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Rheinsberg Schüleroper uraufgeführt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Schüleroper uraufgeführt
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17:08 18.10.2018
Menschen aus der armen und reichen Welt sind zusammengetroffen. Stella und Sky erklären ihre Liebe. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Ein bisschen Romeo und Julia, ein bisschen Dystopie wie der Ober-Unterwelten-Film „Upside down“ – und dabei erschreckend aktuell. Das ist die Crux von „Welche Welt?“, der Oper, mit der sich 23 Schüler des Neuruppiner Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasiums seit einem Jahr beschäftigten. Die letzte Woche war von harter Endzeit-Probenarbeit geprägt, Orchester und Kostüme sind vor Ort, die Proben wurden auf die Rheinsberger Schlosstheaterbühne verlegt, die Technik saß am Pult.

Stella und Sky treffen sich in der virtuellen Welt. In der Realität leben sie zwei Welten. Wie sie zusammenfinden, zeigen Neuruppiner Gymnasiasten am Schlosstheater Rheinsberg mit einem Theaterstück.

Nicht unbedingt Musikunterricht, wie ihn die Schüler kennen. Und nicht gerade eine Musikform, die bei Zehntklässlern angesagt ist. Und gerade deshalb ist das Projekt eine Herausforderung, bei der viele mitmachen wollten. Schon weil die Vorjahres-Oper „Narziss und Echo“ solch ein Erfolg war und Lust zum Dabeisein machte.

Das dreijährige Musiktheater-Projekt der Rheinsberger Musikakademie ist vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Ulrike Schubach, Musiklehrerin am Schinkel-Gymnasium hat nicht lange gezögert, die Chance anzunehmen, Projektschule zu werden. Zu Recht, wie man den beiden Produktionen ansieht. Die Schüler sind über sich selbst hinausgewachsen. Gemeinsam mit dem Komponisten Aurélien Bello, der Librettistin Erika Otto, dem Regisseur Arturo Gama und anderen haben sie Drehbuch und auch Musik mitentwickelt und sind mit Feuereifer dabei.

Es ist die zweite Opernproduktion des drei Jahre dauernden, geförderten Projekts

Nicht unbedingt einfach für die Jugendlichen, sich Opern singend auf eine Bühne zu stellen. Der Härtetest war denn auch die Generalprobe am Donnerstagvormittag: Im Publikum saßen nicht die stolzen Eltern der jungen Darsteller wie bei der abendlichen Premiere, sondern mehr als 100 Mitschüler. Man weiß, dass Jugendliche im Theater nicht immer unbedingt wie die Platzdeckchen sitzen.

„Wir haben extra einen Wandertag genommen“, erzählt Uta Petter, Lehrerin für Sport und Geschichte, die mit ihren „Siebtis“ ins Schlosstheater gekommen ist, die so gleich einmal eine Kostprobe bekommen können, was man als Schule alles auf die Beine stellen kann. Sie hat die Vorjahres-Oper gesehen und war begeistert. „Ein paar von meinen damaligen Zehntklässlern spielen heute mit“, sagt sie. Sie fand es damals schon beeindruckend, was in den Schülern steckt. „Man kennt viele aus dem Schulalltag und ahnt gar nicht, was für Talente da schlummern.“

Die Schüler haben mithilfe von Profis Musik und Text gemeinsam erarbeitet

Licht an, Welt aus. Zumindest die reale: Ein gigantisches Computerspiel eröffnet sich auf der Bühne. Wunderbare Avatare in coolen Kampfuniformen und sensationellen Perücken wieseln, schleichen und jumpen durch virtuelle Welten. Zwei von ihnen kämpfen Seite an Seite bis zum letzten Battlefight gegen den bösen „Boss“. Klar, dass daraus mehr wird. Nur leider, leider, kennen sich Sky und Stella nur als Gamer in der Scheinwelt. „In welcher Welt lebst du eigentlich?“ Die Frage ist berechtigt. Und genau da fängt die Romeo-und-Julia-Story an. Und machen wir uns nichts vor – bei aller Dramatik steckt hier viel Wirklichkeit im Text.

Stella (Susann Böhm) ist das taffe und doch so verletzliche Underdog-Girl, Sky (Sebastian Lindmair) das überhütete und rebellisch-romantische Kettensöhnlein der Upperclass-Familie Highprize, bei der Stellas Mutter Tanja sich als Putze die Finger blutig schrubbt. Und gleichzeitig für Sky die einzige Vertraute ist, bei der das Privatschul-Kind überhaupt ein Ohr und ein Herz bekommt, weil seine Mutter (Pauline Schubach), eine nervig-blasierte und ihr Personal zusammenschnauzende High-Society-Tussi, nur auf Wohltätigkeitspartys und Aktentaschenträgertreffen unterwegs ist.

Das Stück springt zwischen virtueller und realer Welt

Kommt einem irgendwie bekannt vor: Die Wohlstandsverarmung auf der einen Seite und die Armut der Masse im Dunkeln. Kein Wunder, dass in einer Szene mitten durch die Bühne eine Mauer verläuft. „Aber Mauern schützen uns“, singt der Chor, „dass man nicht sieht, wie es drüben aussieht.“ Der Titel „Welche Welt?“ gewinnt spätestens hier sofort an Doppeldeutigkeit.

Überhaupt – es wird nicht gespart mit Gesellschaftskritik. Man könnte manchmal meinen, das stehe die Generation Ratlosigkeit auf der Bühne: „Wir haben nicht dieselben Rechte wie die Reichen“, sagt Stella sehr lebensweise, oder: „Wieso bin ich Zuschauer in meinem eigenen Leben? Wieso kann ich nichts ändern, egal wie sehr ich mich abstrampele und fleißig bin?“

Und der Chor ihrer Mitschüler setzt noch darauf: „Keine Ahnung, was das Leben bringt. Keine Ahnung, wo die Leute glücklich sind ... Wir sind die, die keine Wörter und kein Geld verlieren. Wir sind die, die selten eine Richtung haben. Wir sind die, die immer viel zu viele sind.“ Auch wenn die Kids sich in die virtuellen Welten flüchten – spätestens hier sollte man fragen, warum sie das tun.

Auch Klassengegensätze zwischen Arm und Reich sind Thema

Die Story nimmt Fahrt auf, Sky und Stella begegnen sich in der Realität und das Buch der Klassengegensätze blättert sich weiter auf. Die da oben, wie hier unten. Es ist für beide Seiten gefährlich, die Grenze zu überschreiten und Stella und Sky müssen mal resigniert, mal trotzig-mutig ihre Liebe leben. Und versuchen, die Welten zueinander zu bringen. Nicht nur im Computerspiel.

Es ist ein ambitionierter Stoff, den die Schüler mit Hingabe auf die Bühne bringen – in einer zeitgemäßen Sprache, wie Jugend heute kommuniziert. Die sensationellen Lichteffekte verwandeln das eher spartanische aber überaus wandelbare Bühnenbild (Robert Pflanz) aus sechs Rollwänden, einem Kanapee und einem Kristalllüster in sofort begreifbare Szenerien – da stimmt einfach alles.

Dazu noch die absolut genialen Kostüme der Computerfiguren, denen die realen Menschen in Kapuzenpullis als Kontrast gegenüber gesetzt werden. Das Stück strotzt vor schönen Bildern – mal laut, mal leise. Und auch die Musik, die alles andere als Mozart ist, unterstreicht das, was die Schüler sagen wollen. Ob im Seidenkostümchen oder im Mick-Jagger-Zungen-Leck-mich-doch-Shirt. Und auch, wenn echte Opernsänger natürlich anders singen: Hut ab vor den schwierigen Rezitativen und Chorsequenzen, die die Protagonisten da stemmen. Gerade, weil es keine Profis sind.

Die Schüler wuchsen am Ende über sich selbst hinaus

„Ich fand‘s gut. Es spiegelt unseren Alltag“, sagt Zuschauerin Lara Wziontek. Sie findet es mutig, sich so singend von der Bühne zu präsentieren. „So professionell.“ Auch Regisseur Arturo Gama ist voll des Lobes. Es sei immer schön zu sehen, wie aus der anfänglichen Zurückhaltung der Schüler Selbstbewusstsein wachse, Hemmungen überwunden werden. „In der letzten Probenwoche – mit Bühnenbild, Orchester und Kostümen, habe ich große Begeisterung gespürt. Die letzten Tage waren wie eine Explosion.“

Kleine Generalprobenpannen hätten die Kids ganz spontan allein gelöst. Zwei Neuntklässler hätten allein die Videos gefahren. „Richtig gefahren – nicht nur einen Knopf gedrückt“, lobt Gama. „Starke Jungs. Sie haben verantwortungsvolle Arbeit geleistet. Genau darum geht es im Projekt.“ Was ebenso beachtlich war: Das jugendliche Publikum lauschte durchweg aufmerksam dem Bühnengeschehen. Muss man mehr sagen?

Am Freitagabend 19.30 Uhr ist „Welche Welt?“ noch einmal im Rheinsberger Schlosstheater zu erleben.

Von Regine Buddeke

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