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Rheinsberg Flotows Oper „Martha“ steht in Rheinsberg vor Premiere
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13:15 29.07.2019
Probe der Oper "Martha" bei der Kammeroper Rheinsberg. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Auf der schrägen Bühne des Rheinsberger Heckentheaters geht es derzeit hoch her. In den Hecken singen sich allabendlich die Sänger ein, während die Bühnenhelfer umherwuseln und die Szenerie aufbauen.

Zu Beginn spannt sich ein Tennisnetz und teilt die Bühne in zwei Hälften: Immerhin sollen sich dort gleich die Reichen und Schönen um Lady Harriet, deren Busenfreundin Nancy und den versnobten Lord Tristan tummeln.

Aber auch ohne den Direktbezug ist das bühnenteilende Tennisnetz eine feine Metapher: Geht es doch in Friedrich von Flotows romantisch-komischer Oper „Martha“ um Klassenunterschiede und Standesdünkel. Und außerdem lassen sich auch Dialoge und Duette ganz prima wie bei einem Tennismatch über ein Netz schmettern, schnippeln und antäuschen.

Angetäuscht wird in der „Martha“ so einiges: Wenn sich Harriet und Nancy als Mägde verkleiden, um der gähnenden Langeweile des adeligen Nichtstuns zu entkommen und sich womöglich einmal richtig zu verknallen.

Die Oper – 1847 uraufgeführt – ist eine eher selten gespielte – wenn auch derzeit wieder ein wenig im Kommen. „In Berlin gab es sie das letzte Mal in den 90ern“, weiß Regisseur Holger Potocki.

Und Hand aufs Herz – wer kennt denn „Martha“? Insofern ist sie nach Cimarosas „Gli Orazi e i Curiazi“ in dieser Saison bereits die zweite eher unbekannte Oper, die der künstlerische Direktor Georg Quander aufführen lässt. Warum keine Opern-Dauerbrenner?

Hier sehen Sie Impressionen des Ensembles aus der Probe. Die jungen Darsteller geben einen Einblick in die moderne Ausrichtung der Oper.

„Nur auf Nummer sicher zu gehen, aus Angst, sein Kernpublikum zu verlieren, funktioniert auf Dauer nicht“, weiß Regisseur Holger Potocki aus Erfahrung. „Man muss sich öffnen.“

Puccini, Verdi, Mozart gehen natürlich immer – werden aber in Berlin rauf- und runtergespielt. „Dafür fährt man nicht zwingend nach Rheinsberg. Wir wollen hier Werke zeigen, die nicht überall auf dem Spielplan stehen“, so Potocki.

Vital, jugendlich, lebendig

Insofern halte er Quanders Idee, Rheinsberg als Stätte für „Opernverrückte“ hochzuhalten, in der auch Kostbarkeiten wieder ans Tageslicht gebracht werden, für eine gute und spannende, die durchaus zur Marke werden könne.

„Statt die Spielplanklassiker rauszudonnern, lieber den Fokus auf Werke legen, die man sonst selten zu sehen bekommt.“ Klar sei da immer ein Risiko dabei. „Aber wer sich nicht aus dem Fenster lehnt, sieht auch nichts“, sagt Potocki.

Was ist nun das Besondere an der Rheinsberger „Martha“? „Wir wollen uns nicht an der biedermeierlich-verschwurbelten Sprache festhaken“, erzählt Holger Potocki. Zwar werde das Libretto nicht verändert, aber alles soll direkt und unverstellt auf die Bühne.

„Purer Zugriff auf die Handlung, Schnörkel auflösen und weg vom affektierten Spiel“, benennt es der Regisseur, der den Fokus der Oper auf „direkt, vital, jugendlich, lebendig“ legt. „Die Truppe ist sehr lebhaft – es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“

Mit Ironie gegen das Klischee

Die so gelobte Truppe sorgt auf den ersten Blick für ein kurzes Stutzen: Koreaner in Krachledernen und Chinesinnen im feschen Dirndl mit Bierbox in der Hand rauschen auf die Bühne. Bajuwarische Folklore? Waderlnstrumpf-klatschender Volkstümelei-Humor – dazu die deutschen Texte? Ist das nicht noch angestaubter als die Zeit, in der es spielt?

Wenn man genauer schaut, sieht man die Partyhütchen auf dem Kopf – als Ironie aufs Klischee. Das ist die Feierjugend von heute – im Oktoberfestlook. Und wer‘s nicht weiß: Die Oper spielt in England. Und ganz ehrlich: Der Mägde-Knechte-Chor macht richtig Spaß.

„Als ich die Oper in den Neunzigern sah, fand ich sie unglaublich verstaubt und zopfig-altbacken“, erklärt Holger Potocki. „Das wollen wir so nicht.“ Auch wenn es viele kunstvoll geflochtene Zöpfe bei den Sängerinnen gibt. „Man kann in dem Stoff eine schöne Liebesgeschichte entdecken – die vom Statusdenken fast zerstört wird. Das ist doch durchaus aktuell“, sagt Holger Potocki.

Schaffen es die Sänger, die deutschen Texte verständlich rüberzubringen? „Daran haben wir viel gearbeitet“, erklärt Florian Ludwig, der die musikalische Leitung innehat. Seine Frau, die Sopranistin Melanie Maennl, habe die internationalen Sänger gezielt daraufhin gecoacht.

„Man hört schon manchmal einen leichten Akzent“, so Ludwig. Aber man verstehe jeden Text. Überhaupt habe man viel an der Phrasierung gearbeitet. „Nur schön singen, ist langweilig. Man muss ja was über die Rampe bringen, die Leute fesseln. ‚Fade Liebelei‘ muss auch fade klingen“, ist Potocki überzeugt.

Französische Eleganz bei der Jungen Kammerphilharmonie

Auch die Junge Kammerphilharmonie Berlin, die bereits im Vorjahr beim „Freischütz“ überzeugte, wird frisch und jung spielen. „Nicht wagnerianisch – ein dickes Orchester kann auch schlank spielen“, betont es der Dirigent. Statt der Tuba etwa käme eine Ophicleide zum Einsatz, ein französisches Blechblasinstrument.

Von Flotow stehe für französische Eleganz. „Wir wollen schließlich keine Bierzelt-Atmosphäre schaffen“, so Ludwig. Ihm mache es richtig Spaß. „So ein Orchester habe ich selten erlebt. Ein junger, engagierter Haufen Musiker, die mit viel Spaß und Leidenschaft in die Musik eintauchen.“

„Wir spielen die Martha im Hier und Heute“, sagt Holger Potocki. Das bedürfe aber keiner Kunstgriffe. Die fantasievolle Bühnengestaltung – in der Ludwig und Potocki zum ersten Mal, aber mit großer Freude arbeiten – schaffe mühelos den Spagat zwischen den unterschiedlichen Lokationen.

Und was ist mit der Szene, wo die beiden Adeligen am Spinnrad sitzen? Ist das nicht doch wieder angestaubt? Potocki und Ludwig lächeln fein: „Wir haben natürlich Spinnräder. Und eine Umgebung geschaffen, wo Spinnräder zwingend hingehören“, heißt es geheimnisvoll. Man lebe ja inzwischen in einer Gesellschaft, die Handarbeit wieder wertschätzt.

Ist das Spiel in der Hecke eine Herausforderung? Schon, sagt Ludwig. Es gebe ja quasi keinen akustischen Raum. Mikros seien also zwingend. „Und das Orchester hat sich eine Wanne voll Autan gewünscht“, sagt er. Klar, wenn die Notenpultlämpchen im Dunkeln leuchten, sei das für die stechlustigen Insekten wie ein Magnet.

Opulente Vielseitigkeit

Glücklich sind alle über den Chor. „Der spielt für mich eine Hauptrolle“, schwärmt Potocki. Immerhin bestünde er ausnahmslos aus Solisten. „Am Anfang hatte ich davor Angst – keine Chorsänger. Das wird richtige Arbeit, da einen homogenen Chorklang zu bekommen“, sagt Chordirektor Justus Barleben, der so jung ist wie die Sänger selbst.

Auch Florian Ludwig hat Nachwuchs an seiner Seite: Orchesterdirigat-Studentin Maria Keller korrepetiert bei den Proben am Klavier und dirigiert auch. Bei zwei Aufführungen darf sie das Orchester leiten.

„Ich kenne das Stück inzwischen sehr gut – aber natürlich werde ich dann aufgeregt sein“, bekennt sie. Ansonsten sei es toll in Rheinsberg: Man lebt den ganzen Tag zusammen und arbeitet quasi rund um die Uhr – da lernt man unglaublich viel“, schwärmt sie über die Praxiserfahrung.

So vielseitig wie die Bühne sind auch die Kostüme. „Das wird ne Schlacht“, sagt Holger Potocki. Sogar der Chor müsse sich drei, vier Mal umziehen – ohne einen riesigen Stab Ankleiderinnen. „Eine Herausforderung“, weiß er und verspricht: „Es wird opulent.“

„Martha“ hat am Freitag, 2. August, um 19.30 Uhr Premiere im Heckentheater Schloss Rheinsberg. Weitere Aufführungen sind am 3., 4., 6., 7., 9., 10. und 11. August, jeweils um 19.30 Uhr (am 4. und 11. bereits um 18.30 Uhr). Tickets gibt es hier.

Von Regine Buddeke

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