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Rheinsberg Rathausbaustelle: „Das war Krieg“
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19:08 05.06.2018
Peter Köster (vorne) beim Richtfest für das neue Rheinsberger Rathaus Rheinsberg im Jahr 2015. Mit dabei ist der damalige Bürgermeister Jan-Pieter Rau. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Seine bisherige Befragung durch die Rheinsberger Stadtverordneten hinter verschlossenen Türen sei „mehr eine Vorladung als ein Gespräch“ gewesen, sagte Peter Köster im Hauptausschuss am Montagabend vor mehreren Dutzend Zuschauern.

Dabei sei es bei der versuchten Aufklärung rund um die Pro­blembaustelle des neuen Rathauses nur um Nebensächliches gegangen, wie die Einlagerung der Möbel. Nicht aber um Kosten, Termine und Mängel des Gesamtprojektes, um die viele Gerüchte kursieren, kritisierte der Architekt. Er wolle das nachholen.

Reine Baukosten kaum gestiegen

„Es ist Blödsinn, dass sich die reinen Baukosten verdoppelt haben sollen.“ Denn diese seien in der Zeit von 2012 bis Oktober 2017 von 4,2 auf 4,5 Millionen Euro, also nur um etwa 262 000 Euro gestiegen. Diese Erhöhung sei angesichts der Bauzeit und der Preissteigerungen in der Baubranche eher als ein Plus denn als ein Minus zu deuten, so Köster.

Dass das Projekt am Ende deutlich teurer werden könnte, liege vor allem an zusätzlichen Wünschen der Kommune oder an Schäden, die durch Baufirmen entstanden sind. Damit habe sein Büro allerdings nichts zu tun. Die problematischen Unternehmen, die „eine riesige Sauerei hinterlassen haben“, seien gegen seine Empfehlung von der Stadt beauftragt worden. Er habe die Kommune und die Projektsteuerung monatelang „gedrängelt und gebettelt“ diese loszuwerden.

Zu den Gesamtkosten gehören viele Posten

Köster räumte ein, dass das Projekt am Ende vielleicht dennoch deutlich teurer werden könnte als geplant. Im Moment geht die Verwaltung von 8,3 Millionen Euro aus. Auf die Gesamtsumme komme man, wenn man Honorare, Möbel, Brandschutz oder Statik dazurechne, ergänzte Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow.

Viele Gründe für Verzögerungen

Bei den Terminen habe sich ebenfalls nur wenig verändert, so Köster. Er sei die ganze Zeit davon ausgegangen, dass das Projekt wie 2013 geplant 2018 beendet wird. Auch wenn das Rathaus unter Schwochows Vorgänger Jan-Pieter Rau lange kommuniziert habe, dass das Bürgerzentrum 2017 fertig wird. Hinzu kam, dass es etliche Gründe für Verzögerungen gegeben habe: durch Finanzierung, durch Überlegungen zum Einbau einer Polizeiwache, durch etliche spät geäußerte Änderungswünsche und Probleme mit drei Bauunternehmen.

Stadt habe sich aus dem Projekt komplett zurückgezogen

Hinzu kam, dass die Stadt sich aus dem Projekt vor Jahren komplett zurückgezogen, seine Anfragen ignoriert und die Steuerung mehrfach gewechselt habe. Das habe Zeit gekostet. Dass seine Arbeitsniederlegung im Oktober wegen der Streitigkeiten mit der Stadt für großen Verzug gesorgt habe, stimme aber nicht. Sein Büro habe bewusst eine Zeit ausgewählt, in der kaum gebaut worden wäre – auch weil die Stadt Probleme mit der Finanzierung des Vorhabens hatte.

Mitte 2019 fertig – aber nur ohne weitere Hindernisse

Köster geht dennoch davon aus, dass der Bau Mitte 2019 fertiggestellt werden kann – aber nur, wenn nichts mehr dazwischen kommt. Im Moment laufen die Bauarbeiten weiter, obwohl die Stadtverordneten einen Baustopp verhängt haben, um die multiplen Probleme auf der Baustelle aufzuklären (die MAZ berichtete).

Stadtverordnete fühlen sich schlecht informiert

Über all die Probleme hätte Köster die Stadtverordneten unterrichten müssen, sagte Björn Plazikowski (CDU). Auch Jörg Möller (SPD) wunderte sich, dass noch im März 2017 die Situation auf der Baustelle als „Friede, Freude, Eierkuchen“ dargestellt worden sei. „Ich weiß nicht, ob wir als Stadtverordnete bewusst belogen wurden.“

Er habe sich nicht getraut, der Stadt als Auftraggeber in den Rücken zu fallen, gab Köster zu. „Erwarten Sie nicht von einem Architekten, dass er sich in die Politik einmischt.“ Zumal er in den vergangenen drei Jahren das Gefühl hatte, das man sein Büro loswerden will. „Es war keine Zusammenarbeit, es war Krieg.“

CDU und SDP pochen auf weitere Aufklärung

Köster bot auch an, den Stadtverordneten alle Informationen zugänglich zu machen und sie künftig regelmäßig zu informieren. Schwochow appellierte, dass das Ziel die schnelle Fertigstellung sein müsse, nicht „eine unendliche Aufregung“. CDU und SPD blieben dabei: Sie wollen erst aufklären, welche Missstände es gab, wie es dazu kommen konnte und wer dafür verantwortlich ist.

Ein mehrere hundert Seiten starkes, kürzlich erstelltes Gutachten lege das auch nahe, so Sven Alisch (SPD). Genau diese Expertise des Ingenieurbüros IBS stellte Köster in seinen Ausführungen in Frage. In seinen Augen wollte IBS seine Arbeit „deklassieren“, indem ihm Bau- und Planungsfehler unterstellt werden, die es nicht gebe. Tatsächlich hat die SPD beantragt, dass diese Firma unter Umständen beim Rathausbau beschäftigt wird.

Von Celina Aniol

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