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Rheinsberg Die neue Frau an der Spitze des Maritim-Hafenhotels
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11:54 26.11.2018
Susan Fahrnholz ist seit Oktober Direktorin im Maritim Hafenhotel Rheinsberg und ist begeistert von dessen Lage am See. Quelle: Peter Geisler
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Rheinsberg

Der Himmel ist wolkenverhangen, die Wasseroberfläche des Rheinsberger Sees in Herbstgrau getaucht. Einzig die bunten Häuser im Hafendorf Rheinsberg und der rot-weiß-gestreifte Leuchtturm sorgen für Farbkleckse. Susan Fahrnholz gefällt die Szenerie. Die 48-Jährige leitet seit Anfang Oktober das Maritim Hafenhotel Rheinsberg und ist begeistert von ihrem neuen Arbeitsplatz.

Rheinsberg ist für mich ein Volltreffer. Was Job, Team, Landschaft betrifft. Ich war schon immer naturverbunden, auch wenn ich bisher eher in Städten gelebt habe“, gesteht die Direktorin bei einem Latte Macchiato. Geboren und groß geworden ist sie in Magdeburg. In die Gastronomie und Hotellerie wuchs die Sachsen-Anhalterin förmlich hinein und lernte das Handwerk von der Pike auf. „Meine Mutti war Restaurantleiterin, später dann Hoteldirektorin.“ So war die Tochter oft bei ihr, eiferte ihr später nach.

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Ferienjob im Restaurant der Mutter

In den Ferien jobbte Susan Fahrnholz als Schülerin am Arbeitsplatz ihrer Mutter, räumte Tische ab, half im Service. Im Magdeburger Ratskeller machte sie schließlich ihre Ausbildung zur Kellnerin, arbeitete als solche anschließend im historischen Gewölbe-Gasthof Buttergasse.

„Dann kam die Wende, und ich habe mich weiter qualifiziert, 1999 meinen staatlich geprüften Betriebswirt in Leipzig gemacht“, erzählt die Magdeburgerin. Damit nicht genug. „Zu DDR-Zeiten habe ich Russisch gelernt, nun wollte ich mein Englisch aufbessern. Also entschloss ich mich, für ein paar Monate nach Großbritannien zu gehen.“

Sie steuerte Solihull bei Birmingham an. Tagsüber bediente sie in einem Vier-Sterne-Hotel, abends büffelte sie am College englische Grammatik zusammen mit Mitschülern aus der ganzen Welt.

„Die drei angedachten Monate reichten mir als Sprachunterricht nicht, also bin ich in Großbritannien geblieben“, sagt die jetzige Hafenhotel-Direktorin. „Im Crowne Plaza Solihull habe ich als Supervisor angefangen, bin dann zur Meeting- und Event-Barmanagerin aufgestiegen.“ Sie belegte interne Schulung, um ihr Business-Englisch zu optimieren und absolvierte ein Management Trainee Programm.

Aus drei Monaten wurden 13 Jahre

Endlich hatte Susan Fahrnholz ihr Ziel erreicht: Ihr Englisch war verhandlungssicher und sie fit für eine Führungsposition. In den kommenden Jahren füllte sie mehrjährige leitende Tätigkeiten in verschiedenen Vier-Sterne-Hotelketten Großbritanniens aus, unter anderem im Holiday Inn in Bedford.

Nach 13 Jahren Auslandserfahrung kam die Magdeburgerin zurück nach Deutschland. In Dresden übernahm sie 2012 die Direktion im Art’otel, dem Hotel, das mit einer weltweit einmaligen Sammlung von Werken des ostdeutschen Künstlers A. R. Penck ausgestattet ist.

Der Job gefiel Fahrnholz, doch nach vier Jahren reizte sie der Gedanke, Verantwortung für mehrere Häuser zu übernehmen. Sie wechselte von Dresden nach Potsdam zum Deutschen Jugendherbergswerk (DJH), war dort als Regionalmanagerin zuständig für den Landesverband Berlin Brandenburg. „Die Herbergen stehen mittlerweile Hotels in nichts nach, es gibt aber große Unterschiede zwischen Standorten in Berlin und Brandenburg“, erklärt Susan Fahrnholz. „In dem einem gibt es 400 bis 500 Betten, auf dem Land sind es manchmal nicht mehr als 50 Schlafplätze.“

Blick von der Seeseite auf das Rheinsberger Maritim Hafenhotel. Quelle: Peter Geisler

Auch wenn sie während dieser Zeit viel in Brandenburg unterwegs war, Rheinsberg kannte sie nicht – bis sie zum Vorstellungsgespräch ins Maritim Hafenhotel kam. „Mir hatte als Regionalmanagerin beim DJH das eigene Team gefehlt und der tägliche Kontakt zu diesem. Daher habe ich mich als Direktorin im Maritim Hafenhotel Rheinsberg beworben, als diese Stelle neu besetzt werden sollte. Ich wollte gerne in die Ketten-Hotellerie zurück und habe mich gefreut, als es geklappt hat.“

Die Lage ist nicht zu toppen

Die Schönheit des Ruppiner Landes entdeckt sie nun Tag für Tag. „Mir war nicht bewusst, dass Kraniche in der Region rasten, bis ich das Naturschauspiel selber erlebt habe“, schwärmt Susan Fahrnholz. „Wahrscheinlich geht es vielen Menschen so.“ Sie möchte Rheinsberg nun mehr ins Bewusstsein rücken, nicht nur bei Freizeitgästen.

„Die Marke Maritim steht für Tagen und Wohnen unter einem Dach. Wir wollen uns als Tagungshotel stärker positionieren, internationale Kundschaft anziehen und Rheinsberg als Tagungsstandort einen Namen geben. Davon profitiert auch die Stadt selber“, erklärt die 48-Jährige, die während ihrer Auslandsjahre Erfahrungen mit Großveranstaltungen gesammelt hat, seien es prunkvolle indische Hochzeiten oder stilvolle Firmenevents.

„Klar ist der Anfahrtsweg für den ein oder anderen nach Rheinsberg etwas länger, aber wer kann die Lage toppen?“ Fahrnholz lächelt, immerhin weiß sie, wovon sie spricht, pendelt sie doch selber zwischen Leipzig und dem Ruppiner Land.

Für Region und ihre Menschen da sein

Die Region gefällt ihr, die Menschen auch. „Wir wollen für Rheinsberg da sein. Klar sind wir in erster Linie ein Tagungs- und Wellnesshotel. Wir wollen aber ebenso auf dem lokalen Markt Menschen die Möglichkeit geben, das Hotel zu nutzen.“ In Gesprächen hätte sich herauskristallisiert, dass sich die Einwohner mehr Veranstaltungen wünschen. „Daran arbeiten wir, bieten Yoga-Kurse für Rheinsberger an, haben die erste Mallorca-Party veranstaltet und laden zur großen Silvester-Gala ein.“ Es gibt noch freie Plätze für Außer-Haus-Gäste.

Susan Fahrnholz tritt kein leichtes Erbe an: Vor elf Jahren öffnete das Maritim Hafenhotel Rheinsberg als Vier-Sterne-Plus-Haus seine Pforten, erlebte seitdem bewegte Zeiten. Als Ifa-Hotel startete es, seit 2013 ist es Teil der Maritim-Hotelgesellschaft. Die Hotelite-Gruppe kaufte 2016 das Haus am Rheinsberger See mit seinen 176 Zimmern, dem 2300 Quadratmeter großen Wellnessbereich und mitsamt Restaurant, Bistro, Bar.

Die schweren Zeiten sind vorbei, seit Anbeginn des Hafenhotels Rheinsberg kamen und gingen jedoch schon etliche Direktoren. Bleibt zu hoffen, dass die Begeisterung von Susan Fahrnholz anhält, ob bei Sonne oder Wolken. Gute Voraussetzungen bringt sie mit und einen klaren Blick fürs Wesentliche.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

24.11.2018
24.11.2018