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Ostprignitz-Ruppin Taubenzüchter besucht Kita-Kinder
Lokales Ostprignitz-Ruppin Taubenzüchter besucht Kita-Kinder
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02:15 08.07.2017
Savina, Aurelia und Emma (v.l.) halten eine junge Taube in der Hand. Quelle: Ronny Leßmann
Neustadt

Die Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte Spiegelberg laufen aufgeregt über die Wiese ihrer Kita zum Taubenzüchter Christfried Drescher. „Da sind sie“, ruft der vierjährige Elias. Es ist das erste Mal, dass die Kinder diese Vögel so nah zu Gesicht bekommen. Gespannt hören sie Christfried Drescher zu, was er alles über Tauben zu erzählen hat. „Es freut mich, dass ich eingeladen wurde, um den Kindern diese wundervollen Geschöpfe näherbringen zu dürfen.“

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Christfried Drescher aus Ganzer mit Brieftauben. In Zeiten von Mobiltelefon und Internet führe der Name Brieftaube ja eigentlich in die Irre, „Sporttaube“ wäre angemessener, sagt Christfried Drescher. Schließlich geht es heute bei den Brieftauben nicht mehr um das Überbringen von Nachrichten. Stattdessen zählt die Geschwindigkeit, mit der sie den Weg zurück in den heimatlichen Taubenschlag finden. Daher tragen die Tiere auch den Beinamen „Rennpferde des kleinen Mannes“.

Tauben fliegen dorthin zurück, wo sie geboren wurden

Der Taubensport funktioniert immer nach dem gleichen Prinzip: Die Brieftauben werden an irgendeinen – mal mehr, mal weniger weit entfernten – Ort gebracht. Von dort müssen sie den Weg nach Hause finden. Die schnellsten fünf Tiere gewinnen.

Christfried Drescher vergleicht sich gerne mit Leistungssportlern. Seine Leistung besteht darin, Brieftauben zu züchten, die schneller und weiter fliegen als ihre Konkurrenten. Fast jede freie Minute verbringt der 66-jährige Rentner, der über Jahrzehnte in der Dessower Brauerei als Technischer Betriebsleiter arbeitete, mit seinen etwa 100 Tauben. Regelmäßig trainiert Drescher diese. Er nutzt dabei eine Eigenheit dieser Vögel: „Sie fliegen immer wieder dahin zurück, wo sie geboren wurden.“

Christfried Drescher zeigt den Kindern zwei Jungvögel. Quelle: Ronny Leßmann

Zuerst lässt Drescher die Neulinge nur kurze Strecken zurücklegen, dann werden die Entfernungen immer größer. Seine bisher am weitesten gereisten Tauben fanden ihren Weg von Holland aus zurück. „Bei den weiten Flügen holen sich allerdings Habicht und Wanderfalke gerne die Tauben“, weiß Christfried Drescher. Bereits wenn er seine Vögel zu Hause rauslässt, lauert oft ein Habicht am Himmel. Manchmal geht den Tieren bei weiten Flügen aber einfach nur die Puste aus oder ein Gewitter sorgt für Orientierungslosigkeit.

Ein elektronischer Fußring für den Wettkampf

Die Leidenschaft für den Taubensport erbte er von seinem Onkel, von dem er das anspruchsvolle Hobby übernahm. Die Taubenzucht ist für Christfried Drescher Hobby und Leidenschaft gleichermaßen. Taubenzucht ist nicht nur ein zeit-, sondern auch ein kostenintensives Hobby. 20 Euro kostet eine Taube im Jahr, bei 100 Tauben sind das schnell mal 2000 Euro. Christfried Drescher könnte sich ein Leben ohne seine Tiere aber dennoch nicht mehr vorstellen. Für ihn geht es nicht um große Erfolge. Es gehe um Ehrgeiz, Leistung und natürlich um die Liebe zur Natur und Tierwelt, sagt Christfried Drescher.

Während eines Wettkampffluges werden die Tauben mit einem elektronischen Fußring ausgestattet, der ihre Start- und Ankunftszeit genau erfasst. Dafür ist unterhalb des Einflugloches am Taubenschlag ein elektronisches Gerät installiert, das die ankommenden Vögel registriert. Warum die Brieftauben so gut den Weg nach Hause finden, hat die Wissenschaft bislang nicht endgültig geklärt. Es wird vermutet, dass sich die Vögel am Magnetfeld der Erde orientieren oder den Stand der Sonne als eine Art Kompass benutzen.

Über 300 anerkannte Taubenrassen in Deutschland

Wobei Taube nicht gleich Taube sei, sagt Christfried Drescher. ­Alleine in Deutschland gibt es über 300 anerkannte Rassen, weltweit sind es über 1000. Ihren Ursprung haben alle in der Felsentaube, auch die Stadttaube. Doch von dieser Spezies grenzt Drescher seine Vögel scharf ab.

Seit über 40 Jahren ist er im Taubenzüchterverein 09675 Neustadt/Dosse tätig. „Wir haben momentan noch 72 Mitglieder. Es werden aber leider immer weniger. Es fehlt an Nachwuchs“, berichtet Christfried Drescher, der auch zweiter Vorsitzender des Vereins ist. Es mangele an der entsprechenden Förderung und Gewinnung junger Menschen. „Der Altersdurchschnitt unserer Züchter liegt bei 60 bis 70 Jahren.“ In diesem Jahr feiert der Verein sein 60-jähriges Bestehen. „Wir werden am 16. September dieses Jubiläum mit einer großen Ausstellung in Kyritz gebührend feiern“, kündigt Christfried Drescher an.

Elias lässt eine Taube aufsteigen. Quelle: Ronny Leßmann

Viele Fragen muss Drescher an diesem Tag den Kindern beantworten. Zum Beispiel, was die beiden Jungvögel, die er mitgebracht hat, fressen, wollte der vierjährige Paul wissen. Wie lange dauert es, bis eine Taube aus dem Ei schlüpft oder warum eine Taube einen Ring am Bein hat. Leicht verständlich beantwortete der Fachmann geduldig alle Fragen. Mit seiner ruhigen und sympathischen Art schaffte er es, die Kinder in seinen Bann zu ziehen und für Brieftauben zu begeistern.

Als Höhepunkt des Tages durften die Kinder sogar eine Taube steigen lassen. Elias konnte es kaum abwarten. Mit beiden Händen hielt er die Taube vor dem Start vorsichtig fest. Der Junge war erstaunt darüber, wie schnell Tauben fliegen können. Bis zu 40 Stundenkilometer sind sie schnell.

Von Ronny Leßmann

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