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Ostprignitz-Ruppin Schwarzfahrer wider Willen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Schwarzfahrer wider Willen
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18:48 30.09.2015
Michael Jungclaus schaute sich am Mittwoch am Haltepunkt in Fretzdorf um.
Michael Jungclaus schaute sich am Mittwoch am Haltepunkt in Fretzdorf um. Quelle: Björn Wagener
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Fretzdorf/Dossow

Wer in Fretzdorf in den Zug nach Neuruppin steigt, kann offenbar leicht zum Schwarzfahrer wider Willen werden. „Denn es ist unmöglich, den Bedarfshaltepunkt Fretzdorf in den Automaten im Zug einzugeben. Man kann es höchstens in Walsleben noch mal versuchen, manchmal geht es, manchmal nicht“, berichtete die Fretzdorfer Ortsvorsteherin Carola Krause am Mittwoch im örtlichen Gemeindebüro von ihren Bahn-Erfahrungen auf der Strecke.

Michael Jungclaus, der Landtagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, nahm das interessiert zur Kenntnis. Schon seit Februar ist er dabei, alle „60 bis 70 nachfrageschwachen“ kleinen Bahnhöfe und Haltepunkte im Land nach und nach zu besuchen, um sich ein Bild von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten zu machen. Er ist sich sicher, die Gesamtsituation dann besser einschätzen zu können. Dabei konzentriert sich Jungclaus auf Bahnhöfe, die täglich von weniger als 50 Fahrgästen genutzt werden und deshalb am stärksten von einer Schließung bedroht sind. Neben Dossow und Fretzdorf standen auch Walsleben, Netzeband, Liebenthal und Weisen auf dem Programm.

Im Fretzdorfer Gemeindehaus wurde der Bündnisgrüne Politiker erwartet. Quelle: Björn Wagener

Zwar habe der Bund erst vor wenigen Tagen angekündigt, dass der regionale Bahnverkehr künftig mehr Geld bekommen werde. Allerdings soll dieses Geld in den kommenden Jahren nach einem anderen Schlüssel verteilt werden. Bevölkerungsreiche Gebiete profitieren dann stärker von den sogenannten Regionalisierungsmitteln. In ländlichen Gebieten kommt dagegen weniger an. „Das ist vermutlich erst 2017 zu spüren“, sagt Jungclaus. Schon jetzt sei wichtig, nach Entwicklungsmöglichkeiten kleiner Bahnhöfe zu schauen.

Forderung nach einer durchgehend stündlichen Taktung

Anke Sidowski vom Ortsbeirat in Dossow legte am Mittwoch gleich den Finger in die Wunde. Das Problem sei, dass der Zug zwar morgens zwischen etwa 5 und 8 Uhr stündlich in Dossow halte, danach aber nur noch im Zwei-Stunden-Rhythmus. Für sie bedeute das, von Neuruppin aus bis Wittstock fahren zu müssen, um dann von dort aus wieder nach Dossow zu kommen – oder sich von jemandem mit dem Auto aus Wittstock abholen zu lassen. „Dabei fahre ich mit dem Zug direkt an meinem Haus vorbei.“ Da könne sie beinahe auch gleich mit dem Auto nach Neuruppin fahren. Deshalb kam aus der Runde die eindeutige Forderung nach einer durchgehend stündlichen Taktung. Als ungünstig wurde zudem die Tatsache angesehen, dass der letzte Zug in Richtung Neuruppin und weiter bis nach Berlin-Spandau bereits um 20.05 Uhr in Fretzdorf abfahre. Dadurch werde es Besuchern aus Berlin, die in der Region kulturelle Angebote nutzen möchten, unmöglich gemacht, wieder nach Hause zu kommen. Ähnlich gehe es Paddlern, die auf der Dosse unterwegs sind.

Jungclaus, der sich für einen einheitlichen „Mobilitätsplan Berlin/Brandenburg“ ausspricht, gab am Mittwoch in Fretzdorf zu, etwas Mühe zu haben, Gespräche vor Ort und Bahn-Fahrplan auf seiner Tour unter einen Hut zu bringen. „Aber ich kann ja schlecht eine Bahnhofstour mit dem Auto machen.“

Von Björn Wagener

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