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Rheinsberg muss seinen Status als Erholungsort vorzeitig verteidigen

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11:38 18.07.2021
Konzert im Schloss Rheinsberg: Damit die Stadt um Besucher mit dem Titel Erholungsort weiterhin buhlen darf, muss sie sich bald einer Prüfung unterziehen.
Konzert im Schloss Rheinsberg: Damit die Stadt um Besucher mit dem Titel Erholungsort weiterhin buhlen darf, muss sie sich bald einer Prüfung unterziehen. Quelle: Henry Mundt
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Ist die Marke „staatlich anerkannter Erholungsort“ ein Magnet? Sigune Schmidt-Ulbrich lacht herzhaft, bevor sie antwortet. „So direkt kann man das nicht sagen. Es ist nicht so, dass ein Gast zu uns kommt, weil wir ein Erholungsort sind“, stellt sie klar. „Das macht keiner.“

Trotzdem ist die Rheinsberger Tourismusmanagerin überzeugt, dass das Etikett am Ende doch zieht. „Die Leute lesen ja nicht nur die Kritiken des Hotels, wenn sie im Internet nach einem Reiseziel suchen, sondern gucken heutzutage auch vermehrt auf Zertifizierungen.“ Und die Bezeichnung, die man erst nach einer strengen Prüfung bekommt, ist gewissermaßen eine solche. „Es ist unser Aushängeschild.“

Erneute Überprüfung schon 2024 statt 2028

Das Problem ist: Rheinsberg muss demnächst erneut einen Testlauf durchmachen, wenn die Stadt und die beiden Ortsteile Flecken Zechlin und Kleinzerlang weiterhin den Namen tragen dürfen wollen. Eigentlich wären sie erst wieder 2028 damit dran, den Titel zu verteidigen, da die Überprüfung normalerweise alle zehn Jahre stattfindet.

Weil das Land aber vor Kurzem das Kurortegesetz novelliert hat – und es damit strenger fasste –, müssen nun alle seine Kurorte, Heilbäder und Erholungsorte noch einmal auf den Prüfstand. Spätestens bis 2024 muss die Kommune das erledigen.

Stadtchef ärgert sich über zusätzlichen Aufwand

Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow ärgert sich darüber. „Das führt zu deutlich mehr Arbeit und zu Mehrkosten.“ Denn um mitzumachen muss die Stadt unter anderem ein neues Entwicklungskonzept für ihre Erholungsorte vorlegen sowie ein Gutachten über die Luftqualität.

Ihm ist aber auch klar: Wenn Rheinsberg und seine beiden anderen Touristenhochburgen weiter den Markennahmen nutzen wollen, kommt die Kommune nicht drumrum. Ob sie das macht, das sollen die Stadtverordneten demnächst entscheiden. Bis Oktober müssen sie ihr Votum Potsdam mitteilen.

Tourismusmanagerin Sigune Schmidt-Ulbrich ist klar, dass die Titelverteidigung nicht ohne ist. Sie hält den Aufwand aber für überschaubar. Quelle: Celina Aniol (Archiv)

Sigune Schmidt-Ulbrich sieht das Thema gelassener. Sie glaubt, dass Rheinsberg nicht alles neu machen muss. So könne die Stadt gut auf dem bestehenden Tourismusentwicklungskonzept aufbauen, wenn es die neue Erholungsortekonzeption erarbeitet. „Dadurch können wir uns mindestens 80 Prozent der Arbeit sparen“, schätzt sie.

Luftqualitätsgutachten: im Paket günstiger

Bei der für Rheinsberg völlig neuen Luftexpertise setzt die Tourismusmanagerin auf Partnerschaft, die das Gutachten günstiger machen soll. Gemeinsam mit der Stadt Lindow, die ebenfalls ihren Titel als staatlich anerkannter Erholungsort verteidigen muss, wollen sie den Auftrag extern vergeben – und durch die Paketlösung sparen.

Am Ende sei aber klar: Umsonst gibt es die Markenbezeichnung nicht. „Klar kostet das Geld und Aufwand.“ In den Augen der Fremdenverkehrsexpertin ist das Prozedere aber auch eine Chance, sich erneut auf den Prüfstand zu stellen – und so besser gegen die wachsende Konkurrenz anderer Touristenpulsadern der Mark gewappnet zu sein.

Im Moment sieht es mit dem Besucheransturm in der Region ganz gut aus. „Im Mai ging es verhalten los, jetzt haben wir aber Nachfragen ohne Ende“, berichtet die Managerin.

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Von Celina Aniol