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Ostprignitz-Ruppin Schöner Grillabend endete mit einer Tragödie
Lokales Ostprignitz-Ruppin Schöner Grillabend endete mit einer Tragödie
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00:48 20.04.2018
Das Opfer: Jutta K. im November 2016.
Das Opfer: Jutta K. im November 2016.  Quelle: Christian Schmettow
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Alt Ruppin

 Die Staatsanwaltschaft Neuruppin will zwar weiterhin keine Details preisgeben, wie die Alt Ruppiner Vermieterin Jutta K. (61) in der Nacht zum Donnerstag ums Leben kam. Doch hat die langjährige Bootsvermieterin am Donnerstag wohl zunächst den lauen Sommerabend genossen – beim Grillen mit Friedrich-Wilhelm K. Das habe sie einer Freundin gegen 22 Uhr telefonisch mitgeteilt, sagte Alt Ruppins Ortsvorsteherin Heidemarie Ahlers am Dienstag. Ob und warum es dann zum für Jutta K. tödlich endenden Streit kam, ist indes weiterhin offen. Friedrich-Wilhelm K. hat sich zwar nach vier Tagen Flucht am Montagabend mit einem Anwalt in der Polizeiwache in Eberswalde (Barnim) gestellt. Doch der 39-Jährige schweigt zu den Mordvorwürfen.

Mit dem Auto des Opfers geflüchtet

Klar ist, dass K. noch in der Nacht mit dem Auto der langjährigen Bootsvermieterin geflüchtet ist. Das Auto, ein grüner VW T4, war am Montag von einem Zeugen am Bahnhof in Dresden-Neustadt entdeckt worden, der sofort die Polizei alarmierte. Von Friedrich-Wilhelm K. fehlte jedoch zunächst jede Spur. Der Verdächtige meldete sich erst gegen 19.30 Uhr mit seinem neuen Anwalt bei der Polizei in Eberswalde.

Das Fluchtauto: Der T4 wurde am Montag in Dresden gefunden. Quelle: Polizei

„Ich bin froh, dass man den Mann endlich hat“, sagte Heidemarie Ahlers. Am meisten interessiert die Ortsvorsteherin, was bei den Mordermittlungen herauskommen wird. Ahlers befürchtet, dass der Verdächtige nicht viel sagen wird – auch weil er sich in Begleitung eines Anwalts gestellt hat. In der Tat hat K. vorerst jede weitere Aussage verweigert. Er wurde am Dienstag dem Haftrichter am Amtsgericht Neuruppin vorgeführt, der den Haftbefehl wegen Mordverdachts verkündete. Danach wurde K. in die JVA nach Wulkow gebracht.

Der Anwalt kannte Friedrich-Wilhelm K. zuvor nicht

Auch Henry Schlenker, der Anwalt von K., hielt sich am Dienstag zurück. „Ich habe noch keine Einsicht in die Akten gehabt, was genau meinem Mandanten vorgeworfen wird.“ Schlenker, der nach eigener Aussage Friedrich-Wilhelm K. bis zum Montagabend nicht kannte, war gezielt von dem 39-Jährigen angesprochen worden. Dabei hatte Schlenker seinem neuen Mandanten geraten, sich der Polizei zu stellen und von seinem Schweigerecht Gebrauch zu machen. Daran hat sich K. gehalten.

Der Tatort: Jutta K. hatte in ihrem Haus in Alt Ruppin zwei Wohnungen vermietet. Quelle: Julian Stähle

Der 39-Jährige stammt aus der Wittstocker Region und hat bereits mehrere Haftstrafen wegen Gewalttaten verbüßt. Zuletzt hatte ihn das Landgericht Neuruppin im Dezember 2010 zu einer dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Grund: K. hatte Anfang 2008 zwei Frauen, damals 50 und 80 Jahre alt, überfallen und sexuell genötigt. Nach der Haft war K. nach Alt Ruppin gezogen.

Am Freitag Gedenkgottesdienst in Alt Ruppin

In Alt Ruppin soll es am Freitag, 25. August, um 18 Uhr einen Gedenkgottesdienst für die langjährige Bootsvermieterin geben. „Die Kirche wird sicher rappelvoll“, sagte Ortsvorsteherin Ahlers. War doch Jutta K., die zwei erwachsene Söhne hinterlässt, weit über die Grenzen von Alt Ruppin hinaus bekannt. Mit dem Gottesdienst sollen sich Freunde und Bekannte von Jutta K. würdig verabschieden können. „Mit dem Schmerz des Verlustes muss aber wohl jeder allein fertig werden“, sagte Ahlers.

Von Andreas Vogel