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Rheinsberg Helfer für die Kumreusen im Tortsee
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Helfer für die Kumreusen im Tortsee
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09:31 22.09.2018
Christian Wojatzek holt einen Marmorkarpfen aus dem Netz der Kumreuse, die er im Tortsee regelmäßig kontrolliert. Quelle: Cornelia Felsch
Großzerlang

Wieder einmal ist Christian Wojatzek ehrenamtlich mit seinen Helfern unterwegs, um die Kumreusen im Tortsee zu kontrollieren. Wöchentlich fährt er viele Kilometer von Wittstock zu dem 10 Hektar großen Gewässer bei Großzerlang, nördlich von Rheinsberg. Mit dabei sind diesmal auch Andreas Sidow von der Unteren Fischereibehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin und der Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land, Mario Schrumpf.

Die drei Kähne steuern die erste von zwei Kumreusen an, die dort im Oktober vergangenen Jahres aufgestellt wurden. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn der Uferbereich des Sees fällt steil ab. „Mit den Kumreusen lassen sich große Mengen Fische in kurzer Zeit fangen“, sagt Andreas Sidow. An diesem Morgen sind allerdings nur ein Karpfen, ein Hecht, Barsche, Schleie und etliche Weißfische in das Netz gegangen. Barsche und Hechte werden zurück gesetzt, der Marmorkarpfen ist für die Männer von besonderem Interesse.

Drei der ursprünglich aus Asien stammenden Karpfen hat der Wittstocker an diesem Tag aus den Reusen geholt. Quelle: Cornelia Felsch

Die ursprünglich aus Asien stammenden Fische, die seit dem 10. Jahrhundert in China künstlich eingesetzt wurden, sind heute auch in Europa weit verbreitet. Zu DDR-Zeiten wurden sie in einigen ostdeutschen Gewässern ausgesetzt. Wie viele von diesem Bestand noch übrig sind, weiß niemand so recht. Marmorkarpfen benötigen zum Laichen Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad Celsius, sowie trübes, sauerstoffreiches Wasser. Das Weibchen gibt bis zu 100 000 Eier in Bereichen mit starker Strömung über kiesigen Untergründen ab. Die Jungfische treiben dann mit der Strömung flussabwärts und verbleiben in Auen und flachen Uferbereichen.

„Nach unseren Informationen pflanzen sich Marmorkarpfen in Mitteleuropa nicht natürlich fort“, sagt Andreas Sidow. „Die Fische, die wir hier vorfinden, haben also alle bereits ein beträchtliches Alter von etwa 30 Jahren.“ Das trifft auch auf die nahen verwandten Silberkarpfen zu, die Christian Wojatzek häufig in den Reusen findet und die sich ebenfalls in unseren Gewässern nicht vermehren. Anders als Graskarpfen, die zu DDR-Zeiten zur biologischen Entkrautung in Meliorations-Gräben ausgesetzt wurden, ernähren sich Marmor- und Silberkarpfen von Plankton, das sie aus dem Wasser herausfiltern.

Christian Wojatzek reicht seinem Helfer einen Karpfen. Allein würde er die aufwendige Arbeit an den Kumreusen nicht schaffen. Quelle: Cornelia Felsch

Während der Marmorkarpfen sich von Insekten, Würmern sowie Algen ernährt und grobere Schwebstoffe heraus filtert, verschwindet im Maul des Silberkarpfens feinstes pflanzliches Plankton mit einer Partikelgröße von weniger als 0,1 Millimeter. Mit seinem Kiemenreusenapparat filtert er es aus dem Wasser. Drei dieser 70 bis 80 Zentimeter großen Fische holt Christian Wojatzek an diesem Tag aus den zwei Kumreusen und einem Stellnetz, das er zusätzlich im Tortsee aufgestellt hat. Seit Christian Wojatzek auf dem See unterwegs ist, hat er über 2100 Kilogramm Fische aus den Kumreusen geholt.

Doch damit ist seine ehrenamtliche Arbeit nicht getan, denn die Reusen müssen auch regelmäßig gereinigt werden. „Seit wir die Kumreusen im April wieder aufgestellt haben, sind wir zweimal zum Reinigen rausgefahren. Das ist eine notwendige Arbeit. Denn wenn die Reusen verschmutzt sind, dann sind sie für die Fische wie eine Wand, die sie davon abhält, in die Reuse zu schwimmen“, sagt der Wittstocker Angler, der als Fischereiaufseher unterwegs ist und mehrere Zusatzausbildungen absolviert hat.

Unter anderem einen Lehrgang zur Elektrofischerei sowie über 100 Unterrichtsstunden, um in einem Sonderlehrgang den Fischereischein für Berufsfischer zu erwerben. Zu diesem Lehrgang wurde er vom Landesanglerverband delegiert.

Um die Kumreusen aus dem Wasser zu ziehen und die Fische daraus zu befreien, sind viele helfende Hände nötig. Quelle: Cornelia Felsch

Ein Unfall war Schuld daran, dass Christian Wojatzek nicht mehr als Maurer arbeiten kann. Nun widmet er seine Freizeit dem artgerechten Fischfang, der zu einer Leidenschaft geworden ist, die auch seine Frau mit ihm teilt. Sie ist oft dabei – so wie auch sein Onkel und sein russischer Freund – wenn er im Auftrag der Fischereibehörde Netze oder Angler kontrolliert. „Wir sind ein festes Team“, sagt er. „Besonders wichtig ist für mich aber auch die Unterstützung durch den Landesanglerverband und den Fischer Oliver Wimmer, der diesen See bewirtschaftet“, sagt Christian Wojatzek.

Sowohl Andreas Sidow als auch Mario Schrumpf vom Naturpark sind froh über den zuverlässigen 35-Jährigen, der sich mit Fischhege, Gewässerschutz, Bewirtschaftung und Rechtsvorschriften auskennt. „Ohne ihn könnten wir dieses Projekt gar nicht realisieren“, sagt Andreas Sidow. „Die Arbeit ist sehr aufwendig und zeitintensiv.“

Christian Wojatzek betreut mit Freunden die Kumreusen Quelle: Cornelia Felsch

Auch für den Naturpark, der das Kumreusenprojekt unterstützt, ist die ehrenamtliche Arbeit des Wittstockers ein Segen. Die Konstruktion der bisher an den Küsten verwendeten Reusen bewahrt Fischotter davor, in den Fanggeräten zu verenden. Da die speziellen Reusen oben offen sind, kann der Fischotter gefahrlos wieder aussteigen, wenn er angelockt von den Fischen, den schmalen Ausgang aus der Fangkammer nicht mehr findet

Von Cornelia Felsch

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