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Ostprignitz-Ruppin King Kater von Schloss Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin King Kater von Schloss Rheinsberg
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17:39 10.04.2018
Schlosskater Sheldon mit seinem Besitzer Markus Kersten.
Schlosskater Sheldon mit seinem Besitzer Markus Kersten. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Wann immer er sich in „seinem Schloss“ blicken lässt, ist er der King. Viele gucken ihm fasziniert hinterher, etliche andere wollen ihn sogar streicheln, kuscheln, kraulen.

Meist lässt er es huldvoll geschehen – Sheldon scheint genau zu wissen, dass er ein kleiner Star ist. 6300 Freunde hat er auf Facebook – für einen Kater ist er schon eine Berühmtheit.

Wo er auftaucht wird er beachtet, bestaunt, bekuschelt oder fotografiert: Kater Sheldon ist der König des Rheinsberger Schlossparkes – sein Revier reicht von der Egeria-Grotte bis zum Obelisken. Auf seiner Facebook-Seite hat er mehr als 3000 Freunde und trägt so zum Lokalkolorit der Prinzenstadt bei

Sheldon, fast sechs Jahre alt, mit flauschig-weichem, zimtfarbenen Fell ist die Attraktion im Rheinsberger Schlosspark, den er zu seinem Revier auserkoren hat. Nicht selten begleitet das neugierig-offenherzige Tier im Sommer die ein oder andere Reisegruppe – bis nach Warenthin ist er schon mitgelaufen. Die Schlossparkführer und auch die Nachtwächter kennen ihn bereits und weisen auf die „Rheinsberger Schlosskatze“ hin.

Zu Hause, in der Familie des Mediziners Markus Kersten, wird Sheldon auch schon mal Schloss-Katzi gerufen. „Im November 2012 haben wir beschlossen, dass wir eine Katze brauchen“, erklärt Markus Kersten, wie Sheldon in die Familie kam.

Sogar die Allergikerin liebt Sheldon

Es gab ein Problem: Seine Frau Anne-Rose ist gegen Katzen allergisch. „Zumindest auf die kurzhaarigen“, erklärt sie. Sheldon – eine Mischung aus Maine Coon und Norwegischer Wildkatze – hat langes Haar. „Und bei ihm hatte ich keine Probleme.“

Denn das, was gemeinhin als Katzenhaarallergie bezeichnet wird, ist eine Überreaktion auf ein bestimmtes Protein im Speichel der Katzen, und liegt gar nicht am Haar, klärt sie auf. Sheldon jedenfalls scheint für Allergiker kein Problem zu sein.

Sheldon ist schon eine Schönheit Quelle: Regine Buddeke

„Wir haben uns bei der Züchterin den ganzen Wurf angeschaut. Seine Geschwister haben sich alle an uns rangeschmissen – nur Sheldon hat bloß überlegen geguckt. Daraus entstand sofort Zuneigung“, sagt Markus Kersten. Natürlich war auch die schöne Fellfarbe ein Grund. „Da war aber an seine Karriere noch gar nicht zu denken.“

Anfangs war er ein reiner Stubentiger

Anfangs war Sheldon eine reine Stubenkatze – „pflegeleicht und stubenrein“, erinnert sich Herrchen. „Er hat in meine Handfläche gepasst.“ Er sei sehr empathisch: „Merkt immer, wenn es einem schlecht geht und kommt dann zum Kuscheln.“ Auch die beiden Schwangerschaften seines Frauchens habe der Kater immer als erster bemerkt. Er war allerdings danach immer etwas verunsichert, ob er nun immer noch der Liebling ist.

„Er hat uns dann immer besonders viele Präsente von seinen Streifzügen mitgebracht – auch lebende“, schmunzelt Anne-Rose Gerlach. Das eine Mal wird sie nie vergessen. „Er mauzt, will rein. Ich öffne die Verandatür, da sitzt Sheldon und neben ihm eine völlig paralysierte Maus, die mich schwer atmend anschaut.“

Der Star-Kater schaut immer in die Kamera

Ansonsten sei Sheldon auch eine kleine Diva. „Er schaut immer genau in die Kamera“, sagt Markus Kersten. Als wisse er genau, dass er ein Tier ist, das bei allen Begeisterung auslöst.

Auch eine königliche Nonchalance scheint ihm zu eigen – wie viele Katzen. „Er weicht auch nicht vor Hunden zurück – er weiß, er ist der Chef. Und bleibt ganz lässig sitzen“, hat Markus Kersten oft genug erlebt. Dafür sei er aber auch sanft zu den Kindern. „Wenn die zu doll an ihm zerren, zieht er sich zurück, statt zu kratzen“, lobt sein Frauchen.

Dass Sheldon eine Facebook-Seite hat, ist schnell erklärt. Mit Geltungssucht der Familie hat es weniger zu tun, eher mit Pragmatismus. „Das ist der Ersatz für eine GPS-Anlage – die kann man ja an einem Kater schwer befestigen“, sagt Markus Kersten.

Viele Rheinsberg-Besucher posten Sheldon-Fotos auf Facebook

Einmal, als Sheldon ein paar Tage verschwunden war, habe man die Seite eingerichtet – als digitale „Wanted“-Alternative. Der Kater kam von allein zurück – seine Seite avancierte zum Renner. Und verselbstständigte sich. „Jetzt kriegen wir immer Fotos auf die Seite gepostet und wissen, dass es Katzi gut geht.“ Wenn der mal wieder marodiert.

„Früher haben ihn die Leute immer beim Arzt abgegeben, wenn er ihnen über den Weg lief“, erinnert sich Markus Kersten. „Wir waren Stammgast in der Praxis.“ Deswegen hat Sheldon jetzt auch ein Halsband mit Anhänger, in dem seine Kontaktdaten stehen. „Lassen Sie mich bitte im Park“, steht da zu lesen. „Komischerweise verschwinden die Anhänger immer – wir haben die schon in Reserve vorrätig“, amüsiert sich Markus Kersten über die Souvenir-Affinität der Touristen.

Viele posten aber auch auf seiner Seite – Leute aus aller Welt. Sheldon hat Fans in Israel und Japan, Frankreich, Österreich und New York. „Er hat auch schon eine Postkarte aus Dresden bekommen, von einer Frau, deren Gruppe er bei der Schlossparkbesichtigung begleitet hatte.

Manchmal kehrt der Kater im „Seehof“ ein

„Die Frau hat uns später ausfindig gemacht und sich für die nette Begleitung bedankt“, sagt Markus Kersten. Sheldon sei halt gesellig und unternehmungslustig. Seine Lieblingsplätze sind die Uferpromenade, der Obelisk am anderen Ufer oder die Egeria-Grotte. Manchmal kehrt er im „Seehof“ ein oder schaut beim Geigenbauer vorbei.

„Er scheint Musik zu mögen“, schmunzelt Markus Kersten, der in der Rheinsberger Musikszene bekannt wie ein bunter Hund ist. „Aber zu Hause nicht – die Kinder haben Ukulelen. Das interessiert ihn weniger. Das kann an der Qualität liegen“, witzelt er.

Schlosskater Sheldon in Aktion. Quelle: Regine Buddeke

Dafür lässt sich Sheldon oft bei den Kammeroper-Proben blicken – nicht selten weht da sein zimtfarbener Schwanz durch die Hecken. „Ich warte nur drauf, dass er mal bei ner Premiere mitten auf der Bühne sitzt“, sagt Anne-Rose Gerlach augenzwinkernd.

Sie kennt ihren Kater. Bei Premierenpartys war der „Prinz“ jedenfalls schon dabei, so wird berichtet. Nur eine Partnerin sucht er nicht. „Unser Schloss-Kater lebt im selbstgewählten Zölibat – nur für den Park und die Kunst“, verraten seine Besitzer.

Für Markus Kersten erfüllt die Facebook-Seite des Katers auch einen lokalpolitischen Zweck. „Das ist ehrenamtliches Regional-Marketing“, sagt er. Der Kater sei quasi Lokalpatriot und steht für alles, was Rheinsberg positiv darstellt.“

Auf der Internetpräsenz von Rheinsberg werde er unter den lokalen Berühmtheiten geführt: „Unter Friedrich, Prinz Heinrich und Tucholsky“, erzählt sein Herrchen stolz. „Sheldon liest gerne Zeitung“, sagt er. Zumindest liegt er gern darauf. „Das muss er dann auf Facebook teilen.“ Etwa die MAZ-Seite „Rheinsberg damals und heute“, hat der Kater respektive Herrchen gepostet.

Ein Bild wie aus dem Bilderbuch: Sheldon vor Schloss Rheinsberg Quelle: Regine Buddeke

Auch dass er im Moment sehr traurig sei, dass sein Lebensretter gerade seinen Job verloren hat, erzählt Markus Kersten und bezieht sich auf den jüngst entlassenen Bauhof-Chef. „Der hat Sheldon vor ein paar Jahren das Leben gerettet, als der Kater angefahren wurde“, erzählt seine Herrchen.

„Er hat ihn gefunden und uns sofort angerufen – ohne ihn wäre Sheldon jetzt tot.“ Nicht auszudenken! – für seine Familie, die vielen Facebook-Follower und alle Touristen, die jetzt wieder zunehmend den Schlosspark bevölkern. Und sich an dem königlichen Kater erfreuen.

Von Regine Buddeke