Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rheinsberg Rheinsberg: Gebühr für Laubsäcke in der Kritik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg

Rheinsberg: Gebühr für Laubsäcke in der Kritik

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:51 05.07.2021
Bisher transportierte die Stadt Rheinsberg Säcke mit Blättern von Straßenbäumen für lau ab. Jetzt müssen die Anwohner dafür bezahlen – und nicht alle sind damit einverstanden.
Bisher transportierte die Stadt Rheinsberg Säcke mit Blättern von Straßenbäumen für lau ab. Jetzt müssen die Anwohner dafür bezahlen – und nicht alle sind damit einverstanden. Quelle: Henry Mundt
Anzeige
Rheinsberg

Viele Kleinzerlanger seien über die kürzlich beschlossene Gebühr für Laubsäcke „entsetzt“, berichtete Ilona Schenk in der Stadtverordnetenversammlung. Sie fürchten die finanzielle Belastung. Und sie empfinden diese als ungerecht, so die SPD-Abgeordnete.

Denn einige Kleinzerlanger haben riesengroße Eichenbäume vor ihrer Haustür, 100 oder 150 Jahre alt. Diese werfen unglaubliche Mengen Laub ab. „Sie haben dann teilweise 50 Säcke zu füllen“, sagte Ilona Schenk.

Protest aus Kleinzerlang angekündigt

An sich sei es schon eine Plackerei, die Blätter von Bäumen aufzusammeln, die gar nicht auf ihrem Grund und Boden, sondern auf öffentlicher Fläche stehen. Dass sie nun auch noch für ihre Dienstleistung blechen sollen, das verstehen viele gar nicht mehr.

Zumal es wiederum Straßenzüge gibt, in denen es keine oder so gut wie keine städtischen Bäume gibt. Dort müssen sich die Menschen weder abrackern, noch müssen sie die Laubsäcke kaufen, die die Stadt ab diesem Jahr für 1 Euro pro Stück herausgibt. „Die Bürger werden etwas dagegen machen“, kündigte die Stadtverordnete an. Was das genau sein wird – ob eine Unterschriftenliste oder eine andere Art des Protests, das verriet sie nicht.

Wer viele grüne Riesen an der Straße vor seinem Haus stehen hat, der wird in Rheinsberg wohl tiefer in die Tasche greifen müssen als seine Nachbarn ohne Straßenbäume vor dem Fenster. Quelle: Christoph Soeder

Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow kommentierte die Kritik nicht in der Sitzung. Auf MAZ-Nachfrage sagt der BVB/Freie Wähler-Mann aber, dass er diese überhaupt nicht nachvollziehen könne. „Wir haben über das Thema mehr als ein Jahr diskutiert“, sagt er – und zwar nicht nur im Stadtparlament, sondern auch in den Ortsteilen. Das sei auch bekannt gewesen. Dass sich erst jetzt Protest regt, sei nicht nachzuvollziehen.

In dem Diskussionsprozess habe sich außerdem herauskristallisiert, dass es keinen Weg in der Laubfrage gibt, der von allen begrüßt wird. Sprich: Die aktuelle Regelung stelle einen hart errungenen Kompromiss dar, der zudem von den Stadtvertretern vorerst lediglich als Probebetrieb für ein Jahr festgelegt wurde.

Bürgermeister sieht ungleiche Belastung als rechtskonform

Er könne dennoch verstehen, dass die neue Regelung zu Unmut in der Bevölkerung führt. Er könne sich durchaus in die Sicht des Ottonormalverbrauchers mit Straßenbäumen am Haus im Gegensatz zum Nachbarn ohne diese hineinversetzen. Gesetzlich gesehen aber sei diese ungleiche Belastung mit der Gebühr zulässig – und bereits gelebte Praxis in vielen anderen Kommunen. Dem hätte die Kommune zwar entkommen können, wenn sie die Laubentsorgung über die Grundsteuer auf die Schultern aller verteilt hätte. Doch sei diese Lösung im Stadtparlament ziemlich schnell verworfen worden.

Um die Wogen zu glätten und weiter über das Problem aufzuklären, will Schwochow vor dem Start der Blättersammelsaison einen Bürgerbrief an alle Haushalte verteilen. Darin will er das Prozedere erklären und kurz die Hintergründe beleuchten. Ergänzt wird der Brief um einen Tourenplan des Bauhofs, der die Laubsäcke weiterhin an der Haustür abholt.

Lesen Sie mehr unter:

Rheinsberg: Laubentsorgung nicht mehr kostenlos

Laubsäcke: Ausschuss stimmt für symbolischen Preis

Wer für die Laubentsorgung in Rheinsberg zahlen soll

Von Celina Aniol