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Rheinsberg Preussenquelle: Medienansturm, aber kaum Stornos
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01:18 08.07.2019
Sauberes Mineralwasser: Die Stiftung Warentest fällte kürzlich ein negatives Urteil zur Qualität in Rheinsberg. Die Kritik ebbte jedoch schnell ab. Quelle: dpa
Rheinsberg

Der Sturm um das Stille war heftig. Der Spiegel, die ARD und andere Medien wollten stante pede wissen, was mit dem Rheinsberger Bio-Produkt los ist. Die Preussenquelle war nach dem vernichtendem Urteil der Stiftung Warentest in der vergangenen Woche in Erklärungsnot. „Alle haben sich auf uns gestürzt“, erzählt Geschäftsführer Frank Stieldorf.

Das Unternehmen dementierte. Es habe bei eigenen Untersuchungen kaum Keime in dem Wasser gefunden. Und mitnichten seien diese so gefährlich, wie die renommierten Tester behaupten, hieß es.

Doch so schlagartig der Sturm aufkam, so schnell verebbten die Wellen der Entrüstung. Und es blieb still. Erstaunlich still aus Stieldorfs Sicht.

Frank Stieldorf, Geschäftsführer der Preussenquelle. Quelle: Celina Aniol

Kaum Händler noch Kunden wollten wissen, was es mit der Keimbelastung in dem stillen Bio-Mineralwasser auf sich hat. Trotz der Letztplatzierung bei 32 Mitstreitern in der Kategorie und der Gesamtnote „mangelhaft“.

Grund genug normalerweise für Verbraucher, mal nach den Hintergründen zu fragen. Und für Händler größere Chargen zu stornieren. Zumal, wenn so etwas im eher kritisch-nachfragenden Öko-Bereich passiert. „Aber das Telefon blieb ruhig.“

Auch in den Berliner Märkten haben die Kunden nicht nachgeforscht. Das hat Stieldorf bei einigen Filialleitern direkt abgefragt. Die Abbestellungen blieben ebenfalls aus. Auch eine Stichprobe der MAZ unter den Händlern und Großverbrauchern des Wassers im Ruppiner Land hat ergeben, dass es kaum Nachfragen von Kunden und Gästen oder Annullierungen von Bestellungen gab.

Das Unternehmen bietet an, sich vor Ort ein Bild vom Produkt und den Produktionsbedingungen zu machen. Quelle: Regine Buddeke

Vielleicht liege es daran, dass das Unternehmen in die Offensive gegangen ist, mutmaßt Stieldorf. „Wir haben alle Kunden im Handel sofort mit einem Schreiben informiert.“ Und auch auf der Internetseite bezog der Betrieb, der zum Berliner Bio-Großhändler Terra Naturkost gehört, Stellung.

Und dann sei da auch noch das grundsätzliche Vertrauen in die Marke. Auch das habe sicher eine Rolle gespielt. „Unsere Kunden wissen, wofür wir stehen, wofür wir uns einsetzen.“ Und das sei eben nicht das hypersterile stille Mineralwasser, das andernorts zum Beispiel durch Bestrahlung erzeugt wird. „Genau das wollen wir nicht.“

Das habe dann aber zu Folge, dass in mancher Flasche nach der Abfüllung nur ein Keim zu finden ist, in der nächsten dafür 40. Auch wie das Produkt später gelagert und ausgestellt wird, habe Einfluss auf die Zahl der Keime. Stehe das Wasser im Laden in der Sonne, vermehren sich diese eben schneller. Nur: Gefährlich seien sie keinesfalls.

Die Abfüllanlage der Preussenquelle. Quelle: Regine Buddeke

„Und wenn man sich die Anzahl der Keime auf einem Salatblatt anguckt – da kommen 50 Millionen auf ein Gramm –, da fragt man sich schon: Über welches Problem bei uns reden wir hier eigentlich?“, sagt Stieldorf. „Wir leben in keiner sterilen Welt.“

Auch die Art der Verpackung – meistens im Glas – führe zu einer höheren Keimbelastung. „Wenn ich eine PET-Flasche kurz vor der Abfüllung aufblase und das Wasser sofort reinfülle, dann ist da so gut wie nichts da.“ Mehrweg-Glas werde nie so steril sein – sei aber dafür umso umweltfreundlicher. Und genau das goutieren viele mehr als ein keimfreies Produkt.

„Angstschürend und polarisierend“

Ihm komme es manchmal vor, das Keime zu einem Hyper-Thema stilisiert werden. „Man redet da gegen eine Riesenflut an.“ Auch in dem Stiftung-Warentest-Artikel werde das deutlich. Stieldorf hält das für „angstschürend und polarisierend“.

„Das Ganze ist über uns wie ein Gewitter hereingebrochen“, sagt Stieldorf. Etwas ändern will er in seinem 25-Mann-Betrieb nicht.

Von Celina Aniol

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