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Rheinsberg Kammmersymphonie Berlin begeistert in Rheinsberg
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00:19 04.01.2019
Jürgen Bruns und seine Kammersymphonie Berlin gastiert schon seit Jahren zum Silvesterauftaktkonzert in Rheinsberg. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Still und leise, langsam und zärtlich, rieselt Dvoraks Notturno in die Stille des Rheinsberger Schlosstheaters, während draußen schon jede Menge Böller und Raketen krachend in die Lüfte steigen und die Party für den Silvesterabend vorbereitet wird. Es ist ein Stück zum Besinnen, für die Rückschau – die Ruhe vor dem Sturm, bevor das alte Jahr lautstark verabschiedet wird. Ein Stück wie fallender Schnee. Welch wunderbare Tradition. Seit Jahren schon begeistert die Kammersymphonie Berlin das Publikum am Silvesternachmittag mit einem Streichkonzert. Und der Saal ist wie stets voll bis zum letzten Platz.

Dem Dvorak folgt ein quirlig schönes Mozart-Divertimento – der Komponist schrieb es mit 16 Jahren. Dann der Schatzwalzer von Johann Strauß Sohn – filigran und wunderbar pointiert. Er versetzt in die richtige Stimmung zum folgenden Silvesterball. Mal zart, mal kraftvoll, verschmelzen die Stimmen der Streicher zu einem Klangteppich. „Es ist dem Anlass entsprechend ein gefälliges Konzert“, lässt Dirigent Jürgen Bruns wissen.

Konzentrierte in der Musik aufgehen: Cello und Bratsche. Quelle: Regine Buddeke

Denn eigentlich sieht sich das 1991 von seinem charismatischen Leiter gegründete Ensemble weitgehend selten gespielten und vergessenen Kompositionen verpflichtet – ebenso den von den Nationalsozialisten verfemten und verbotenen Stücken – nicht nur Bücher wurden in dieser dunklen Zeit verbrannt. Uraufführungen sind also ständiger Begleiter des Ensembles aus Berlin. Auch am Silvesterabend gibt es eine zu hören. Nun ja, nicht ganz – der erste Teil des „Orientexpress“ – viele im Saal können sich daran erinnern – wurde bereits im Vorjahr gespielt.

„Sie sind mutig“, sagt Bruns und erzählt etwas zum „Orientexpress“ des serbischen Komponisten Marko Muni Mihevc. Man habe das Stück bereits 2017 in Auftrag gegeben – leider sei es da noch nicht fertig geworden. „Sie wissen ja, wie es bei der Bahn so ist“, scherzt er über die Verspätung. Man habe 14 Minuten bei Mihevc bestellt – „die haben aber nur bis Ljubljana gereicht.“ Daher wird 2018 nun das komplette Stück gespielt – Bruns erklärt die Stationen des legendären Zuges, bevor seine Musiker den Express zur Abfahrt und zum Klingen bringen. Ein Montmartre-Walzer lässt Paris erblühen, hier geht es los. Cello und Bass lassen das Stampfen und Rattern der Räder auf den Gleisen plastisch werden, während Geigen und Bratschen den Wind pfeifen und den Zug rasend schnell um die Kurven fliegen lassen.

Der Kontrabass lässt den Orient-Express über die Gleise rattern. Quelle: Regine Buddeke

Auch Jürgen Bruns hebt nahezu ab – es ist eine Freude zuzusehen, wie er mit fliegenden Händen und vollem Körpereinsatz mit der Musik mitfiebert. Manchmal scheint er mit dem Taktstock seine Musiker fast aufzuspießen, so voll und ganz ist er bei der Sache – in einem energetisch-eleganten Tanz mit dem Dirigentenstab.

Weiter geht es nach Venedig – nicht jeder wusste bisher, dass das allbekannte „Mein Hut der hat drei Ecken“ ein Liedchen des Karnevals von Venedig ist und das gute Stück sehr vielfältig zu variieren und verzieren geht. Leise gleitend schwebt eine Gondel durch die Canalettos, bevor der Zug sich wieder stampfend in Bewegung setzt – weiter geht es nach Slowenien. Dann ein Krainer Klopftanz, die Musiker stampfen ordentlich dazu. Ein Traum des Komponisten über eine Treffen mit Mozart auf dem Friedhof wird zum Motiv „Rose im Schnee“, ein Fiaker-Gulasch-Walzer beschreibt eine Szene in einem Wiener Heurigen-Lokal und einem um Essen bettelnden Hund.

Jürgen Bruns hat die Kammersymphonie 1991 gegründet. Quelle: Regine Buddeke

Betteln tut auch die Zigeunerin im Express, die ohne Fahrkarte unterwegs ist. „Wenn die Bratschen weinen, wissen Sie, was Sache ist“, hat es Bruns im Vorfeld erklärt. Man ist mittlerweile in Ungarn und der Schaffner – so Bruns – habe sich angesichts der rasant aufspielenden Zigeunerkapelle erweichen lassen. Musik ist eben immer eine gute Idee. Immer wilder spielt die Musik, Bulgarien fliegt vorbei, bis die Musik orientalischen Klangfarben bekommt. Der Orientexpress rauscht in Istanbul ein. Endstation. Und rauschender Applaus für dieses furiose Stück Musik. Jetzt stampfen die Zuhörer. Und bekommen als Sahnehäubchen mit der virtuos gezirpten „Pizzicato-Polka“ noch ein wenig Strauß auf die Ohren. „Kommen Sie nächstes Jahr gerne wieder“, lädt Jürgen Bruns die Zuhörer ein.

Sternstunde im Schlosstheater: Das Silvesterkonzert Rheinsberg fand vor vollem Saal statt. Quelle: Regine Buddeke

„Eine tolle Idee, solch eine Reise durch Europa mit der landestypischen Musik darzustellen. Und hervorragend interpretiert“, schwärmt Bernd Donner über den „Orientexpress“. Sein Sitznachbar, ein ehemaliger Lokführer, sei hin und weg und wieder im Beruf gewesen.

Von Regine Buddeke

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