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Rheinsberg „Grenzen aufheben“: Drei-Jahres-Projekt mit Präsentation beendet
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg „Grenzen aufheben“: Drei-Jahres-Projekt mit Präsentation beendet
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11:33 30.08.2019
Die Generation Selfie hat sich selbst lustig auf die Schippe genommen. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

„Grenzen aufheben“ heißt das Projekt. Zu Recht – in den vergangenen drei Jahren wurden viele Grenzen aufgehoben: die zwischen Alt und Jung, Profi und Amateur, zwischen Text und Musik, gewohnten und ungewohnten Klängen, Schule und Kunst. Finanziert wurde das Projekt vom Bund – in Rheinsberg wurde es am Donnerstag mit einer Abschlusspräsentation feierlich beendet.

Im Schlosstheater sitzen neben den vielen Akteuren auch etliche der maßgeblich Beteiligten: etwa Ulrike Schubach, Musiklehrerin am Schinkel-Gymnasium Neuruppin, Brigitte Kruse, „die gute Seele des Projekts“, wie der künstlerische Leiter der Musikkultur Rheinsberg, Georg Quander, über die einstige, langjährige Mitarbeiterin der Musikakademie sagt. Dazu Komponist Aurelien Bello und Librettistin Erika Otto, die mit den Gymnasiasten zwei Neue Opern erarbeitet haben.

Neun ehemalige Schüler des Schinkel-Gymnasiums, die 2017 bei „Narziss und Echo“ mitwirkten, singen den Sonnenchor, der im Projekt entstand. Quelle: Regine Buddeke

„Narziss und Echo“ war 2017 zu erleben,„Welche Welt“ 2018 – mehrere Monate haben die Schüler daran gearbeitet und Beeindruckendes auf die Bühne gebracht. Zwei kurze Filmsequenzen beider Produktionen demonstrieren das anschaulich. „‘Welche Welt‘ habe ich selbst erlebt – und war sehr beeindruckt, wie ihr Wege und Formen gefunden habt, auszudrücken, was euch bewegt.

Und das plastisch und sinnlich erfahrbar zu machen“, lobt Quander. Neun der damaligen Narziss-Akteure sind im Saal und singen noch einmal den Sonnenchor. Mit Hingabe – obwohl Neue Oper nicht unbedingt das ist, was jungen Leute heute hören.

Viel Emotion, viel Pantomime. Szene aus der Studi-WG. Quelle: Regine Buddeke

Felix Görg, Leiter der Musikakademie, ist ebenfalls im Saal. Er verliest ein Grußwort der Jugendbeauftragten des Ministeriums, Bettina Bundszus, die die persönliche Entwicklung der Projektakteure hervorhebt, Fantasie und Kreativität auszuleben und sich ein unbekanntes Musikgenre zu erschließen. Man müsse die Jugend nur ernst nehmen – dann bewege sie auch etwas.

„Am Anfang war ein leerer Raum, den es zu füllen galt“, erinnert sich Komponist Aurelien Bello und lobt die Schinkelschüler als sehr motiviert. Auch Librettistin Erika Otto ist voll des Lobes. Sie warf in der ersten Oper die Idee des antiken Mythos in den Raum und war selbst erstaunt, was die Schüler mit ihren eigenen Vorstellungen aus dem Stoff gemacht haben.

Projektbegleiter: Aurelien Bello und Erika Otto. Quelle: undefined

„Im zweiten Werk dann eine völlig andere Sprache. Ich war selbst überrascht, wie Jugendliche die Welt sehen – es war absolut einmalig“, ist sie hin und weg vom Arbeitsprozess. „Es ist absolut richtig: Man muss die Jugend ernst nehmen.“

Im Saal sitzen noch 14 weitere junge Leute – es sind die Teilnehmer der Sommerakademie in Rheinsberg, die das Projekt beenden. „Wir wollten eine kreativen Abschluss“, sagt Quander.

Die Idee zur Sommerakademie habe Felix Görg gehabt – nach den zwei Opern, deren Erarbeitung mehrere Monate gedauert hat, habe er sich gefragt: Geht das auch in drei Tagen? Und sich zwei Profis nach Rheinsberg geholt: Matthias Schlothfeldt, Professor für Musiktheorie und Frank Rohde, Lehramt Musik, von der Folkwang-Uni der Künste.

Matthias Schlothfeldt. Quelle: Regine Buddeke

„Ganz so unbesorgt waren wir nicht“, bekennt Schlothfeldt angesichts der knappen Zeit. Aber es sei gelungen. „Womöglich ein Weltrekord“, ist der Kompositionspädagoge stolz. In drei Tagen sei ein 30-Minuten-Bühnenstück mit Musik entstanden: sechs Szenen in einer Studi-WG. Komponiert, getextet, choreografiert, instrumentiert und gespielt von Studierenden verschiedenster Fachrichtungen.

Das wird vorgeführt. Herrlich, wie ein Akteur rein pantomimisch einen Bilderrahmen arrangiert und das Bild der Querflötistin dahinter drapiert.

Und das dann von allen anderen immer weiter verändert wird. „Zu statisch“, sagt der eine. „Zu unsexy“, der nächste. „Keine Emotionen“, meint eine dritte und zieht am Gesicht. „Mehr Drama“, will der nächste und verhüllt das Gesicht halb mit einem Tuch. Und immer so weiter, bis dem Bildmotiv am Ende schwindelig wird.

Ein Bild – viele Meinungen. Quelle: Regine Buddeke

Oder die Szene, wenn die Flötistin ganz wunderbar spielt und eine WG-Genossin das den anderen mitteilen möchte. Aber alle anderen trudeln in ihrer kleinen digitalen Welt umher - beim Konsolenzocken und Handydaddeln hört keiner die reale Welt.

Bis die Zuhörerin ein komisches Selfie von sich und der Musikerin macht und verschickt. Prompt werden alle aktiv. Aber nicht etwa, um zuzuhören. Nein. Ein Gruppenselfie wird nun gemacht. Eine schöne Idee – und absolut auf den Punkt gebracht umgesetzt. Knapp, ohne viel Schnickschnack, ohne ausufernde Dialoge. Dafür mit wunderbarer Gruppendynamik.

Die Sommerakademie-Teilnehmer in Aktion. Quelle: Regine Buddeke

„Hammer! In der kurzen Zeit. Und das von Studenten, die gar nichts mit Theater zu tun haben“, schwärmt Dozent Schlothfeldt am Ende der Präsentation. Das beweise, wie wichtig die Arbeit mit der Jugend ist. Und wie wichtig Projekte dieser Art.

Von Regine Buddeke

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