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Rheinsberg Theater im Palais gastierte im Schlosstheater
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Theater im Palais gastierte im Schlosstheater
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13:05 19.11.2018
Die Schauspieler Gabriele Streichhahn, Carl Martin Spengler und Pianistin Ute Falkenau vom Berliner Theater im Palais gestalteten einen unterhaltsamen Nachmittag bei ihrem Gastspiel im Rheinsberger Schlosstheater mit einem Text von Erich Kästner Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Jammerschade. Nur 20 Zuschauer fanden am Sonntagnachmittag den Weg ins Schlosstheater Rheinsberg, wo einmal mehr das Ensemble des Berliner Theater im Palais gastierte. Schon mit dem Otto-Reutter-Programm hatte es vor einiger Zeit für einen vergnüglichen Abend gesorgt –am Sonntag war Kästner an der Reihe: Einer seiner zauberhaften Kinderromane, der aber dank des historisch-politischen Subkontextes auch bestens für Erwachsene geeignet ist.

„Der 35. Mai oder die Ringelhuth-Initiative“ wurde 1931 veröffentlicht. Es geht um Konrad, der einen Aufsatz über die Südsee schreiben muss –angeblich, weil er als Mathe-Crack zu wenig Fantasie habe und jener somit auf die Sprünge helfen soll. Konrad geht gerade mit seinem spleenigen Apotheker-Onkel Ringelhuth spazieren, als ihnen ein Pferd begegnet, das Strohhut trägt und freundlich fragt: „Haben Sie zufällig ein Stück Zucker dabei?“ Das kluge Tier – Negro Kaballo – kann auch Rollschuh laufen. Immerhin war es beim Zirkus, wurde aber entlassen. „Es geht den Menschen wie den Pferden“, lässt Kästner seinen Ringelhuth seufzen und schon hier wird wieder einmal klar: Kästners Bücher – auch die für Kinder – sind immer auch hochpolitisch. Kästner war ein Moralist und Gutmensch – im positiven Sinne. Er war, weil er seine Umwelt sehr genau betrachtete, auch ein Mahner – tat das aber stets mit leichter Hand und viel Humor. Wie eben im „35. Mai“. Nonsens? Keine Spur. Er war sogar ein Visionär, wenn man der Reise in die Südsee folgt, die das Trio antritt, nachdem das Pferd den Eingang im Schrank ohne Rückwand wusste.

Pianistin Ute Falkenau begleitete am Klavier. Quelle: Regine Buddeke

Viele Orte besuchen die drei: Das Schlaraffenland der Nichtstuer, die Burg zur großen Vergangenheit, wo die Kaiser und Feldherren weiter Krieg spielen –wenn auch mit Zinnsoldaten. Sie kommen in die verkehrte Welt, wo schlechte Eltern von Kindern in der Benimmschule umerzogen werden und staunen in Elektropolis über selbstfahrende Autos. „Eines Tages werden die Maschinen vielleicht denken, mit Sicherheit würden sie aber nie Fantasie haben“, ist es auf der Leinwand hinter den Mimen zu lesen, auf der wechselnde zauberhafte Illustrationen zu den Texten schillern. Abwechselnd lesen Carl-Martin Spengler und Gabriele Streichhahn – begleitet von Ute Falkenau am Klavier – das kleine feine Buch und lassen auf ganz wunderbare Art in Kästners Welt eintauchen. Die einem oft bekannt vorkommt. Nicht selten lacht das Publikum amüsiert.

Von Regine Buddeke

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