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Rheinsberg Fontanes märkische Prinzessin Goldhaar
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Fontanes märkische Prinzessin Goldhaar
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00:22 09.07.2019
Erstrahlt dank bürgerschaftlichen Engagements wieder im neuen Glanz: Das Gutshaus Köpernitz, Gartenseite. Quelle: Robert Rauh
Köpernitz

Mit Köpernitz hatte Fontane zunächst kein Glück. Dabei hatte der Autor sich redlich um einen Kontakt bemüht. Empört schrieb er seiner Schwester Elise im Sommer 1859, dass er „Mitteilungen von Herrn von Zeuner“, dem damaligen Gutsbesitzer, nicht mehr erwarte. Diese Herren seien „alle noch wie die Nachtwächter und scheinen nicht mal zu wissen, dass ein Gentleman auf den Brief eines Gentleman wenigstens antwortet“.

Dass der damals noch unbekannte Dichter keine Antwort erhielt, könne auf die Abwicklung der Erbschaft zurückzuführen sein, vermutete Bernd Donner, Chef des Köpernitzer Kulturgutshaus-Vereins. Im Mai 1859 war Zeuners Tante, die Gräfin Karoline de La Roche-Aymon (1771–1859), gestorben, die ihm zuvor ihr Gut Köpernitz vermacht hatte.

Wie ein goldener Mantel

Als Fontane für die „Wanderungen“ zu recherchieren begann, lebte die Gräfin noch. Er hätte sie also treffen können. Angesichts ihres hohen Alters muss jedoch bezweifelt werden, ob sie ihn so empfangen hätte, wie der Dichter es sich ausmalte: „[N]och in späteren Jahren wusste die Gräfin es einzurichten, dass etwa eintreffender Besuch sie womöglich im Négligé überraschen und das Haar bewundern musste“.

Ging als "Prinzessin Goldhaar" in die Geschichte ein: Karoline des La Roche-Aymon, zeitgenössisches Gemälde. Quelle: Kulturgutshaus

Und wenn sie ihr blondes Haar auflöste, fiel es bis zu den Knien herab und umhüllte sie „wie ein goldener Mantel“. Er kam nicht umhin, Karoline fontanisch zu adeln. Als „Prinzessin Goldhaar“ ist sie sowohl i den ersten „Wanderungen“-Band (1862) als auch in die Romane „Vor dem Sturm“ und „Der Stechlin“ eingegangen.

„Die Rochemonds“ am Rheinsberger Musenhof

Dabei stand zunächst ihr Mann im Fokus des Wanderers: Graf Charles de La Roche-Aymon. Dem französischen Emigranten war es 1793 gelungen, die Gunst des Prinzen Heinrich zu erlangen und dessen Adjutant zu werden. Zwei Jahre später heiratete er Karoline von Zeuner und zog mit ihr nach Rheinsberg. Anschaulich beschreibt Fontane, wie das illustre Paar Heinrichs Musenhof zu bereichern verstand.

Gutshaus Köpernitz, Vorderfront, Fontanes Skizze von 1873. Quelle: Digitale Notizbuchedition

Offenbar ließ sich der Hausherr auch nicht von Neidern irritieren, die versuchten, „die Rochemonds“ als gierig und intrigant zu verunglimpfen. Sogar Karolines Affäre mit Prinz Louis Ferdinand, dem preußischen Apoll, hatte kein Nachspiel. Kurz vor seinem Tod überschrieb der Prinz seinem Adjutanten das fünf Kilometer entfernte Gut Köpernitz, das für „Prinzessin Goldhaar“ – nach der Trennung 1826 von Charles – zum Alterssitz wurde.

Erst sollte Fontanes Schwester nach Köpernitz

Für sein Kapitel über die La Roche-Aymons wollte Fontane natürlich Köpernitz besuchen. Weil aber ihr Erbe auf seine Anfrage nicht reagierte, hatte Fontane offenbar auch keine Motivation, ohne Anmeldung am Gutshaus zu läuten.

Dennoch wollte er seinen Lesern zumindest „ein Bild der Lokalität“ vermitteln. Also musste seine Schwester hin. Detailliert listete Fontane auf, was Elise sich „scharf“ ansehen sollte. „Zehn bis zwölf Zeilen sind genug, aber es muss ein anschauliches Bild geben“, gab er vor.

Ist auf dem Waldfriedhof Köpernitz beerdigt: Grabkreuz von "Prinzessin Goldhaar". Quelle: Robert Rauh

Warum Elise den Auftrag letztlich nicht erfüllte, ist unklar. Fontane selbst suchte Köpernitz erst im September 1873 auf, als er für die Überarbeitung des ersten „Wanderungen“-Bandes wieder unterwegs war. Köpernitz wurde dann in die dritte Auflage (1875) aufgenommen. Dass er vor Ort war, belegt auch eine Skizze des Gutshauses. Sie ist die älteste Ansicht des Gebäudes – und nur in Fontanes Notizbuch zu finden.

Die Autoren: Gabriele Radecke & Robert Rauh

Gabriele Radecke, geboren 1967, studierte Germanistik, Politik- und Rechtswissenschaft und promovierte zu Fontane. Sie ist Trägerin des Preises des Stiftungsrates der Universität Göttingen. Seit 2010 leitet sie die von ihr gegründete Fontane-Arbeitsstelle der dortigen Universität. Seit 2010 ist sie Mitherausgeberin der „Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe“ und hat gerade sämtliche Notizbücher Fontanes digital ediert. Die digitalen Notizbücher kann man hier einsehen.

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2017 veröffentlichte er sein Buch „Fontanes Fünf Schlösser“, 2018 „Fontanes Frauen“, in denen er die Werke Fontanes unter die heutige Lupe nimmt. Gerade ist sein neues Buch „Fontanes Ruppiner Land“ erschienen. Weitere Rechercheergebnisse und Ausflugstipps gibt es hier.

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Von Gabriele Radecke und Robert Rauh

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