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Rheinsberg Abi und Ärztetaxi gegen den Einwohnerschwund
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00:22 27.01.2019
Die Zahl der Kinder steigt in Rheinsberg. Die Frage ist aber, wie viele von ihnen die heimischen Schulen besuchen werden. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Der Trend ist negativ: Lebten in Rheinsberg und seinen Ortsteilen Ende des Jahres 2017 noch 8111 Menschen, so gab es in der Prinzenstadt ein Jahr später nur noch 8081 Einwohner. Der Grund fürs Schrumpfen der Stadt: Es sterben mehr Rheinsberger als geboren werden. Weg- und Zuzug halten sich hingegen die Waage, stellt Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow fest.

Immerhin fällt im Moment die Tendenz nach unten bei den Einwohnerzahlen nicht so stark aus wie noch vor Kurzem befürchtet. Und: Die Prognosen für die Zukunft sind zwar immer noch nicht rosig, aber nicht ganz so dramatisch, wie vor einem Jahr angenommen.

Prognose nicht mehr ganz so düster

Bei rund 6500 Einwohnern sollte die Stadt in den kommenden zehn bis 15 Jahren landen, hieß es da von den Bevölkerungsexperten. In einer ganz aktuellen Prognose, die in dieser Woche das Rathaus erreichte, geht das Amt für Statistik davon aus, dass in Rheinsberg im Jahr 2030 etwa 7300 Menschen leben werden. Zum Vergleich: 2003, als die umliegenden, bis dahin eigenständigen Gemeinden Rheinsberg zugeschlagen wurden, gab in der gesamten Region noch deutlich mehr als 9000 Einwohner.

Ein allgemeines Rezept gegen den Schwund hat Schwochow nicht – aber einige Ideen, wie die Stadt den Abwärtstrend zumindest mildern könnte. Dazu gehört zum Beispiel die ganzjährige Bahnanbindung. Einen ersten Erfolg dazu gibt es: Der Zug fährt in dieser Wintersaison erstmals wieder Rheinsberg an.

Pendlerzug statt Ausflugsbahn

„Unser Ziel ist es, dass er anders fährt: Wir wollen, dass aus der Touristen- eine Pendlerbahn wird“, so der Verwaltungschef. Um zu erreichen, dass die bisher eher arbeitnehmerunfreundlichen Abfahrtszeiten geändert werden, will er sich noch in diesem Monat an die brandenburgische Verkehrsministerin Kathrin Schneider wenden.

Die anderen Ideen will Schwochow erst später angehen. Zum einen, weil der Fokus der Verwaltung derzeit auf anderen Problemen wie dem Rathausbau liege. Zum anderen, weil er größere Chancen nach den Kommunal- beziehungsweise Landtagswahlen sieht. Denn erst dann werde klar sein, welche politischen Kräfte für die nächsten Jahre am Ruder sind und welche Ziele man mit ihnen wahrscheinlich erreichen kann.

Keine Freizeit mehr bei den Oberschülern

Den dringendsten Bedarf sieht Schwochow bei der Bildung. Denn auch wenn an der Rheinsberger Oberschule der Knick bei den Schülerzahlen ganz deutlich zu spüren ist: Die Kindergärten der Stadt, aus denen sich die künftigen Schülergenerationen speisen, sind voll. Und die Kommune könne es sich nicht länger leisten, die Jugend zu verlieren.

Es gehe jetzt darum, eine Bindung zur Region aufzubauen und auch das soziale Leben wieder anzukurbeln. „Seit dem Wegfall der Abiturstufe ist die Jugendarbeit der Vereine zum Erliegen gekommen.“ Denn Jugendliche mit langen Buswegen hätten oft kaum Freizeit mehr, in der sie sich in ihrem Heimatort engagieren könnten.

Schwochows erstes Ziel ist es deshalb, dass die Schüler zumindest an einem oder zwei Tagen den Unterricht in Rheinsberg absolvieren, wenn die Stadt schon keine vollwertige Abiturstufe anbieten kann. „Dann müssten nicht die vielen Schüler zur Schule fahren, sondern die wenigen Lehrer zu den Schülern.“ Dafür müssten Kooperationen mit weiterführenden Schulen der Region eingegangen werden, etwa in Neuruppin oder Gransee.

Musikkultur will Gymnasium unterstützen

Die Gespräche dazu stehen aber noch aus. Wenn diese aber stattfinden, dann hat die Stadt einen Verbündeten: Thomas Falk, Geschäftsführer der Rheinsberger Musikkulturgesellschaft, hat erst kürzlich gegenüber der MAZ gesagt, dass sein Haus jede Bemühung um eine gymnasiale Oberstufe für Rheinsberg unterstütze.

Der Rathauschef findet es aber genauso wichtig am entgegengesetzten Ende der Alterspyramide anzusetzen: bei der älteren Generation. Als eines der größten Probleme sieht er an dieser Stelle die Fachärzteversorgung. Die Spezialisten nach Rheinsberg zu locken, dürfte aber schwierig werden. „Und der Arzt allein nützt mir auch nichts: Er muss auch das entsprechende Equipment haben.“

Patienten zu den Artzpraxen fahren

Deshalb will Schwochow sich eher dafür einsetzen, dass die Neuruppiner oder Wittstocker Arztpraxen an bestimmten Tagen Termine speziell für Patienten aus der Prinzenstadt anbieten und die Rheinsberger ohne Auto dorthin gesammelt per Sammeltaxi hingefahren werden.

Wichtig für die Stadt wäre auch, dass das Land seine Praxis bei der Geldvergabe ändert, findet Schwochow. Denn bislang seien die regelmäßigen Finanzspritzen an die Einwohnerzahl gekoppelt. Das sei für die Gemeinde, die zu den flächenmäßig größten Deutschlands gehört, ein Problem. „Wir brauchen einen Flächenfaktor“, sagt er – zumal in Zeiten der schrumpfenden Bevölkerung auf dem Lande.

 

Von Celina Aniol

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