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Rheinsberg Unda Hörner las aus „1919 – Das Jahr der Frauen“
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16:18 25.01.2019
Unda Hörner las im Rheinsberger Tucholsky-Literaturmuseum. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

 Hundert Jahre her und trotzdem aktuell: Gerade debattiert Brandenburg als allererstes Bundesland überhaupt über eine gesetzliche Frauenquote für die Wahlen – der mehrheitlich akzeptierte Entwurf wird demnächst in den Landtag eingebracht.

Noch vor einem Jahrhundert sah die Gleichberechtigung von Mann und Frau deutlich blasser aus: Bis dato durfte das vermeintlich „schwache Geschlecht“ noch nicht einmal wählen.

Die Schriftstellerin Unda Hörner hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben und pünktlich zu Beginn des Jahres 2019 ihr Buch „1919 – das Jahr der Frauen“ herausgebracht: Ein Kaleidoskop der damaligen Zeit – anhand von zwölf mehr oder weniger bekannten Protagonistinnen aus Kunst, Wissenschaft, Kultur und Politik. Am Donnerstagabend las sie daraus – vor knapp 20 Zuhörern im Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum.

Das Jahr 1919 – aus der Perspektive von zwölf Protagonistinnen beleuchtet

„Nein, es wird kein politischer Abend“, eröffnet sie lächelnd. Sie habe sich 12 Frauen ausgewählt, die im Jahr 1919 eine biografische Sternstunde erlebt haben. Etwa die Dichterin Else Lasker-Schüler, deren erstes Theaterstück endlich uraufgeführt wurde, nachdem es zehn Jahre in einer Schublade dahindämmern musste.

Es geht um die Physikerin und Chemikerin Marie Curie, eine Nobelpreisträgerin und Radiologie-Pionierin, die einen mobilen Röntgenwagen entwickelte. Und in einem anderen Kapitel um eine Pädagogin der 1919 in Stuttgart eröffneten ersten Waldorfschule Deutschlands.

Auch Glamour ist im Buch enthalten: Die Mode-Ikone Coco Chanel hat 1919 die Formel für ihr legendären Parfüm Chanel No. 5 erworben. Oder die Amerikanerin Sylvia Beach: Sie eröffnete 1919 die erste englischsprachige Leihbücherei und Buchhandlung „Shakespeare and Company“ in Paris.

Es geht um Frauen, die 1919 Schicksals- oder Sternstunden erlebten

Mit einem Silvesterböllerauftakt beginnt die Autorin: Es ist der Start des Jahres, in dem Frauen erstmals wählen gehen dürfen. Jedoch der Januar ist eher ein trauriger Jahresbeginn – Rosa Luxemburg, die erste Heldin des Buches, wird gemeinsam mit anderen Spartakisten ermordet.

Unda Hörner verwebt ihre realen Figuren zu einem dichten Teppich an Charakteren, Schicksalen, Begegnungen, zu einem Sittengemälde dieser unruhigen und Aufbruchszeit nach dem ersten Weltkrieg.

Sie liest von Käthe Kollwitz, die 1919 als erste Frau an die „Preußische Akademie der Künste“ berufen und zur Professorin ernannt wird – der Frau, die dem Proletariat und der Armut ein Gesicht gab und mit dem Zyklus „Die Weber“, an dem sie vier Jahre arbeitete, berühmt wurde. Der Frau, über die Kaiser Wilhelm II. höhnte, sie würde „Rinnsteinkunst“ betreiben – er verweigerte ihr eine Medaille mit der Begründung, so etwas gehöre an eine Männerbrust. So viel zum Thema Gleichberechtigung vor 100 Jahren.

Bekannte Namen: Rosa Luxemburg, Käthe Kollwitz, Coco Chanel und Marie Curie waren Inspiration für Kapitel

Auch Hannah Höch, der dadaistischen Collage-Künstlerin widmet Hörner ein Kapitel, sie liest über deren Ménage à trois mit dem Dadasophen Raoul Hausmann – aufschlussreich und durchaus witzig. Und überaus beeindruckend, wie sich die vielen Puzzleteilchen miteinander zu einem Bild verweben – immer wieder finden sich Querbezüge zwischen den zwölf Zeitgenossinnen.

Unda Hörner überlässt Kurt Tucholsky das letzte Wort: „Rechts: Reaktion / links: Bolschewistenhorden. Bleibt, in der Mitte schließlich – nur die Frau.“ heißt es in dessen Gedicht „Guten Morgen“.

Womöglich ein Leitspruch, den man in die auch in heutigen Merkelzeiten noch immer männerdominierte Politik immer wieder einbringen sollte.

Von Regine Buddeke

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