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Rheinsberg Proben für Kindermusical Bootcamp laufen auf Hochtouren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Proben für Kindermusical Bootcamp laufen auf Hochtouren
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12:41 29.11.2019
Angeline Fiedler probt mit den Kindern den Monster-Tanz. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Keine Feuchttücher? Was für ein Luxusproblem! Feucht wird es zwar – um nicht zu sagen nass – aber so nass, dass es existenziell ist. Und sich die Frage nach Feuchttüchern nicht mehr stellt.

Das neue Kindermusical, an dem derzeit heiß gearbeitet wird, heißt „Boot Camp“. Bereits das vierte Wochenende sind die 30 Mädchen und Jungen aus Rheinsberg – zu denen noch 20 Berliner stoßen – am Proben der 23 Songs und der vielen anspruchsvollen Choreografien, die das bewährte Trio um den Regisseur Stefan Labenz, den Komponisten und Texter Michael Wudick und die Choreografin Angelina Fiedler aus dem Thema gemeißelt haben.

Aufmerksamer Blick: Sitzt alles? Quelle: Regine Buddeke

Boot Camp hat – wie die vielen erfolgreichen Vorgängerproduktionen auch – eine gesellschaftsrelevante Botschaft. Es geht um Jugendliche, die aus dem sozialen System zu fliegen drohen. Schwererziehbare, die als letzter Rettungsanker von ihren Eltern in ein Camp nach Thailand geschickt werden.

Es geht um Cliquen und um Anführer; um reich und arm. Schlussendlich auch um das, was im Leben wichtig ist. Es geht aber auch um die Umwelt.

Plastikdörfer in Thailand

„In Thailand gibt es Dörfer, in denen die Häuser aus Plastikflaschen gebaut werden“, erzählt Stefan Labenz. Das will er im Musical aufgreifen. „Alle am Musical Beteiligten schreiben als Selbsterfahrung ein Plastiktagebuch“, erzählt er – sprich: „Die Kinder sollen ihren eigenen Plastik-Konsum reflektieren.“ Eine Meta-Ebene zum Thema, die parallel zu den Proben läuft. Man sammle bereits eifrig Plastikflaschen – das Ziel ist ein recyceltes Bühnenbild.

Das Schöne am diesjährigen Musical sei, so Labenz, nicht nur der pädagogische Ansatz, sondern vor allem: „Kinder spielen Kinder. Alle Erwachsenen sind diesmal nur Projektion“, erklärt der Regisseur, der mit seinem Trio seit vielen Jahren in Rheinsberg – Hand in Hand mit dem Kijumu-Verein – das Musical auf die Beine stellt.

Er sei vom Kultroman „Herr der Fliegen“ inspiriert worden. An „Boot Camp“ reizt ihn der Kontrast der Welten, die da aufeinanderprallen.

Nasse Sache im trockenen Raum: Regisseur Stefan Labenz probt die Hochwasserszene. Quelle: Regine Buddeke

Etwa Brunch, die Influencerin. „Es geht bei den Kids ja fast nur noch um Likes und Klicks – das wollen wir thematisieren. Dass es eben nicht nur um mich und meine Selbstdarstellung geht.“ Eine Welt voller Äußerlichkeiten, die aber, wenn es an die nackte Existenz geht, kein Stückchen Rettung bieten kann.

Da gehe es um ganz andere, elementare Werte: Zusammenhalt, Gemeinschaftsgeist, Verantwortung. Das muss auch Brunch bitter lernen – die statt wie früher coole Make-up-Clips zu posten nun zur Hochform bei der Organisation des Plastikdorfs aufläuft. Wenn es um die nackte Existenz geht, verschiebe sich vieles im Denken und Tun.

Stefan Labenz hat sich im Musical tief in die Welt der Kids hineinbegeben. Er setzt auf Jugendsprache. „Ich habe als Lehrer die Kids ja Tag für Tag um mich und komme trotzdem nicht mehr mit.“ Immer wieder müsse er sich anhören: „Herr Labenz, das sagt man so heute nicht mehr.“ Er müsse sich vieles übersetzen lassen. „Deshalb will ich die ersten fünf Minuten Chaos schaffen. So dass alle, die über 18 sind nicht verstehen, was Sache ist“, schmunzelt der Regisseur. Und trotz des unbequemen Themas würde „Boot Camp“ bersten vor „tollen Choreos, toller Musik, ganz viel Tempo und jede Menge Komik.“

Jeder hat eine passende Rolle bekommen

Jeder, der für eine der Sprechrollen gecastet wurde, hat eine Rolle bekommen. Mit Jaimy-Lee Hille und Carlotta Weidauer habe man auf langjährig erprobte „alte Musical-Hasen“ gesetzt. Dazu kommen kampferprobte Labenz-Schüler aus dessen Berliner Schule. „Das ist ein tolles Arbeiten – die machen alles mit. Wie Profis.“

„Wenn man Regen ins Gesicht bekommt, was macht man da? Genau das will ich sehen“, spornt Labenz seine Truppe an, die gerade an einer Szene feilt. „Milan, du fällst ins Wasser. Ich will deine Arme sehen – und Kampf. Und die Angst in seinen Augen.“

Victor Krahmer versucht es. Gar nicht so einfach, wenn man auf einem Stuhl im trockenen Schulzimmer steht. Denn noch wird nicht im Schlosstheater geprobt. Das kommt erst ganz zum Schluss – bis dahin ist noch einiges zu tun.

Victor Krahmer ist ins Wasser gefallen. Und wird gerettet. Quelle: Regine Buddeke

Victor mag seine Rolle: „ich bin im Stück ein richtiger Schisser“, sagt er. Das sei toll: „Ich darf immer schreiend von der Bühne laufen.“ Für den Fünftklässler, der sich seit vier Jahren von einer damals fast stummen Rolle zu einer umfangreichen Sprechrolle emporgearbeitet hat, ein Hauptspaß. Die Schwierigkeit beim Sturz in Wasser. „Dass es klasse aussieht – aber nicht wehtut“, sagt er.

Drei Stockwerke tiefer probt Angelina Fiedler mit einem Dutzend Mädels den Monster-Tanz. „Stellt euch vor, ihr sitzt am Lagerfeuer und hört Gruselgeschichten. Es knackt – ich will sehen, wie gespannt ihr seid.“

Gefeilt wird an Körperspannung, Gestik, Mimik. An der Bewegung und an der Synchronität. Alles muss bis auf den Punkt sitzen. Die Mädchen wachsen an der Aufgabe. Auch Marla Miller und Nele Weidner – die beiden Elfjährigen sind schon versierte Darsteller und spielen größere Rollen. „Die Tänze sind zum Teil ganz schön schwierig“, betonen beide. „Aber die Lieder sind cool“, schwärmt Nele.

Marla Miller und Nele Weidner probieren die noch ohrlosen Affenkappen auf. Quelle: Regine Buddeke

Die Kostüme fertigt wieder Sigrid Herfurth, an denen wird noch gearbeitet. Wie immer agieren die Kinder nicht nur auf der Bühne sondern auch dahinter: im Orchestergraben, an Licht und Technik, sie basteln am Bühnenbild und an den Kostümen mit – eine berufsvorbereitende Projektphase, welche die DGB-Jugendbildungsstätte Flecken Zechlin unterstützt.

Weitere Förderer des mittlerweile 18. Musicalprojekts sind die Musikkultur Rheinsberg und Kijumu, der rührige Kinder- und Jugendmusik-Förderverein Rheinsberg.Und auch Stefan Labenz’ Schule, das Berliner Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium ist seit Jahren mit im Boot.

Premiere ist am 10. Januar um 19 Uhr

Das KindermusicalBootcamp“ hat am Freitag, 10. Januar, um 19 Uhr im Rheinsberger Schlosstheater Premiere. Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 11. Januar, um 14.30 und 18.30 Uhr sowie am Montag, 13. Januar, um 9.30 und um 13 Uhr. Karten kann man ab 2. Dezember unter der Telefonnummer 033931/3 49 40 bestellen oder in der Rheinberger Tourist-Info kaufen.

Von Regine Buddeke

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