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Rheinsberg Die Cobblestones begeisterten zum dritten Mal in Köpernitz
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01:15 02.01.2019
Irish Folk vom Feinsten: Mit den Cobblestones im Kulturgutshaus Köpernitz. Quelle: Regine Buddeke
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Köpernitz

„Sláinte“ heißt das Zauberwort, das Motto und der Schlachtruf. Ein ums andere Mal schallt er aus hundert Kehlen, unter hocherhobenen Gläsern unterschiedlichsten Inhalts, angestimmt von den sympathischen Musikern auf der Bühne.

Die Cobblestones aus Berlin sind keine Unbekannten im Kulturgutshaus, zum dritten Mal hat Fördervereinschef Bernd Donner sie eingeladen. Er weiß, warum. Und die Gäste im rappelvollen Saal wissen es auch, am Freitagabend bei „Folk zwischen den Jahren“. Cobblestones – zu deutsch die Pflastersteine – sind Garanten für gute Laune, zuckende Füße, mitreißenden Irish Folk.

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„Ohrenspülung in der ersten Reihe

Das sind hier die Plätze für die Ohrenspülung“, warnt Martin Lendt, der Mann am Bass, die Zuschauer in der ersten Reihe, die direkt vor der Box sitzen. Denn leise wird es nicht, soviel ist gewiss. Gleich der erste Song haut ordentlich rein, animiert zu extremer Hand- und Beinarbeit – das klatscht und ruckt und zuckt und stampft – bei allerbester Stimmung.

„Wir kommen gern hierher – hier gibt es Bier“, ulkt Andy Macherauch, der wie seine Mitmusiker eine Kluft trägt, die man an irischen Pub-Betreibern erwartet: Weißes Bauernhemd mit Hosenträgern, Lederschürze, Lederkappe. Genauso zünftig ist auch die Musik – mit Spielwut und Herzblut lassen die vier, die dieses Jahr durch einen Drummer und eine Flötenspielerin verstärkt werden, nichts anbrennen.

Mit Witz und Schnauze

Mit Witz und Schnauze führen die vier Vollblutmusiker durchs furiose Programm, jodeln, juchzen, trillern und schmettern aus voller Seele – ein Loblied auf ungebremste Lebenslust, dem man sich in keiner Sekunde entziehen kann.

Zwei Songs, dann ist das erste „Sláinte“ dran. Das ist gälisch und bedeutet „Auf die Gesundheit“. Und es ist völlig egal, mit was man anstößt. Stimmt, Getränke stehen hoch im Kurs bei den vier Musikern, das hat sich seit dem letzten Mal nicht geändert. Ob Rotwein, Bier, Sekt oder Wasser – man lässt die Gläser heben und die Musik leben. Passt ja auch wunderbar zum Thema.

Es geht um Liebe, Heimat, Alkohol

Denn – so erfährt man – drei Themen umfasst das irisch-schottische Liedgut: Liebe, Heimat, Alkohol. Allen dreien wird im Laufe des Abends ordentlich zugesprochen. Etwa beim Lied des Soldaten, der eigentlich eine holde Maid rumkriegen wollte und stattdessen sein Pferd mit Hafer und Rotwein fütterte. Hä? Egal! Es geht ordentlich ab – mehr wird nicht erwartet.

Lieber laut als schön

Das nächste „Sláinte“ bringt die Luft zum Beben. „Es geht nicht um Schönheit, es geht um Lautstärke“, heizt einer der Musiker ein. „Das muss man bis nach Dublin hören.“ Die Stimmung ist bestens. Das ändert sich auch beim nächsten Lied nicht. „Zugelassen als irischer Fahrtauglichkeitstest“, ulkt Mandolinenmann Marcus Bernhardt. „Wer den Text fehlerfrei hinkriegt, darf die anderen nach Hause fahren, offeriert er den Zungenbrecher. Die vier Haudegen schlagen sich tapfer, man singt gern gemeinsam, laut, schnell.

Terese an der Tin Whistle

Terese an der Tin Whistle wird begrüßt. „Wir haben es selber oft probiert – aber sie kann es einfach besser“, ist zu hören. Martin Lendt kapert das Mikro, mit Wucht, Witz und Wehmut singt er das allbekannte „Dirty old town“, seine Kollegen stimmen mehrstimmig ein.

Der Saal macht mit, singend, klatschend, stampfend. Und schon ist der nächste „unangekündigte Vokabeltest“ dran. Stampfend und flirrend heizt die Musik ein, nur ab und an lässt eine Ballade das Tempo sinken und zur Ruhe kommen. Fast wie im Song „Let the Wind blow high, let the Wind blow low“ – der Song namens „Donald, where's your troosers“(Donald, wo sind deine Hosen) trifft den Kern der Sache und den Nerv der Zuhörer.

Sláinte – Prost – als Schlachtruf

Den der Musiker sowieso – in jeder einzelnen Note wird Lebenslust pur zelebriert. Das ist absolut ansteckend. „Ich möchte über einen Schnaps singen“, ruft einer nach dem nächsten Sláinte-Schlachtruf. Das Publikum lacht. „Die trinken zu viel und lachen zu laut“, beschwert sich ein Musiker scherzhaft über die fröhlichen Gäste. Weiter gehts, „Paddy Murphy“ mutiert zu orientalischen Klängen, findet aber immer wieder den Weg zurück zum Sound der grünen Insel. Bis zuletzt.

Von Regine Buddeke