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Ostprignitz-Ruppin Auf den Autobahnen ist retten dann „Glückssache“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Auf den Autobahnen ist retten dann „Glückssache“
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02:27 30.04.2018
Für die Bauarbeiten wurden seit Oktober sämtliche Bäume an der Strecke gefällt. Jetzt müssen noch die Stubben aus dem Boden. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Fehrbellins Feuerwehr richtet sich auf das Schlimmste ein. Die Angst vor der Autobahnbaustelle ist fast greifbar. Vier Jahre lang werden die A 24 und die A 10 zwischen Neuruppin und Dreieck Pankow zur Dauerbaustelle. Nervös beobachten die Retter die Horrormeldungen, die fast schon täglich von der Baustelle der A 10 bei Michendorf südlich von Berlin eingehen.

Die Autobahn dort gilt wegen der Bauarbeiten zurzeit als die mit den meisten und schwersten Unfällen in ganz Brandenburg. Dabei wird bei Michendorf nur auf rund acht Kilometern gebaut, ein Klacks. Zwischen Neuruppin und Dreieck Pankow sind es 65 Kilometer.

Fehrbellins Gemeindebrandmeister Cornelius Voyé will vorbereitet sein, wenn die Bauarbeiten in wenigen Wochen beginnen. Die Fehrbelliner Feuerwehren sind für den größten Teil der A 24 im Kreis Ostprignitz-Ruppin zuständig, der ab Mai zur Baustelle werden soll. Voyé sammelt alles, was er an Informationen über die Bauarbeiten, Bauablauf, Sicherheitskonzept und Plänen bekommen kann. „Ich habe extra einen Ordner für die Unterlagen angelegt“, sagt Voyé: „Aber der ist leer.“

Offizielle Informationen über Deutschlands bald größte Autobahnbaustelle sind bisher Mangelware. Dabei ist allen klar, wie dringend sie gebraucht werden.

Für die Rettungskräfte sind Informationen zum Bau Mangelware

Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -baugesellschaft (Deges) als Vertreter des Bundes und die privaten Investoren von der eigens gegründeten Havellandautobahn GmbH & Co KG hatte am 20. März Vertreter von Gemeinde, Feuerwehren, Rettungsdienst, Polizei und andere Behörden zu einem ersten Treffen nach Oranienburg eingeladen.

Dort gab es Informationen zum groben Ablauf der Bauarbeiten. Zudem kündigten die Investoren rechtzeitig vor Beginn des Ausbaus in den betroffenen Anliegergemeinden eigene Informationsveranstaltungen an. Dort sollen Bürger, aber auch Feuerwehr und Rettungskräfte im Detail erfahren, was sie in den kommenden Jahren erwartet.

Auf einen Termin dafür wartet Fehrbellins Bürgermeisterin Ute Behnicke noch immer. „Wir haben bis heute nur die Informationen, die es an diesem Tag in Oranienburg gab“, sagt sie. Und nach dem dort genannten Zeitplan sollten die vorbereitenden Bauarbeiten im Mai, spätestens im Juni beginnen.

Der exakte Baubeginn steht noch nicht fest

Wann es genau losgeht, kann auch Steffen Schütz, der Sprecher der privaten Havellandautobahn-Gesellschaft, derzeit noch nicht sagen. „Das hängt von der verkehrsrechtlichen Anordnung ab“, sagt er. Heißt übersetzt: Die Baufirmen warten darauf, dass der Landesstraßenbetrieb Brandenburg grünes Licht für ihren Bauplan und die geplanten Einschränkungen auf den Autobahnen A 10 und A 24 gibt.

Die Feuerwehren aus Fehrbellin und den Ortsteilen sind für eine großen Teil der Autobahn zwischen Kremmen und Neuruppin zuständig. Quelle: Peter Geisler/Archiv

Die Baufirmen haben die gesamte Strecke, die bis 2022 ausgebaut werden soll, in Abschnitte eingeteilt. Auf der A 24 zwischen Neuruppin und dem Dreieck Havelland gibt es sechs davon, jeder etwa sechs Kilometer lang. Die Idee ist, dass immer auf sechs Kilometern gebaut wird, auf dem nächsten Abschnitt nicht, bevor dann wieder eine Baustelle folgt.

Autofahrer sollen so Gelegenheit haben, sich zwischen den Baustellen kurz zu erholen. Die Bauarbeiten in einem Abschnitt werden etwa zwei Jahre dauern, dann wechseln die Firmen dorthin, wo bisher nicht gebaut wurde. Die A 24 soll so zwischen Kremmen und Neuruppin in vier Jahren Stück für Stück völlig neu gebaut werden.

Vier Fahrspuren auf einer Hälfte der Autobahn

Damit die Firmen das schaffen, muss in den Baustellenbereichen der gesamte Verkehr auf eine Seite der bisherigen Autobahn verlagert werden. Ab Mai soll die Fahrbahn in Richtung Hamburg deshalb etwas verbreitert werden. Danach werden dort vier Fahrspuren markiert: zwei in Richtung Norden, zwei in Richtung Süden. Voraussichtlich ab Sommer fahren alle Autos über die eine Autobahnhälfte, damit die zweite bisherige Fahrbahn in Richtung Berlin abgerissen und neu gebaut werden kann.

Im Bereich der Baustellen wird es für Autofahrer eng. Pro Richtung gibt es zwar weiter zwei Spuren. Doch die werden zwangsläufig schmaler als bisher. Die rechte Spur für Lastwagen ist 3,75 Meter breit geplant, sagt Sven Tesanovic von der Deges. Die linke Überholspur wird etwa 2,5 Meter breit, an Brücken auch etwas schmaler. Das sind ein paar Zentimeter mehr als in der Baustelle bei Michendorf. Die Planer hoffen, dass das hilft, Unfälle zu vermeiden.

40 Einsätze hatte die Fehrbelliner Feuerwehr im vergangenen Jahr auf der Autobahn zwischen Kremmen und Neuruppin. Planer, Polizei, Rettungsdienst – alle rechnen damit, dass es durch die Bauarbeiten deutlich mehr werden.

Um eine Rettungsgasse bilden zu können, brauchen die Autofahrer auch Platz. Quelle: Peter Geisler

Aber wie sollen die Retter im Notfall zum Unfallort in den sechs Kilometer langen Baustellenabschnitten kommen? Seitenstreifen gibt es dort nicht, die Fahrbahnen sind eng. „Selbst wenn sie wollten, könnten die Autofahrer gar keine Rettungsgasse bilden“, fürchtet Bürgermeisterin Ute Behnicke. Und wie kommt die Feuerwehr ohne Rettungsgasse zum Unfall?

Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald sieht das gelassen. Notfalls müsste die Feuerwehr eben über die Gegenspur zum Einsatzort fahren, sagt er. Doch Ute Behnicke sorgt sich um ihre freiwilligen Einsatzkräfte; bei einem Unfall bildet sich erfahrungsgemäß auch auf der Gegenspur schnell Stau; auch dort ist kein Platz für eine Rettungsgasse. Sie sieht die Fehrbelliner Feuerwehrleute schon die schwere Technik kilometerweit auf dem Rücken tragen, weil sie mit ihren Autos nicht vorankommen. „Retten wird dann zur Glücksache“, sagt sie.

Es kracht vor allem am Anfang und am Ende

Warum es an Autobahnbaustellen zu mehr Unfällen kommt als auf anderen Strecken, haben Forscher der TU Dresden im Auftrag der Versicherer untersucht.

Im Bereich einer Baustelle passieren demnach oft sogar weniger Unfälle und weniger schwere Unfälle als auf Strecken ohne Bauarbeiten. Das gilt unabhängig davon, wie breit die Fahrspuren in den Baustellen sind oder wie lang eine Baustelle ist, heißt es in der Studie aus dem Jahr 2012.

Besonders riskant sind demnach die Stellen, an denen die Fahrbahnen verschwenkt werden. Zu Beginn einer Autobahnbaustelle und an ihrem Ende, wenn viele Autofahrer wieder beschleunigen, sei das Unfallrisiko bis zu sechs mal so hoch wie andernorts.

Im Land Brandenburg verlaufen rund 805 Kilometer Autobahn. Dort registrierte die Polizei 2017 insgesamt 8256 Unfälle. 1276 davon in der acht Kilometer langen Baustelle bei Michendorf.

Landrat Ralf Reinhardt hat angekündigt, extra Zufahren für den Rettungsdienst zu schaffen, Innenminister Karl-Heinz Schröter plädiert für versetztes Fahren auf der Baustellenstrecke, um Unfällen vorzubeugen. Die Polizei will Hubschrauber zur Überwachung der Strecke einsetzen.

Jede Behörde scheint für sich zu überlegen, was sie tun kann – mit dem wenigen, was alle bisher wissen. Und wie können sich Autofahrer vorbereiten, die auf die A 24 angewiesen sind,weil diese etwa ihr täglicher Weg zur Arbeit ist?

Informationsveranstaltungen in den Anliegergemeinden soll es nach wie vor geben, dabei bleibt Investorensprecher Steffen Schütz. Wann und wo sie stattfinden, stehe aber noch nicht fest, sagt er.

Von Reyk Grunow

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