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Rheinsberg Wasser im Possluch kontaminiert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Wasser im Possluch kontaminiert
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16:30 12.07.2019
Die Stadt Rheinsberg hat erst vor Kurzem die ehemalige Deponie am Hafendorf rekultiviert. Jetzt muss sie sich zügig um die im Possluch kümmern, sagt Arne Taudte. Quelle: Celina Aniol
Rheinsberg

Das Grundwasser im Possluch, unweit des Rheinsberger Schlossgeländes, ist kontaminiert. Experten haben durch Untersuchungen nachgewiesen, dass dort Parameter für Schwermetalle, Kohlenwasserstoffe sowie Sulfat überschritten werden. Das teilt auf MAZ-Nachfrage Alexander von Uleniecki mit.

Wasser aus dem unmittelbaren Umfeld der ehemaligen Deponie im Possluch habe auch keine Trinkwasserqualität mehr, so der Kreissprecher. Laut einer behördlichen Anordnung darf es nicht getrunken werden. Bei den Untersuchungen wurden der Abstrom der Altablagerungen, der in Richtung Nordosten weist, sowie einige Gartenbrunnen im Possluch überprüft.

„Kein Grund zur Beunruhigung“

Uleniecki betont dennoch: „Es besteht nach jetztigem Kenntnisstand zunächst kein Grund zur Beunruhigung.“ Er stellt aber auch klar, dass die Stadt Rheinsberg handeln muss. Sprich: Sie muss das Areal zügig rekultivieren.

Die Deponie aus DDR-Zeiten erstreckt sich auf einer Größe von 18 000 Quadratmetern. Sie ist nach Informationen aus der Stadt teils mit Sand bedeckt, was aber das Versickern von Schadstoffen ins Grundwasser kaum verhindert. Das Abfallvolumen schätzt der Landkreis auf 120 000 Kubikmeter. Zu finden sei dort so gut wie alles: Hausmüll, Asche, Bauschutt, Metallreste, Holz und Dachpappe.

Alte Deponien kaum angefasst

Das Problem: Rheinsberg hat die Rückstände, die noch aus DDR-Zeiten stammen, bislang links liegen lassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen hat die Stadt nur wenige Müllkippen renaturiert. So zum Beispiel die Deponie am alten Bahndamm in der Nähe des Possluchs im Jahr 2004. Damals zahlten Land und Landkreis rund eine Million Euro, damit dort etwa 50 000 Kubikmeter Unrat abgetragen werden. Erst in diesem Jahr hat sie die Ex-Deponie im Hafendorf für 180 000 Euro in Ordnung gebracht (die MAZ berichtete).

Nach heutiger Gesetzeslage muss die Stadt die Altlasten nun im Alleingang stemmen. Finanzielle Hilfe wie in früheren Jahren wird es auch kaum geben. Schließlich haben so gut wie alle anderen Kommunen das Thema erledigt, Förderprogramme für diese Spezialaufgabe werden nicht mehr aufgelegt.

Rathaus geht von etwa einer Million Euro Kosten aus

Dabei bräuchte die Kommune mehr Unterstützung denn je. Zwar steht noch nicht genau fest, wie hoch die Kosten ausfallen. Arne Taudte, Experte für das Thema im Rheinsberger Rathaus, geht derzeit aber von etwa einer Million aus. Die Summe erscheint auch schlüssig, wenn man die Renaturierung 2004 oder die aktuelle im Hafendorf als Vergleich heranzieht. Schließlich ist die Fläche im Possluch etwa fünfmal so groß wie beim letzten Projekt.

Derzeit überprüfe die Stadt, wer die Grundstücke in Possluch überhaupt nutzt. Und wie diese genutzt werden. Denn offiziell werden die Flächen zwar nur als Gärten geführt. Die Kommune vermutet aber, dass einige sie auch als Wochenendgrundstücke betrachten – mit einer entsprechenden Trinkwassernutzung.

Kreis und Stadt beraten demnächst

Taudte weiß auch, dass sich auf dem Deponiegelände auch jede Menge alter Formen von Keramikherstellern der Satdt befinden. „Wir rechnen deshalb auch damit, dass es dort auch Reste von Farbpigmenten gibt.“ Die zu weiteren Kontaminationen führen könnten.

Im August will die Stadt mit dem Landkreis über die weiteren Schritte zu beraten. Aus Sicht des Kreises wäre es wichtig, die Deponie zunächst mit wasserundurchlässigen Boden zu bedecken, damit nicht weitere Schadstoffe ins Grundwasser gelangen, sagt von Uleniecki. Taudte betont, dass zusätzlich der Steilhang auf dem Gelände stabilisiert werden müsste. Ob der Unrat vor der Abdeckung entsorgt werden muss, stehe noch nicht fest. Wenn das der Fall sein sollte, dann würde das Projekt noch viel mehr kosten.

Mit der Rekultivierung der Fläche ist es aber nicht getan. „Wir müssen langfristig beobachten, wie sich die Werte dort entwickeln“, sagt der Rathhausmitarbeiter.

Von Celina Aniol

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