondern auch seine zahlreichen wechselnden Favoriten.

Illusion der Antike: Heinrich ließ sich sein Sehnsuchtsland Italien in Form von Bildern in sein Schloss bringen. Quelle: Regine Buddeke

Auch Heinrich habe für das Schloss heiraten müssen, erzählt der Tour-Guide. Allerdings sei er bei der Hochzeit gar nicht selbst dabeigewesen sondern habe einen Cousin als Vertreter geschickt – ein übliches Procedere zu dieser Zeit. Man nannte es Handschuh-Ehe. „Die Kette der Ehe für den Preis Freiheit in Rheinsberg, habe es Heinrich genannt.

Der Schlossführer führt durch die Räume und gibt immer wieder spannende Details zu Gemälden und Möbeln preis. Etwa warum die Damen damals so gern im Schäferin-Kostüm posierten: Man verkleidetet sich gern und hatte überdies ein Faible fürs einfache Landleben, das als unschuldig und frei von höfischen Intrigen galt.

Er erklärt, was es mit den Sitzbetten auf sich hatte: Offene Feuerstellen waren wegen des Kohlenmonoxids tückisch – mit dem hohen Lagern des Kopfes trickste man quasi den Tod aus.

Venus und Amor auf dem Deckengemälde von Pesne. Quelle: Regine Buddeke

Es geht in den Raum, in dem die letzte Bewohnerin des Schlosses lebte: Auguste, die illegitime Lebensabschnittsgefährtin von Prinz August. Es war eine sogenannte morganatische Ehe, „zur linken Hand“ geschlossen. Auch das nicht unüblich, sofern der Adelige mit seiner rechtmäßig Angetrauten bereits Nachwuchs hatte. Dann stand einer bigamistischen Liebesheirat nichts im Wege.

Warum die Kinder des Soldatenkönigs auf den Bildern in der Puderkammer des Prinzen Ferdinand alle gleich aussehen, so die Frage, die kaum einer zu stellen wage, schmunzelt der Guide. Ganz einfach: Es waren Werbebilder für den Heiratsmarkt. Wichtig sei die Ähnlichkeit zum Vorfahr, nicht wie Kind wirklich aussah. Kein einziges habe Modell gesessen für diese historischen „Profilbilder“.

Die Pracht im Schloss Rheinsberg ist in jedem Detail zu finden. Quelle: Regine Buddeke

Weiter geht es – man sieht die Gobelins, die Katharina die Große einst Heinrich schenkte. Die Etikette verlangte damals teure Gegengeschenke, daher reiste Heinrich oft inkognito als Graf, erfahren die neugierigen Besucher. Die Tour führt durch den prächtigen Muschelsaal, durch die lange Kammer mit einem ebenso langen Sofa: Ein Zweisitzer, ist zu hören. Gekicher. Nun ja, so breit wie die Röcke damals waren, ist das plausibel.

Man erfährt, warum Friedrich seine Briefe mit Remusberg statt Rheinsberg zeichnete, es geht ins Turmkabinett, vorbei an den Chinoiserien in Heinrichs Sommerwohnung, vorbei an seinem Renommier-Bett, in dem er nie schlief und am „echten“. Die Gäste staunen ein ums andere Mal ob der opulenten Pracht. „Das sieht man dem Schloss von außen gar nicht an“, sagt eine Besucherin beeindruckt.

Von Regine Buddeke

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