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Ostprignitz-Ruppin Auf den Spuren einer verlorenen Sammlung
Lokales Ostprignitz-Ruppin Auf den Spuren einer verlorenen Sammlung
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14:07 27.02.2015
Leuchtturm: Museum und Kloster Stift zum Heiligengrabe strahlen weit über die Region hinaus. Quelle: MAZ

MAZ: Wie bewerten Sie den Preis für Ihre Arbeit in Heiligengrabe?

Sarah Romeyke: Es freut mich natürlich sehr und zeigt nicht zuletzt, dass sich unsere Bemühungen der letzten Jahre, der Tätigkeit des heutigen Museums mehr Kontinuität zu geben, richtig waren und sich auch gelohnt haben. Der Preis für ein Forschungsvorhaben zur Geschichte des Museums ist Beleg dafür, dass das Museum auch außerhalb der Stiftsmauern wahrgenommen und seine überregionale Bedeutung erkannt wird. Damit sind auch zukünftig Erwartungen an die Qualität unserer Museumsarbeit verbunden.

Mit dem Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro erhalten Sie die Möglichkeit, in den kommenden drei Jahren eine neue Ausstellung für Heiligengrabe vorzubereiten.

Romeyke: Die Erforschung der Sammlung des alten Heimatmuseums ist Kern des ausgezeichneten Projekts und wird später ein Baustein innerhalb der neu zu konzipierenden Dauerausstellung sein. Diese soll die gesamte Geschichte des Klosters und Damenstifts Heiligengrabe widerspiegeln.

Worum geht es konkret?

Romeyke: Das Forschungsprojekt und das damit verbundene Ausstellungsvorhaben widmet sich dem ehemaligen Museum in Heiligengrabe. Unser Ziel ist es, dem Charakter dieser Institution, den Motivationen seiner Gründer und Betreiber wie auch dem Umfang und der Eigenart seiner Sammlung auf die Spur zu kommen. Wir wollen analysieren, welcher Natur seine wissenschaftliche und pädagogische Arbeit war und welche Ideen die mitunter sehr zwiespältig erscheinenden Akteure über die Jahrzehnte der Existenz des Museums geleitet haben.

Das Heimatmuseum existierte zwischen 1909 und 1947. Welchen Stellenwert nahm es damals in Brandenburg ein?

Romeyke: Die Ausstrahlung und Bedeutung der Heiligengraber Sammlung war bereits kurz nach seiner Gründung 1909 sehr groß. Die Gründer Paul Quente und Äbtissin Adolphine von Rohr verstanden es binnen kürzester Zeit, zusammen mit dem Museumsverein im Stift eine wissenschaftlich anerkannte Plattform für die vor- und frühgeschichtliche Forschung in der Ostprignitz zu installieren. Dutzende von Grabungen in der Region, die wissenschaftliche Auswertung in den Fachjournalen, die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift und die Präsentation der Objekte in der Heiligengraber Museumssammlung waren Bestandteile einer fundierten und überregional geachteten Arbeit des Museums.

Die alte Sammlung des Heiligengraber Museums ist aufgelöst und der Verbleib nicht vollständig geklärt. Geht es Ihnen um eine Rückführung der Objekte?

Romeyke: Nein. Das möchte ich ausdrücklich betonen – es geht uns nicht um eine Rückführung der Objekte. Allerdings wären wir über die eine oder andere Leihgabe in die geplante Dauerausstellung natürlich dankbar.

Mit welchen Partnern werden Sie zusammenarbeiten?

Romeyke: Geplant ist etwa eine Kooperation mit den Museen in Pritzwalk, Perleberg und Wusterhausen und vor allem mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum in Wünsdorf. Dort ist heute ein Großteil der ehemaligen Heiligengraber Bodenfunde aufbewahrt. Ein Teil der Preissumme ist schließlich als Anschubfinanzierung einer Hochschularbeit vorgesehen. Diese wird die wissenschaftliche Erschließung dieses größten zusammenhängenden Komplexes in Wünsdorf zum Thema haben.

Unbequeme und kritische Fragen zur eigenen Geschichte des Museums sollen laut Ausschreibungstext der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gestellt werden.

Romeyke: Unbequem ist natürlich immer die Frage nach der Rolle eines Museums während der Zeit des Nationalsozialismus. Auch die Geschichte unseres Museums ist in dieser Zeit alles andere als frei von ideologischer Indoktrination. Gerade auf dem Gebiet der Vor- und Frühgeschichte – Stichwort Germanen – trieb diese in Heiligengrabe, aber auch in ganz Deutschland, krude Blüten. Hier wollen wir ansetzen und die Arbeit des Museums im Kontext der Zeit und auch seine Besonderheiten herausarbeiten. Dabei spielt besonders die Tätigkeit der Stiftsdame Annemarie von Auerswald eine Rolle. Sie war zu dieser Zeit Leiterin des Museums.

Ist es für eine Einrichtung wie das Kloster heute einfach, beim Blick zurück eine kritische Position zu Verhaltensmustern während der Zeit des Nationalsozialismus einzunehmen?

Romeyke: Das Kloster Stift hat heute ein völlig anderes Selbstverständnis, von dem aus es sich sehr viel leichter zurückblicken lässt. Auch hat man sich bereits im Rahmen der jüngsten Ausstellung sowie der gleichnamigen Publikation „Preußens Töchter. Die Stiftskinder von Heiligengrabe 1847-1945“ sehr kritisch mit seiner Rolle während des Nationalsozialismus auseinandergesetzt.

Erwarten Sie Widerstände vor Ort bei der Recherche?

Romeyke: Nein, die sehe ich eigentlich nicht. Zumal es heute fast jedem Museum zum Selbstverständnis geworden ist, sich Klarheit über die Herkunft seiner Bestände und auch den Charakter seiner Arbeit in früheren Zeiten zu verschaffen.

Die Dauerausstellung „Vom Nonnenchor zum Damenplatz“ ist derzeit nicht öffentlich zugängig. Wie reagieren die Besucher darauf?

Romeyke: Alle, die die Ausstellung im Stiftshauptmannshaus kannten, sind natürlich enttäuscht, dass sie geschlossen wurde. Aber in Zukunft wird es eine Dauerausstellung in der Abtei – dem historisch bedeutsamsten Teil des Stifts – geben. Daneben bleibt natürlich das Bewusstsein um die dringende Notwendigkeit nach Sonderausstellungsflächen, auf denen man immer wieder auch aktuelle Fragen diskutieren kann. Ohne diese Möglichkeit hat jegliche weitere Museumsarbeit keine Zukunft. In dieser Frage wird sich das Kloster Stift künftig noch deutlicher positionieren müssen.

Wann wird diese Schau wieder aufgebaut?

Romeyke: Für das Kloster Stift ist die Neueinrichtung einer Ausstellung, ganz abgesehen von den baulichen Anforderungen, finanziell, personell als auch logistisch ein enormer Kraftakt. Ein Zeitraum von mindestens drei Jahren ist wohl zu veranschlagen. Dann aber wird die Ausstellung umfangreicher und mit neuen Erkenntnissen und musealen Inszenierungen bereichert sein und auch das Publikum noch mehr überzeugen.

Interview: Christamaria Ruch

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