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Rheinsberg Ein Giraffe für Rheinsberg
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18:41 12.01.2020
Arbeit direkt im Baum: Der Rheinsberger Künstler Tony Torrilhon hat daraus eine Giraffe geschnitzt. Quelle: privat
Rheinsberg

„Das dünne Bein: Spätfolgen einer Poliomyelitis“ – so steht es auf einem kleinen Schild zu lesen – Tony Torrilhons feiner augenzwinkernder Humor. Schaden tut das etwas dünnere Bein der Giraffe jedenfalls nicht – sie steht stabil auf ihrem Metallsockel und zieht die Blicke aller auf sich, die vorbeigehen.

Und das sind in der Rheinsberger Schloßstraße nicht wenige. Gerade für Kinder ist das putzige – wenngleich übermannshohe – Tier ein Magnet. Und dabei hat es sogar den Kopf am Boden – würde sich die Giraffe aufrichten, würde sie dem Künstler, der sie schuf, locker in die Regenrinne gucken können.

So sah die abgebrochene Linde aus, als Tony Torrilhon sie fand. Quelle: privat

Tony Torrilhons Giraffe ist aus ganz besonderem Holz geschnitzt: Der Künstler, der viel in der Natur unterwegs ist, um geeignetes Totholz für seine Skulpturen zu finden, hat die Giraffe im April vergangenen Jahres gegenüber der Schlossgärtnerei entdeckt – einer von vielen Xavier-Opfern. „Ich habe die sechs Äste gesehen und sofort gedacht: Da muss ich was draus machen“, so der Bildhauer. Auch wenn Linde eigentlich zu weich ist.

Als Profi sah er sofort das Potenzial: Ein Baum, auf den Kopf gestellt – besser gesagt auf die Krone – das muss ein Tier werden. „Zuerst habe ich an einen Elefanten gedacht, vier Beine, Rüssel, Schwanz“, so Torrilhon, der hier wohl die spinnenbeinigen Elefanten Dalis vor Augen hatte.

Tony Torrilhon bei der Arbeit. Quelle: privat

Schnell verwarf er die Idee: „Nein, das ist zu grotesk“, sagt er. Sekunden später sah er die Giraffe vor sich. Er fuhr in den Berliner Zoo, studierte und zeichnete die großen Vierbeiner. Er überlegte, wie er sie am sichersten aufsockeln könnte, wo sie stehen soll. Er dachte an den Kreisel an der Straße nach Linow und Zühlen. Aber davon kam er rasch ab, je mehr die Giraffe Form annahm. „Die Auflagen waren eh zu hoch“, sagt er.

Bearbeitet hat er die Lindenkrone lange Zeit direkt vor Ort: mit Kettensäge, später mit Hammer und Stechbeitel, da ist er Experte. man kennt seine hölzernen Nixen am Bollwerk. Er hat die Linde – geschätzte 100 Kilo schwer – entrindet und entsplintet, bearbeitet und weiß lackiert. Er hat dem Tier Mähne und Schwanz in Form von hunderten kleinen Holzästchen spendiert – allein am Hals sind es mehr als hundert, die er alle einzeln mit Schrauben befestigt hat. Und wie kommt der Riese nun in die Schloßstraße, vor Torrilhons Atelier-Galerie?

Viel Arbeit haben Hals und Schwanz gemacht – der vielen kleinen Borsten wegen. Quelle: privat

„Der Baumkletterer Oliver Maronde hat mir den Tipp gegeben, dass man sie mit vier Leuten tragen kann“, ist Torrilhon dankbar. Der Chef eines Rheinsberger Baumarktes hat ihm für die finalen Arbeiten – die Punkt-Malerei etwa – seine Halle angeboten und später per Anhänger und Kran beim Transport geholfen.

„Das war eine aufregende Operation – mein Herz hat geklopft wie verrückt, als die Giraffe am Kranhaken schwebte“, erinnert sich der Künstler.Das war am 20. Dezember. Drei Wochen steht sie nun schon dort und Torrilhon freut sich über das Feedback, das er für das lustige Tier vor seiner Tür erhält.

Viel Feinarbeit war nötig. Quelle: privat

Steht es da auch sicher? Die Giraffe sei durch seine Haftpflichtversicherung abgesichert, so Torrilhon. Ungeachtet dessen hat er Unmengen von statischen Skizzen gemacht und sich genau überlegt, wie er die Skulptur sicher und fest zusammenbauen kann.

Von der Stadt habe er die Genehmigung erhalten, dass die Giraffe bis zum 31. Januar dort verbleiben dürfe. Und dann? „Ich hoffe, dass sie noch länger dort bleiben kann. Die Leute gucken und freuen sich – die Giraffe ist eine Bereicherung für Rheinsberg“, sagt der 88-Jährige, der einst aus Paris kam, in Berlin Kunst studierte und später in Rheinsberg seine Wahlheimat fand. Er will im Ordnungsamt um eine Verlängerung anfragen.

Ein Passant an der Giraffe vor Torrilhons Atelier. Quelle: Regine Buddeke

Von Regine Buddeke

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