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Rheinsberg Manfred Zoller Ausstellung im Tucholsky-Museum eröffnet
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Manfred Zoller Ausstellung im Tucholsky-Museum eröffnet
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00:21 30.01.2019
Zur Vernissage von Manfred Zoller im Tucholsky-Literaturmuseum Rheinsberg kamen rund 40 Gäste. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Die Wirkung ist berückend: Aus einem fleckig-bröseligen, mit der Schere tief eingeschnittenem Stück Wellpappe wird auf einmal ein weißer Kalksteinfelsen, der steil aus dem Meer ragt, das aus schwarzblau bestrichenen Papierfetzen besteht. Ganz oben reckt sich eine Ruinenstätte aus antiken Säulen in den tiefblauen Himmel – beim näheren Hinschauen entpuppt sie sich als aufgeklebtes Foto. Vier weiße Fäden spannen sich quer über den Objektrahmen, an einem schwebt eine gefaltete Papiermöwe aus dem idyllischen Bild.

„Das ist ja schön – und so eine spannende Technik“, lobt eine Frau, die fast in das Werk hineinzukriechen scheint. „Bella Isola“ – schöne Insel – heißt die Assemblage von Manfred Zoller – eine von vielen, die seit Samstag im Rheinsberger Tucholsky-Literaturmuseum gezeigt werden.

Manfred Zoller (l.) im Gespräch mit Peter Böthig bei der Vernissage Manfred Zoller im Tucholsky-Literaturmuseum Rheinsberg Quelle: Regine Buddeke

Rund 40 Besucher sind zur Vernissage des Künstlers gekommen, der seine Karriere einst als Mediziner startete und viele Jahre am Anatomischen Institut Rostock arbeitete. Nebenher hat er jedoch stets gezeichnet, wurde später Meisterschüler bei Gerhard Kettner an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, an der er Mitte der Achtziger als Leiter der Abteilung für Künstleranatomie lehrte. 1979 wurde er im Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen, 1993 zum Professor für Morphologie/Anatomie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee berufen. Dazu kommen diverse Gastprofessuren.

Es begann früh mit Collagen

Die Medizin und die Kunst – diese zwei auf den ersten Blick grundverschiedenen Disziplinen – versucht Zoller zeitlebens zu vereinen. Vor allem in seinen Assemblagen. „Ich habe sehr früh mit Collagen angefangen“, erzählt er. Meist, um eine Bildidee für seine Malerei zu finden oder um die Komposition zu stabilisieren. „Immer wenn ich Papier und Pappe ausgelegt habe, hat sich eine Räumlichkeit gezeigt –mal stand das Papier hier ab und warf Schatten, mal wurde ein Knick plastisch.“ Die Dreidimensionalität hat es ihm angetan.

Wenn er dann die Glasplatte über die Collage legte, war es jedoch damit vorbei. Zoller begann, statt der Wechselrahmen mit Objektkästen zu arbeiten. Statt der zweidimensionalen Collagen schuf er nun dreidimensionale Assemblagen.

“Bella Isola“ – eine Assemblage. Quelle: Regine Buddeke

„Da begann eine neue Welt für mich“, schwärmt er rückblickend. Auch mit seinen Studenten habe er das Thema aufgegriffen und mit ihnen aus Papier und Pappe Anatomiemodelle geschaffen: Von Gelenken, Ohren, Augen und mehr. „Damit habe ich Anatomie begreifbar gemacht“, sagt er. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und die Studenten hätten bei dieser Art Arbeit nicht nur Anatomie und Funktionsweise des menschlichen Körpers durchs Selbermachen gelernt, sondern auch das Gestalten.

„Positive Verstärkung für diese Technik erhielt ich von Gottlieb Leinz vom Lehmbruck-Museum.“ Der wollte seinerzeit unbedingt Zollers ’Kleines Tier’ fürs Museum kaufen, sagt der 71-Jährige – stolz darauf, dass sein Werk im bedeutendsten deutschen Bildhauereimuseum ausgestellt ist. „Die Assemblage ist meine Welt – absolut“, sagt Manfred Zoller, der in seiner Schau in Rheinsberg aber auch Malerei ausstellt.

“Paralympics“ Quelle: Regine Buddeke

„Es ist nicht ganz einfach, über seine Kunst zu sprechen“, sagt Museumsleiter Peter Böthig. „Als Künstler vertritt er das ganzheitliche Konzept von Wissenschaft und Kunst, von Ratio und Emotion – wie es in der Renaissance üblich war.“ Das sei eine faszinierende Idee. Er habe die Anatomie-Modelle gesehen und sei begeistert gewesen von der Verbindung des Analytischem mit dem Ästhetischen.

Auch Laudatorin Anita Kühnel ist voll des Lobes: „Als Autodidakt hat er sich bis zur Professionalität gemalt und seiner wahren Berufung genähert“, sagt sie und bezeichnet Zollers Werk als eines mit vielen Schubladen, die alle miteinander verzahnt seien. Sie schwärmt von den dunklen Gründen der Bilder, die zum Farbauftrag provozieren. Er helle die Bilder durch die Farben auf, breche, patiniere und übermale neu – oft aller Gegenstände entledigt. Außer bei den Darstellungen der Paralympics – einige der wenigen figürlichen Malereien.

Manfred Zoller (l.) im Gespräch mit dem Rheinsberger Tony Torrilhon – auch er Mediziner und Künstler – bei der Vernissage im Tucholsky-Literaturmuseum Rheinsberg Quelle: Regine Buddeke

Über die Assemblagen sagt sie „Der Atem des Unmittelbaren – wenn man die eben noch gerissenen und zerschnittenen Papierfetzen sieht.“ Es sei die ungebremste Lust am Spontanen, der Entdeckungszug auf der Fläche mit intellektuellen Bonmots sowie hintergründigem Charme und Witz.“

Letzteres offenbart sich in der Assemblage mit dem Namen „Ohne Titel“. Viele der Vernissagebesucher versuchen, sie zu deuten. Verblüffend vielfältig. Das erste, was man sieht, ist schwarz-rot-gold. Doch schon die im Doppelpack zusammengeklebten Papphülsen geben Rätsel auf. „Klopapier-Rollen“, sagt einer kichernd. „Ferngläser“, ein anderer. Auch die „Fliegen des Jean Paul“ offenbaren Witz. Der große und auch exzentrische Dichter habe für die Frösche, die er hielt, extra Fliegen gezüchtet, verrät der Bergfelder Künstler mit Augenzwinkern.

“Ohne Titel“. Quelle: Regine Buddeke

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. März im Rheinsberger Literaturmuseum zu sehen (Dienstag–Sonntag von 10-12.30 Uhr und 13-16 Uhr).

Von Regine Buddeke

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