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Rheinsberg Straßen weiterhin in schlechtem Zustand
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Straßen weiterhin in schlechtem Zustand
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01:16 16.11.2018
Die schlechteste Fahrbahn: Die Straße des Friedens in Neuruppin. Wie in Rheinsberg und Wusterhausen ist bisher nichts passiert.
Die schlechteste Fahrbahn: Die Straße des Friedens in Neuruppin. Wie in Rheinsberg und Wusterhausen ist bisher nichts passiert. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin/Rheinsberg/Wusterhausen

Mehr als ein Jahr ist es her, im Juni 2017. Da hat die MAZ ihre Leser gefragt: Welche ist die schlechteste Straße in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin (OPR) und in der Prignitz? Wo gibt es die buckligste Piste? Wo ist es mit Auto, Fahrrad oder gar zu Fuß kaum noch zu ertragen? An der Abstimmung nahmen 513 Leser teil.

Die Mühlenstraße in Rheinsberg. Die Häuser stehen direkt an der Fahrbahn und die ist in einem maroden Zustand. Donnern Lkw darüber, bringen sie die Häuser zum Wackeln. Seit Jahren wehren sich die Anwohner. Quelle: Peter Geisler

Und ihr Urteil war eindeutig: Den unrühmlichen Titel als „Schlechteste Straße in OPR und Prignitz“ gewann mit 222 Stimmen und deutlichem Abstand zum Zweitplatzierten die Straße des Friedens in Neuruppin. Auf dem Platz dahinter mit 95 Stimmen schaffte es die Mühlenstraße in Rheinsberg. Und die Bronzemedaille ging an die Berliner Straße in Wusterhausen. Für sie gaben 86 Leser ihre Stimme ab. Von den Plätzen eins bis sechs liegt nur eine Straße in der Prignitz. Es ist die Hagenstraße in Pritzwalk. 41 Leser stimmten für sie.

Und auch die Berliner Straße in Wusterhausen braucht dringend eine Grundsanierung. Bisher wurde sie nur mittels Asphaltflicken notdürftig ausgebessert. Quelle: André Reichel

Und jetzt? Was passierte nach der Umfrage – mit den drei Treppchensiegern? In Rheinsberg besteht das Problem mit der Mühlenstraße nicht erst seit der Umfrage. Es existiert seit Jahrzehnten. Sie hatte schon zahllose Male davor und danach große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Hauptgrund: Auf der Mühlenstraße bringen die schweren Lkw den Boden zum Erschüttern. Die dicht an der Straße stehenden Häuser leiden erheblich. Durch die schweren Fahrzeuge ist die Straße massiv geschädigt.

Die Anwohner wünschen sich die Mühlenstraße als Fußgängerzone und eine weiträumige Umgehungsstraße für den Fahrzeugverkehr. Eine Sanierung lehnen sie ab, weil sie dann befürchten, dass die Verlegung des Verkehrs nie kommen würde.

Stadt und Landesbetrieb sind im Gespräch

Das war der Stand im vergangenen Sommer zum Zeitpunkt der MAZ-Umfrage. Und das ist der Stand heute. Doch die Stadt steht in Verhandlungen mit dem Landes­betrieb Straßenwesen. Der ist für die Mühlenstraße als Landesstraße zuständig. Der Landesbetrieb ­verlangte im Frühjahr von der Stadt, ein Straßenführungskonzept ­vorzulegen. Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow reichte auf Grundlage der Gespräche mit dem Landesbetrieb eine Beschlussvorlage in der Stadtverordnetenversammlung ein.

Die Bewohner wurden in den Prozess mit einbezogen und ­äußerten weitere Wünsche. Die Beschlussvorlage nahm das ­Stadtparlament im September an. Allerdings hat der Landesbetrieb noch Klärungsbedarf. Zu diesem Anlass fährt Schwochow am Donnerstag in der nächsten Woche nach Potsdam.

„Ich gehe davon aus, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“, sagt Frank-Rudi Schwochow. „Jetzt ist das Land in der Pflicht, die ausgesprochenen Versprechungen zu erfüllen.“

Für den Landesbetrieb hat die Mühlenstraße aber keine Priorität

Der Landesbetrieb Straßenwesen indes zählt die Mühlenstraße zum „Grünen Netz“. Das heißt, sie hat aus Landessicht nur eine geringe Bedeutung. „Für sie können deshalb keine kurz- und mittelfristigen Zusagen bezüglich einer Verbesserung des Straßenzustands gemacht werden“, sagt Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb.

Auch in der Neuruppiner Straße des Friedens wurde seit dem Sommer 2017 nicht gebaut. Und auch für die „schlechteste Straße in OPR und Prignitz“ ist das Land zuständig. Sie ist Teil der Landestraße 167. Die Buckelpiste ist sowohl für Autofahrer eine Zumutung als auch für Fußgänger und Radfahrer. Für die Fußgänger- und Radwege ist allerdings die Stadt zuständig. Aber auch die bleibt untätig.

Straße sowie Rad- und Fußgängerwege sollen zusammen saniert werden

„Die Fontanestadt befindet sich mit dem Landesbetrieb für Straßenwesen in der Abstimmung zur Sanierungsplanung“, sagt der Neuruppiner Baudezernent Arne Krohn auf MAZ-Anfrage. „Es ist vorgesehen, bei der Sanierung der L 167 alle Straßen und Nebenanlagen gemeinsam zu sanieren. Es macht keinen Sinn, sich der Nebenanlage anzunehmen, wenn die Gesamtplanung noch nicht vorliegt.“ Wann die Sanierungsarbeiten in der Straße des Friedens beginnen, weiß in der Stadtverwaltung allerdings niemand.

Das Land schreibt der Straße des Friedens, anders als der Rheinsberger Mühlenstraße, eine größere überregionale Bedeutung zu. Sie ist im Planungsprogramm des Landesbetriebes Straßenwesen enthalten. „Die Entwurfsplanung für den grundhaften Ausbau könnte bei erfolgreichem Abschluss zu einem Ausbau in den Jahren 2021/22 führen“, sagt Cornelia Mitschka. Die Entscheidung darüber hänge von den personellen und finanziellen Kapazitäten des Landesbetriebes ab und von den Prioritäten der Landesregierung.

Baumaßnahmen in Berliner Straße immer wieder verschoben

In der Berliner Straße in Wusterhausen müssen die Autofahrer auch weiterhin über eine Buckelpiste fahren. Ihre Sanierung wurde immer wieder verschoben. „Die Bauarbeiten in der Berliner Straße hängen von anderen Maßnahmen im Stadtgebiet ab“, sagt die Bauamtsleiterin in Wusterhausen, Melanie Füllgraf. In der Vergangenheit war das zum Beispiel die Sanierung der L 142 von Gatow durch die Stadt in Richtung Kyritz. Die Berliner Straße war zu dem Zeitpunkt Umleitungsstraße.

„Im Moment kann auch nicht saniert werden, weil die Bundesstraße 5 ausgebessert wird“, so Füllgraf weiter. Da für jene Straße der ­Landesbetrieb zuständig ist, muss sich die Stadt mit ihm abstimmen. Das zögert auch die Baumaßnahmen in der Berliner Straße weiter hinaus.

Altes Sanierungskonzept muss angepasst werden

Schon 2010 hatten die Stadtverordneten ein Sanierungskonzept für sie beschlossen. Es ist noch heute das aktuellste. Für eine Sanierung in den nächsten Jahren müssten die Stadtverordneten es anpassen. Das soll Thema der nächsten Haushaltsberatungen im Dezember sein. Im Moment könne aber niemand sagen, wann die Berliner Straße erneuert werde, sagt Melanie Füllgraf.

Von Annika Jensen