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Rheinsberg So reimte man damals in Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg So reimte man damals in Rheinsberg
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12:19 02.09.2019
Schloss Rheinsberg vom Obelisken aus gesehen. Quelle: Robert Rauh
Rheinsberg

Der erste Satz ist ein Tourismuskiller. Ausgerechnet Fontane, der die Hauptstädter nach Brandenburg locken wollte, eröffnet sein Kapitel über die Perle der Mark mit dem Reisehinweis: „Rheinsberg von Berlin aus zu erreichen ist nicht leicht. Die Eisenbahn zieht sich auf sechs Meilen Entfernung daran vorüber.“

Der Einstieg lässt sich auch als indirekter Appell verstehen, eine bessere Bahnverbindung herzustellen. Das hat Fontane – langfristig gesehen – erreicht. Noch nie war man mit der Eisenbahn schneller in Rheinsberg: Neunzig Minuten dauert die Fahrt. Wenn alles glatt läuft!

Schloss Rheinsberg im Mondlicht. Quelle: Robert Rauh
Rheinsberg in Fontanes Notizbuch von 1861. Quelle: Digitale Notizbuchedition

In Rheinsberg selbst ist der Wanderer voll des Lobes: Die Naturschönheiten seien „nicht verächtlich“ und die historischen Erinnerungen „ersten Ranges“. Tatsächlich punktet Rheinsberg noch immer mit seiner malerischen Lage am Grienericksee, weil sich hier Natur, Architektur und Kunst zu einem einzigartigen märkischen Ensemble verbinden. Nirgendwo sonst – von Potsdam einmal abgesehen – wird ein Ausflug ins 18. Jahrhundert so plastisch wie in Rheinsberg.

Und was Fontane beschrieb, ist auch heute noch zu besichtigen: das von Friedrich II. und seinem jüngeren Bruder Heinrich in ein Musenhof verwandelte Schloss, die Kirche und der Park mit seinem berühmten Obelisken. Selbst der Ratskeller – wenn auch nicht im Original. Hier gibt es „Altbrandenburgischen Schmorbraten“, der in der Speisekarte als, „Fontanes Leibgericht im Ratskeller Rheinsberg“ ausgewiesen wird, obwohl der Dichter, glaubt man seinen „Wanderungen“, hier nur ein „solennes Frühstück“ eingenommen hat.

Machte seinem Namen alle Ehre: Ratskeller Rheinsberg, Postkarte um 1910. Quelle: Ruppiner Regionalverlag

Rheinsberg, das Fontane bereits aus Kindheitstagen durch die Erzählungen seines Vaters Louis Henri vertraut war, gehört von Anfang an zu seinen Ruppiner Leuchttürmen. Unmittelbar nach seiner ersten „Wanderungen“-Reise im Juli 1859 erschien eine vierteilige Rheinsberg-Serie in einer Zeitung. Zur Vorbereitung für den ersten „Wanderungen“-Band, in dem Rheinsberg ein umfangreiches Kapitel erhielt, besuchte Fontane am 29. Mai 1861 erneut die Kleinstadt.

In mehr als einer Beziehung ein „interessanter Bau“: Rheinsberger Kirche, Kupferstich, um 1830. Quelle: SPSG

Dank eines Briefes an seine Frau Emilie wissen wir, wen Fontane begleitete: Verleger Wilhelm Hertz, Verlagsbuchhändler Adolf Enslin sowie seine Schwester Elise. Die kleine Reisegruppe kam im Übrigen nicht umständlich mit dem Zug aus Berlin, sondern „von dem nur drei Meilen entfernten Ruppin“.

Die elf erhaltenen Notizbuchseiten über Rheinsberg von 1861 enthalten vorrangig Informationen über die Rheinsberger Kirche, die der Wanderer „in mehr als einer Beziehung“ für einen „interessanten Bau“ hält. Innen krittelt er wie gehabt.

Die Rheinsberger St. Laurentius Kirche. Quelle: Robert Rauh

Gleich auf der ersten Seite im Notizbuch beschreibt er ein „Monument“, das er im Vorbau der Kirche entdeckt hat: „Wie eine große Truhe, oder wie ein umgestürzter alter Bauer-Kachelofen“. Etwas abgeschwächt gelangt die Charakterisierung dann in die „Wanderungen“. Zusammen mit der notierten Inschrift auf dem Grabmal, das Prinz Heinrich für seinen Violinisten Ludwig Christoph Pitschner errichten ließ.

Fontane liefert dem Leser auch eine Übersetzung. „Dem Tode gehört der letzte Sieg, / Und die Muse weint an meinem Grab“, lauten die letzten Zeilen. Trocken kommentiert der Dichter: „So reimte man damals in Rheinsberg.“

Die Autoren: Gabriele Radecke & Robert Rauh

Gabriele Radecke, geboren 1967, studierte Germanistik, Politik- und Rechtswissenschaft und promovierte zu Fontane. Sie ist Trägerin des Preises des Stiftungsrates der Universität Göttingen. Seit 2010 leitet sie die von ihr gegründete Fontane-Arbeitsstelle der dortigen Universität. Seit 2010 ist sie Mitherausgeberin der „Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe“ und hat gerade sämtliche Notizbücher Fontanes digital ediert. Die digitalen Notizbücher kann man hier einsehen.

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2017 veröffentlichte er sein Buch „Fontanes Fünf Schlösser“, 2018 „Fontanes Frauen“, in denen er die Werke Fontanes unter die heutige Lupe nimmt. Gerade ist sein neues Buch „Fontanes Ruppiner Land“ erschienen. Weitere Rechercheergebnisse und Ausflugstipps gibt eshier.

Lesen Sie dazu auch:

Fontanes Wanderungen müssen neu bewertet werden

Lesen Sie dazu aus unserer Reihe „Wandern nach Fontanes Notizen“:

Meseberg in Fontanes Notizbüchern

Gentzrode – ein ungewöhnliches Gut

Brunn – Die fehlende Stufe

Garz – Ein Unikat

Gransee – Fontanes Zwangsaufenthalt

Köpernitz – Fontanes märkische Prinzessin Goldhaar

Ganzer – Die „Zweiteilung“ eines Ortes

Molchow – Der groteske Glockenturm

Neustadt – Die „langweilige“ Kirche

Wusterhausen – St. Peter und Paul

Trieplatz – Die Trinität von Trieplatz

Tramnitz – Nicht viel Poesie

Lindow – Der letzte Schlummer

Ebenfalls finden Sie hier auch unsere Reihe „Fontanes vergessene Orte“:

Wulkow – ersatzlos gestrichen

Wildberg – das Dorf mit dem höchsten Kirchturm

Wie Bechlin in den Bann geriet

Buskow Trauma des Husarengenerals Zieten

Kampehl – Ritter Kahlbutz spukte auch bei Fontane

Wuthenow – Fontanes Dichtung und Wahrheit

Barsikow – Der Streit um das Luch

Binenwalde – Der Dichter und die schöne Sabine

Von Gabriele Radecke und Robert Rauh

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